
Hohe finanzielle Belastungen durch Rheuma:
Bonn, 9. Juni 2008. Unter dem Titel „Risiko Rheuma“ informierte die Deutsche Rheuma-Liga am 5. Juni 2008 Abgeordnete des Bundestages, Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Deutschen Rentenversicherung Bund und medizinischer Fachgesellschaften in Berlin über die finanziellen Belastungen rheumakranker Menschen und die aktuelle Versorgungssituation.
Jeder dritte Rheumabetroffene zahlt mehr als 100 pro Quartal aus eigener Tasche für seine gesundheitliche Versorgung. Besonders hart trifft es Empfänger von Grundsicherung und Arbeitslosengeld II. „Rückmeldungen aus der Beratung zeigen immer häufiger Notlagen und Armut rheumakranker Menschen“, berichtete Rotraut Schmale-Grede, Vizepräsidentin der Deutschen Rheuma-Liga.
Auch die Gesellschaft als Ganzes trägt schwer an den Kosten: bei der rheumatoiden Arthritis betragen die Behandlungskosten 4.733 im Jahr für einen Patienten. Die Folgekosten für Arbeitsausfälle oder frühe Berentung summieren sich auf 15.637 . Die Zahlen basieren auf der Kerndokumentation der Regionalen Rheumazentren. Funktionseinschränkungen der Extremitäten, der Wirbelsäule und des Rumpfes sind die häufigste Ursache für Schwerbehinderungen. Ein geradezu „stiefmütterliches Dasein“ führten die fünf Millionen Arthroseerkrankten in Deutschland. Es fehle an Aufklärung über das Risiko Übergewicht, die Therapieleitlinie werde nicht konsequent umgesetzt, kritisiert Vorstandsmitglied Helga Jäniche.
Professor Heiner Raspe, Sprecher der Kommission Versorgung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, referierte zu dem soeben veröffentlichten Memorandum der DGRh, das alle verfügbaren Studien mit Evidenz zusammenfasst. Im Ergebnis zeigen sich zwar deutliche Fortschritte in Diagnostik und Therapie und die Patienten gelangen inzwischen früherer zum Facharzt, aber es mangelt an einer bedarfsgerechten Zulassung für die internistische Rheumatologie durch die Kassenärztlichen Vereinigungen und am Nachwuchs.
Prof. Wilfried Mau berichtete von Zugangsbarrieren zur Rehabilitation, die eine aktuelle Studie belegt. Die Experten raten, Krankengymnastik, Funktionstraining, Patientenschulung und Rehabilitationsmaßnahmen stärker bei der Langzeitbetreuung chronisch Kranker zu nutzen.
Aus Sicht der Rheuma-Liga muss die Marschroute für die Zukunft sein, eine frühe und gute ambulante Versorgung zu gewährleisten. Dies zahle sich letztlich für alle aus, die Betroffenen wie auch für die Gesellschaft.
Die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises umfassen eine Vielzahl von zum Teil sehr unterschiedlicher Krankheitsbilder. Die häufigste entzündliche Erkrankung ist mit 800.000 Betroffenen die rheumatoide Arthritis. An Arthrose sind fünf Millionen erkrankt.
Die Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V. ist Selbsthilfevereinigung und Interessenvertretung rheumakranker Menschen mit 250.000 Mitgliedern.
Ausführliche Informationen zum parlamentarischen Fachgespräch im Internet: www.rheuma-liga.de
Leitbild der Deutschen Rheuma-Liga
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