
Nicole Wöhler, geboren 1973, lebt in Köln

Sie kommt genervt als Letzte zum Shooting. Zu spät Kommen ist sonst nicht ihr Ding. Erster Eindruck: ein Figürchen wie aus Porzellan. Schon als kleines Kind mochte sie nicht wie die anderen draußen herumtollen. „Mir war das auf der Erde zu hart. Ich spielte lieber auf dem weichen Teppich.“
Im Gespräch überrascht sie mit ihrer Leidenschaft zum Tanzen. Zunächst als Kind im Ballett. „Das tat auch dem schmerzenden Rücken gut“. Dann im Formationstanz, vor allem Lateinamerika-Rythmen. Hier brachte sie es bis in die 2. Bundesliga.
Die Schmerzkrankheit Fibromyalgie hatte sie wahrscheinlich schon als Kleinkind. Auch Oma und Mutter leiden unter ähnlichen Symptomen. Aber das hat sie sich erst viel später zusammengereimt. Richtig los ging es mit 23. Da musste sie drei Mal in die Schmerzambulanz der Uniklinik, weil es nicht mehr auszuhalten war. Zunächst dachte man an Sehnenscheidenentzündung. Irgendwann erhielt die Krankheit den Namen: Fibromyalgie Syndrom – chronische Schmerzen im ganzen Körper, die immer da sind und wohl nie wieder weggehen. Rücken, Arme, Beine, vor allem die Sehnenansätze und die Muskeln tun weh. Nicole hat gelernt, damit zu leben.
Sie ging nach der Schule in eine Schneiderlehre. Aber das monotone Zuschneiden und die einseitige körperliche Belastung waren nicht das Richtige. Dann studierte sie Bekleidungstechnik. Ein großes Problem war das viele Schreiben. Die Finger machten nicht mit bei den Klausuren.
Um Durchzustehen hat sie in dieser Zeit und später im Beruf einfach alles ausprobiert, was an Schmerztherapie möglich war. Der Job als Produktentwicklerin bei einem großen deutschen Sportwarenhersteller war stressig, viele Überstunden. Der Körper revoltierte. Ein dreiviertel Jahr lang war die sonst so einsatzfreudige Mitarbeiterin arbeitsunfähig. Nach einem Reha-Aufenthalt konnte sie nach und nach wieder ihre Arbeitskraft steigern. Sie hat diese Zeit als sehr positiv und aufbauend in Erinnerung. Der Reha-Berater hatte vermittelt und der Arbeitgeber machte mit. Ihre Erkrankung wurde als Behinderung anerkannt. Zunächst für fünf Jahre. Ende des Jahres muss sie das neu beantragen. „Keine Ahnung, wie das ausgeht. Für mich ist das kaum zu durchschauen, wie das geprüft wird.“ Die Krankenkasse finanzierte zwar die Wiedereingliederung in den Beruf, hat aber ihre Krankheit bislang nicht als „chronisch“ im Sinne der ein Prozent Klausel anerkannt. Mehrkosten, die ihr durch die Fibromyalgie entstehen, muss sie wie Gesunde auch, bis zu zwei Prozent ihres Einkommens selbst tragen.
Nicole hat vor allem durch die Reha gelernt mit ihren Kräften besser zu haushalten und schwere Schmerzattacken rechtzeitig auszubremsen. Seitdem macht sie konsequent Krankengymnastik zu Hause. „Morgens erst einmal eine halbe Stunde. „Sonst würde ich auch gar nicht aus dem Bett kommen.“ Dann, nach der Arbeit auf der Matte. Ihren Tanzsport musste sie aufgeben. Der fehlt ihr heute noch sehr. „Aber wenn man nicht sein Bestes geben kann, dann lässt man es lieber ganz.“
Sie sucht jetzt nach einer anderen sportlichen Herausforderung. Karate hat sie ausprobiert. Aber das war dann doch zu hart. Derweil hat sie Freude am Warm-Wasser-Funktionstraining der Rheuma-Liga, das sie regelmäßig nutzt. „Da kann ich dann auch ganz locker bleiben und muss mir nichts beweisen.“
Nicole lebt heute mit ihrem Freund „ganz wichtig und tut gut“ in Köln und arbeitet als Bekleidungstechnikerin in Düsseldorf. Die Kampagne der Rheuma-Liga unterstützt sie gerne. „Denn ab und an muss man auch mal was Neues wagen.“ Ein befreiendes Lachen. Das Porzellanfigürchen erweist sich als bruchsicher und formstabil in (fast) allen Lebenslagen.
Leitbild der Deutschen Rheuma-Liga
Das Dokument gibt Auskunft über Werte, Handlungsfelder und Ziele des Verbandes