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Patient als Partner


Geschulte Patient/innen als Partner in der Ärzte-Aus- und –Fortbildung – das ist die Idee des Patient-Partners-Projektes, das die Deutsche Rheuma-Liga zusammen mit der Arthritis Action Group – einem Zusammenschluss von Rheumatologen - und der Firma Pfizer im Jahr 2007 in Deutschland gestartet hat. 

In mehreren anderen europäischen Ländern hat man bereits eine langjährige gute Erfahrung mit diesem Ansatz. Weltweit gibt es inzwischen mehr als 600 ausgebildete Patienten in 23 Ländern. In der Schweiz, den Niederlanden und einigen skandinavischen Ländern gehen die Patientinnen schon seit mehr als zehn Jahren in die entsprechenden Fortbildungen. Daran soll nun auch in Deutschland angeknüpft werden. 

Die geschulten Patient/innen stellen nicht nur ihre Hände zum Abtasten zur Verfügung, sie zeigen Ärzten und Medizinstudenten auch, wie man eine rheumatische Hand richtig untersucht, worauf der Arzt zu achten hat und was er über einen Betroffenen und dessen Leben mit Rheuma wissen sollte. In einer Kleingruppe von ca. fünf Ärzten übernimmt der/die geschulte Patient/in die Rolle eines Trainers. Er/Sie stellt sich kurz vor und schildert sein/ihre ganz persönliche Geschichte mit der rheumatischen Erkrankung: wie die Krankheit ausgebrochen ist, wann sie diagnostiziert wurde, welche Behandlungen er/sie schon hinter sich hat, wie es ihm/ihr im Moment geht, welche Medikamente er/sie einnimmt und welche Einschränkungen die Erkrankung im alltäglichen Leben mit sich bringt. Danach fordert er/sie in einem Rollenspiel die Ärzte auf, einen neu betroffenen Patienten mit Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung zu untersuchen und die entsprechenden Fragen für eine Anamnese zu stellen. Immer wieder gibt er/sie den Teilnehmern Rückmeldungen, was gut gemacht wurde, was man verbessern kann und welche Frage z. B. noch wichtig wäre.

Für die Ärzte ist das eine Gelegenheit, im kleinen persönlichen Rahmen das Abtasten auszuprobieren und einem Betroffenen Fragen zu stellen, die man als Arzt dem eigenen Patienten vielleicht nicht stellen würde. Medizinstudenten bekommen von erfahrenen Patienten Rückmeldung zu ihrem Tun. Die Erfahrung zeigt, dass die veranschlagten 45 Minuten immer als zu kurz empfunden werden. Für die geschulten Patient/innen bietet sich die Chance, mit ihrer Erkrankung und ihren persönlichen Fähigkeiten eine positive und wichtige Rolle zu übernehmen und in der rheumatologischen Versorgung etwas zu verbessern. Die Patient/innen erhalten nur die Fahrtkosten und eine kleine Aufwandspauschale.

Als erste Umsetzung des Patient Partners Projektes wurde schon im Jahr 2006 zusammen mit der Arthritis Action Group eine eigene Fortbildung „Fälle & Fakten und Patient Partners“ erarbeitet, die sich an Hausärzte richtet. In einem interaktiven Teil leitet ein Rheumatologe die Teilnehmer durch die wichtigen Grundlagen der Rheumatologie, in dem Fälle beispielhaft durchgespielt werden. Der Teil mit den geschulten Patient/innen gibt dann Gelegenheit, das Gehörte umzusetzen und auszuprobieren. Diese Fortbildung wird seit 2007 an verschiedenen Orten mit jeweils 15 Hausärzten durchgeführt. 

Im Jahr 2008 wurde das Programm auf die Diagnose „Morbus Bechterew“ erweitert. Auch hier wurden Patienten geschult, um die aktive Rolle in der Ärztefortbildung zu übernehmen. Insgesamt sind fast 110 Patient/innen in Deutschland geschult und im Einsatz. Zwei weitere Ausbildungen sind für das Jahr 2012 geplant.

Im Jahr 2009 ist das erste Pilotprojekt an der Universität in Düsseldorf gestartet, um auch den Medizinstudenten die Rheumatologie durch einen geschulten Patienten nahe zu bringen. Alle Medizinstudenten des 7. oder 8. Semester nehmen im Rahmen einer Werkwoche „Rheumatologie“ an einer Sitzung mit den Patient Partners teil. Inzwischen ist das Projekt an der Charité in Berlin und an den Universitäten in Heidelberg, Münster und Köln im Einsatz. Ziel ist es, in weiteren Universitäten des Landes angehenden Ärzten mit diesem Projekt die Rheumatologie attraktiv zu vermitteln. 




Stand: 23.01.2012


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