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Auf dieser Seite finden Sie Antworten rund um Rheuma; sei es zu medizinischen Fragen, zur Naturkeilkunde, Ernährung, Physiotherapie und vielem mehr. Die Seite wird nach und nach gefüllt.

 

 

Hilft Colostrum bei Rheuma?

 

Derzeit wird „Colostrum“ stark beworben. Es soll der Stärkung von Immunabwehr dienen. Was verbirgt sich hinter diesem Produkt? Kann man den propagierten gesundheitlichen Wirkungen vertrauen?

 

Kolostrum (lateinisch Colostrum) ist die bei Säugetieren von der weiblichen Milchdrüse in den ersten Tagen nach der Geburt produzierte Milch. Andere Bezeichnungen sind Vormilch, Kolostralmilch, Erstmilch oder Biestmilch (bei Kühen). Diese Milch enthält u.a. einen hohen Anteil an Antikörpern mit dem natürlichen Zweck, das Neugeborene vor Infektionen zu schützen und vom Immunsystem der Mutter profitieren zu lassen. Auf Grund dieses Effektes werden positive Wirkungen von Kolostrum auch auf den erwachsenen Menschen bei bestimmten Erkrankungen erhofft bzw. vermutet. Zum Einsatz kommt dabei Rinderkolostrum, da es auch großtechnisch gewonnen werden kann.

 

In den 70er Jahren wurden in zahlreichen Tierstudien positive Effekte von Rinderkolostrum bei verschiedenen Infektionskrankheiten beschrieben. In der Humanmedizin wurden seit den 90er Jahren auch zahlreiche klinische Studien mit mehreren Hundert Patienten durchgeführt. Dabei wurde hauptsächlich die Wirkung von Kolostrum bei Durchfallerkrankungen und anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes untersucht. Es konnte festgestellt werden, dass Kolostrumpräparate - eine den Qualitätsstandards entsprechende Herstellung vorausgesetzt - eine gute Verträglichkeit auszeichnet. Bei Laktoseintoleranz und Allergien gegen Milchproteine sollte jedoch von der Kolostrumeinnahme abgesehen werden. Positive Wirkungen von Kolostrum konnten bei schweren Durchfallerkrankungen bei Kindern und bei Immungeschwächten Patienten gezeigt werden.


Für den Indikationsbereich „rheumatoide Arthritis“ lassen sich keine Untersuchungen in der Literatur finden.
Derzeit gibt es in Deutschland kein zugelassenes Arzneimittel mit Rinderkolostrum als Inhaltsstoff, es finden sich jedoch diverse Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Letztere gelten rechtlich als Lebensmittel und dürfen daher nicht mit Heilversprechen beworben werden. Zudem muss ein Hersteller eines Nahrungsergänzungsmittels im Gegensatz zu einem Arzneimittelhersteller weder die Qualität, Wirksamkeit oder die Unbedenklichkeit seines Produktes nachweisen.

 

Empfehlung
Da keine Erkenntnisse über die Wirkung von Kolostrum bei rheumatischen Erkrankungen vorliegen, ist eine Einnahme in diesem Indikationsbereich nicht empfehlenswert. Besteht dennoch der Wunsch, ein Kolostrumpräparat einzunehmen, sollte erfragt werden, welche Qualitätsstandards bei der Herstellung eingehalten wurden (sogenannte GMP-Standards sollten erfüllt sein). Unverträglichkeiten gegen Laktose oder Kuhmilchproteine müssen vor der Anwendung ausgeschlossen werden. Die Einnahme sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden und bei ggf. auftretenden Unverträglichkeiten sofort gestoppt werden.

 

Autoren: Apotheker Alexander A. Zörner, Prof. Dr. med. Dirk O. Stichtenoth.
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover, 30623 Hannover


 

 

Ich habe in letzter Zeit öfter gelesen, dass Hagebutte gegen Arthroseschmerzen helfen soll. Ist da etwas dran?

 

Im Reagenzglas besitzt Hagebuttenpulver entzündungshemmende Eigenschaften. Zwei kleinere Studien an Arthrosepatienten verglichen 5 Gramm Hagebuttenpulver pro Tag mit einem Scheinmedikament. Hagebuttenpulver führte dabei innerhalb eines Monats zur Schmerzensenkung bei sehr guter Verträglichkeit.

 

Obwohl diese klinischen Studien auf eine Wirksamkeit von Hagebuttenpulver hinweisen, ist der Weg zur Zulassung als Medikament noch weit. Die Hagebuttenpräparate werden daher als  Nahrungsergänzungsmittel vermarktet.
Das Problem: Es wird der Anschein erweckt, es handele sich um ein Medikament mit nachgewiesener Wirksamkeit. Dadurch wird die Hoffnung vieler Arthrosepatienten auf ein wirksames und gut verträgliches Medikament ausgenutzt, um Profit zu machen.

Fazit: Es bestehen keine Bedenken gegen einen Versuch mit Hagebuttenpulver, wenn man sich etwas davon verspricht und etwa 25 Euro im Monat übrig hat. Wunder sind jedoch nicht zu erwarten.

Prof. Dr. med. Dirk O. Stichtenoth, Klinische Pharmakologie,
Medizinische Hochschule Hannover

 

Gibt es eine Vorbeugung vor Arthrose?

 

Nach und nach setzte bei mir (65) Arthrose ein: an Knie, Fingern, Daumensattel. Wie kann ich mich vor weiterer Arthrose schützen (ich mache zweimal wöchentlich Fitnesstraining im Studio, Yoga, Wirbelsäulengymnastik, Sauna)? Hilft eigentlich Chondroitin/Glucosamin?

Das ist nicht leicht zu beantworten, da Sie schon viel gegen Ihre Arthrose tun und Sie unterschiedlichste Gelenke ansprechen. Arthrose ist in der Regel eine mit dem Alter zunehmende Krankheit. Fitnesstraining hilft nur, wenn es die erwähnten Gelenke beim Training berücksichtigt. Yoga ist zwar gut zur  Entspannung, dass es gegen Arthrose an den Händen hilft, ist eher unwahrscheinlich.

Wirbelsäulengymnastik ist natürlich gut für die Wirbelsäule. Sauna erscheint mir weder zur Behandlung noch zur Vorbeugung einer Arthrose geeignet. Bisher fehlt der Beweis, dass Arthrose an den Händen durch Medikamente beeinflusst werden könnte. Von allen Substanzen, die zur Vorbeugung angepriesen werden, gehen allenfalls minimale Effekte aus.

Zur Vorbeugung von Arthrosen sollte vor allem die Belastung der Gelenke reduziert werden – das bedeutet auf das Körpergewicht zu achten und Sportarten wie Radfahren und Schwimmen zu betreiben, die die Gelenke nicht überlasten.

Dr. med. Jochen Lautenschläger, Leitender Oberarzt, Capio Klinik an der Weißenburg,Uhlstädt-Kirchhasel

 




Stand: 07.04.2009
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