Chancen für Lebensretter

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Etwa 11.000 schwerkranke Deutsche warten auf ein rettendes Spenderorgan. Doch kommen Rheumatiker als Organspender überhaupt infrage? mobil, die Mitgliederzeitschrift der Rheuma-Liga, hat nachgehakt.

Herr Schaub, dürfen Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen grundsätzlich Organe spenden?

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen stellen ein breites Feld dar. Sie gehen nicht unbedingt mit einer relevanten oder schweren Organbeteiligung einher, etwa einer starken Nierenschädigung mit Dialysepflicht. Auslöser sind Autoimmunprozesse. In jedem transplantierten Organ befinden sich sogenannte Passenger-Lymphozyten, also weiße Blutzellen, die solche Autoimmunerkrankungen auf den Empfänger theoretisch übertragen können.

Zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen dienen ähnliche Medikamente, die Ärzte bei Organempfängern einsetzen, um zu verhindern, dass der Körper das fremde Spenderorgan abstößt. Diese Immunsuppression unterdrückt jedoch eine mögliche Erkrankung beim Organempfänger. Das Risiko einer Ansteckung mit der rheumatischen Erkrankung über weiße Blutzellen kann man daher vernachlässigen.

Als Rheumakranker nehme ich regelmäßig Medikamente – ist dies ein Ausschlussgrund?

Nein. Betroffene Patienten werden in der Regel in spezialisierten Praxen und Einrichtungen betreut, die großes Augenmerk auf möglichst geringe Nebenwirkungen der verabreichten Medikamente legen und Komplikationen durch Kortison, Methotrexat, NSAR und andere Medikamente beziehungsweise Biologika frühzeitig erkennen. Natürlich kann man trotz aller Sorgfalt und sachgemäßer Anwendung nicht ausschließen, dass ein Organ Schaden genommen hat. Deshalb macht die Transplantationsmedizin umfangreiche Tests. Das betroffene Organ wird dann nicht transplantiert. Es ist jedoch immer eine Einzelfallentscheidung. Daher ist es nicht möglich, eine generelle Empfehlung auszusprechen. Es spricht jedoch nichts dagegen, dass Rheumatiker einen Organspendeausweis entsprechend ausfüllen und bei sich tragen.

Wie steht es mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen mit möglicher Organbeteiligung, etwa systemischer Lupus erythematodes?

Bei einem systemischen Lupus erythermatodes sind verschiedene Organe unterschiedlich stark beteiligt. Je nach Behandlungserfolg können die Organe unterschiedlich stark in Mitleidenschaft gezogen sein. In dem komplexen Feld dieser Erkrankungen bedeutet dies für die Organspende, dass für jeden Patienten und für jedes Organ im Einzelfall entschieden werden muss.

Bis zu welchem Alter darf man seine Organe spenden?

Es gibt grundsätzlich kein Alterslimit für Organspenden. Es liegt aber auf der Hand, dass unterschiedliche Organe einem unterschiedlichen Alterungsprozess ausgesetzt sind: Herzen altern zum Beispiel schneller als Nieren oder die Leber. Auch an dieser Stelle müssen die Transplantationsmediziner im Einzelfall prüfen, welche Organe aus medizinischer Sicht noch mit gutem Langzeit erfolg transplantiert werden können. Die ältesten transplantierten Spenderorgane (Nieren/Leber) waren 98 Jahre alt. Es wurden aber auch schon Herzen und Lungen von über 70-jährigen Spendern transplantiert. 

Zum Interviewpartner

Franz Schaub ist Vorstandsreferent der Deutschen Stiftung Organtransplantation in Frankfurt am Main.

 

Organspendeausweis

Gut zu wissen!

Die Bereitschaft zur Organspende wird in Deutschland nicht registriert. Deshalb sollte man auf einem Organspendeausweis festhalten, ob und wenn ja, welche Organe man spenden möchte. Liegt kein Ausweis vor, müssen Angehörige entscheiden. Organspendeausweise und weitere Informationen beim gebührenfreien Infotelefon Organspende der Deutschen Stiftung Organtransplantation:
0800 - 9040400