
Berlin/Bonn, 09.10.2007.
Unter dem Motto „Arthrose? Wir helfen weiter“ beginnt die Deutsche Rheuma-Liga am Welt-Rheuma-Tag, 12.10., eine zweijährige Kampagne, die sich an Arthroseerkrankte wendet. Mit dem Motiv eines auf kantigen, rostigen Rädern laufenden Sportwagens wirbt der Patientenverband auf Großflächenplakaten bundesweit für Beratungs- und Bewegungsangebote. Eine spezielle Dauer-Hotline vermittelt den Kontakt zu den Beratungsstellen der 16 Verbände: 01804 – 60 00 00 (20 Cent pro Gespräch aus dem deutschen Festnetz).
Im Internet stehen Experten vom 12. bis zum 21. Oktober 2007 Ratsuchenden zur Verfügung: www.rheuma-liga.de. Mit der Kampagne will die Deutsche Rheuma-Liga zudem Schwachstellen in der Versorgung benennen.
„An Arthrosekranken wird derzeit viel zu viel herumgedoktert“, kritisiert Rotraut Schmale-Grede, Vizepräsidentin des 250.000 Mitglieder zählenden Selbsthilfeverbands. Es gebe zwar nationale und internationale Therapieleitlinien, aber keiner prüfe, ob diese auch eingehalten würden. „Eine vorbeugende oder ursächliche Behandlung der Arthrose gibt es bis auf wenige Ausnahmen wie Gelenkfehlstellungen oder Stoffwechselerkrankungen nicht“, erläutert Professor Josef Zacher vor der Presse in Berlin. Mit besonderer Skepsis betrachten die Rheuma-Liga und ihre Experten daher die wachsende Zahl von Produkten aus der Sparte der Nahrungsergänzungsmittel. Auch für operative Eingriffe ins Knie (Arthroskopien) fehle vielfach die Indikation.
Zur Linderung der Schmerzen taugen Medikamente, Physiotherapie und bei weit fortgeschrittener Zerstörung des Gelenkknorpels hilft das künstliche Gelenk. Daneben könnten die Betroffenen selbst aktiv werden, rät die Rheuma-Liga. „Gewichtsreduktion, Bewegung ohne Belastung, Sport– und Bewegungstherapie beugen einer Verschlechterung der Arthrose vor.“
Fünf bis sechs Millionen Menschen leben in Deutschland mit starken Beeinträchtigungen infolge von Arthrose. 340.000 Patienten entschieden sich 2006 für ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk. So viele wie nie zuvor. Allein die Kosten der ambulanten Therapie bei Arthrose beziffern sich auf 7,5 Milliarden Euro pro Jahr (GKV Stand 2002). Dr. Axel Reimann, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund, berichtet von 60.000 stationären Leistungen zur medizinischen Rehabilitation bei Arthrose. „Das entspricht einem Viertel der Rehabilitationen aller Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems.“ 2006 wurden durch die Deutsche Rentenversicherung 8.200 Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufgrund arthrotischer Krankheiten ausgesprochen, das sind 5,2 Prozent aller Erwerbsminderungsrenten. Die Deutsche Rentenversicherung Bund ist ein bedeutender Förderer der Deutschen Rheuma-Liga und unterstützt die Arthrosekampagne.
Arthrose ist die häufigste Erkrankung des rheumatischen Formenkreises. Dabei wird der Gelenkknorpel angegriffen. Überbeanspruchung, Fehlhaltungen, Sportverletzungen oder genetische Veranlagung können Auslöser sein. Am häufigsten betroffen sind tragende Gelenke wie Knie- und Hüfte, aber auch die Fingergelenke. Der Knorpel wirkt im gesunden Gelenk wie ein Gummipuffer. Gelenkschmiere hält ihn weich und geschmeidig. Bei zu wenig Bewegung, extremer Beanspruchung oder altersbedingt trocknet der Knorpel im Laufe der Jahre aus und rubbelt sich ab wie ein Radiergummi. Das Gelenk fängt an zu schmerzen, entzündet sich, schwillt an. Oft wird die Arthrose erst jetzt schmerzhaft bemerkt.
Die Deutsche Rheuma-Liga bietet seit fast 40 Jahren Beratung und Unterstützung in einem großen Netzwerk, das überwiegend von rheumakranken Menschen selbst getragen wird. Der gemeinnützige Verein zählt 250.000 Mitglieder mit Verbänden und Gruppen in allen Bundesländern. Arthrosebetroffenen Wege der Selbsthilfe und Therapie aufzuzeigen, ist ein wichtiges gesundheitspolitisches Ziel.
Kontakt für die Presse am 9.10.2007: mobil 01 60 – 3 52 52 47
Leitbild der Deutschen Rheuma-Liga
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