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Welt-Rheuma-Tag 2009: Ingo Bischof


Ingo Bischof, geboren 1936, lebt in Hamburg

Man kann ihn sich gut vorstellen im eleganten marineblauen Sacko. Heute aber kommt er ganz leger in Baumwollhose und Polo-Shirt mit dem Billigflieger aus Hamburg. Ein leicht norddeutscher Zungenschlag verrät die Heimat. Sein Alter sieht man dem drahtigen Siebziger nicht an. Sportlich aktiv zu sein, war dem ehemaligen Shell-Mitarbeiter und späteren Unternehmensberater immer sehr wichtig. Auch im Rentenalter hat er erfolgreich Golf und Tennis gespielt.

Bis zu dem Tag, so um den 70. Geburtstag, als er morgens buchstäblich nicht mehr aus dem Bett kam. Der ganze Körper war steif. Wie eingefroren. Besonders schlimm waren  die Schmerzen  im Schulterbereich. Der erste Gang führte zum Orthopäden. Vielleicht eine Sportverletzung oder Verschleiß? Der Orthopäde aber war auf Zack. Er hat ihn mit Verdachtsdiagnose „Polymyalgia Rheumatica“ an einen internistischen Rheumatologen verwiesen. Zu recht, wie sich nach eingehender Blutuntersuchung herausstellte. Hochdosiertes Cortison brachte die Entzündung rasch zum Abklingen und die Schmerzen ließen nach.

Zwei Jahre ging das gut. Das Cortison wurde langsam herunter gefahren. Bischof konnte wieder Golfen und Tennis spielen. Dann ein Sehnenriss in der Schulter und im Ellenbogen. „Vielleicht eine Folge des Cortisons“, vermutet er. Die Schmerzen im Körper kehrten zurück. Der Rheumatologe diagnostizierte nun noch Schlimmeres: Rheumatoide Arthritis. Aus mit dem Sport. Das war bitter. Aber Bischof  ist eine Kämpfernatur und lässt sich so schnell nicht unterkriegen.

Auf Empfehlung eines Clubkameraden geht er zu einem koreanischen Heilpraktiker. Der empfiehlt ihm eine spezielle Diät und setzt Akupunkturnadeln. Seitdem ernährt er sich weitgehend vegan – also rein  pflanzliche Kost, auch ohne Kaffee, Zucker und Alkohol - und hat zu seinem eigenen Erstaunen bereits 12 Kilo abgenommen. „Was natürlich gut ist für die Knochen und die Gelenke entlastet.“ Auch die Cholesterin - und Leberwerte seien „sensationell“,  sagt er erleichtert.
Tennis hat er aufgegeben, aber das geliebte Golfspiel geht schon wieder einigermaßen. Im Fitness Center macht er auch dafür Muskelaufbau an Geräten und Ausdauertraining auf dem Fahrrad. All das zahlt er aus eigener Tasche, denn die Krankenkasse übernimmt keine Kosten.

Das Cortison hat er inzwischen von 15 auf 10 Einheiten herunterfahren können und er fühlt sich so gut, wie lange nicht mehr. Sicher, das MTX, ein Rheumamedikament, das erst nach längerer Einnahme wirkt, mag seinen Teil dazu beigetragen haben, räumt er auf Nachfrage ein. Anfangs hatte er dieses Medikament überhaupt nicht vertragen. Aber beim 2. Versuch ging es gut. Vielleicht wird er nun sogar um die Operation der Schulter herumkommen. Den schon geplanten Termin hat er jedenfalls erst einmal verworfen.

Warum ihn noch im hohen Alter so eine Krankheit erwischt hat? Die Frage hat sich Bischof schon oft gestellt. „Solche Autoimmunstörungen liegen möglicherweise in meinen Genen“, vermutet er. Seine Tochter erkrankte mit  6 Jahren an juvenilem Diabetes und mit 20 Jahren an Multipler Sklerose, beides auch Immunerkrankungen. 15 Jahre dauerte ihr Kampf dagegen. Am Ende hatte sie keine Chance. In dieser schweren Zeit hat Bischof erfahren, wie wichtig der Kontakt zu anderen Betroffenen und zur Selbsthilfe sein kann.  Es ist für ihn daher selbstverständlich Mitglied der Rheuma-Liga zu sein „schon aus Solidarität“. Und weil er alle zwei Monate die Zeitschrift mobil erhält. „Die ist einfach super. Ich lese sie mit großem Interesse von Anfang bis Ende.“




Stand: 02.10.2009
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