Tätowierung: Das geht unter die Haut

Tätowierung mit Rheuma, Foto C. Weil

Einst zierten sie vor allem Stammeskrieger, heute tragen Promis wie Rihanna oder Lady Gaga ihre Tätowierungen stolz zur Schau. Was denken junge Rheumatiker darüber? Warum entscheiden sie sich für die Körperkunst? Ein Interview.

Christine, was bedeuten Tattoos für dich?

Meine Tätowierungen stehen für Lebensereignisse, überstandene Situationen, die mich in irgendeiner Weise geprägt haben, Dinge, die mir wichtig sind, und Menschen, die mir sehr nahe stehen. Meine Motive haben alle eine Bedeutung für mich.

Wann hast du dir dein erstes Motiv stechen lassen?

Ich wollte schon mit 13 unbedingt ein Tattoo haben, hatte aber Angst vor den Schmerzen. Mitte 20 hatte ich einen schweren Unfall. Danach wurde mir bewusst, wie sehr man das Leben genießen sollte, weil es schneller vorbei sein kann als man denkt. Die Auswahl des Motivs ging schnell. Mich hat dabei auch eine Tattoo-Messe inspiriert, die Frankfurter Tattoo-Convention. Schon auf dem Heimweg wusste ich, was ich haben wollte: Etwas Beständiges, was mir auch in 20 Jahren noch gefällt. Daraufhin habe ich den Entschluss gefasst, mir mein Sternbild tätowieren zu lassen – vielleicht auch gerade, weil ich aus dieser Unfall situation so „glimpflich“ rausgekommen bin. Dann fing die Suche nach dem richtigen Studio an. Als ich das Studio meines Vertrauens gefunden hatte, war der Termin schnell ausgemacht und die Aufregung sehr groß. Ich würde mein Tattoo nicht mehr missen wollen!

Wie ging es weiter?

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon die nächsten Motivideen im Hinterkopf. Konkretisiert haben sich meine Pläne aber erst so nach etwa sechs Jahren. Nun wird nach und nach alles „abgearbeitet“ und ich freue mich schon sehr auf meine künftigen Tattoos.

Fühlst du dich mit den Tätowierungen anders? Schöner?

Ich fühle mich damit nicht wirklich anders oder schöner. Ich fühle mich mehr wie ich selbst.

Und was kostet das?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt zum einen vom Tätowierer ab, zum anderen aber auch vom Motiv, der Größe und von der Zahl der Farben. Meist muss man eine Anzahlung leisten, die dann mit dem Zeichnen verrechnet wird. Das erklärt der Tätowierer aber alles ganz genau beim Beratungstermin. Mein erstes Tattoo hat etwa 120 Euro gekostet, mein größtes Wunschmotiv, das ich mir noch stechen lassen möchte, kostet vermutlich über 2.500 Euro.

Wie reagiert dein Umfeld auf deine Tätowierung?

Tattoos gibt es schon seit der Steinzeit, in vielen Kulturen finden sich auch heute noch Tätowierungen. Leider gibt es aber in unserer Gesellschaft viele Menschen, in deren Köpfen Tattoos nur mit Kriminellen und Seefahrern in Verbindung gebracht werden. Sie drücken Tätowierten daher voreilig einen Stempel auf. Auch Arbeitgeber sehen Tätowierungen leider oft kritisch. Dabei fallen sie unter das Persönlichkeitsrecht und sagen nichts über die Kompetenzen eines Menschen aus.

Wie ist die Meinung dazu unter Rheumatikern?

Viele haben Angst vor den Schmerzen und vor möglichen Nebenwirkungen wie Allergien oder Hautproblemen. Manche Ärzte warnen auch, dass es Probleme beim Röntgen oder CT gibt, was viele vielleicht abschreckt. Kein Rheumatiker, den ich kenne, hat Probleme mit seinen Tattoos.

Was gibt es zu beachten?

Vor dem Stechen sollte man keinen Alkohol trinken und keine blutverdünnenden Medikamente wie Acetylsalicylsäure einnehmen. Auch sollte man sich überlegen, an welchen Stellen die Tattoos gestochen werden sollen. An Wirbelsäule, Schultern oder Gelenken kann es schon arg schmerzhaft werden. Anschließend sollte man für etwa sechs Wochen die pralle Sonne meiden und nicht schwimmen oder in die Sauna gehen. Ansonsten kann ich nur vor einer Nebenwirkung warnen: Tätowierungen machen süchtig! Wenn man einmal damit angefangen hat, werden weitere Tattoos nicht lange auf sich warten lassen!

Das Interview führte mobil-Mitarbeiterin Christiane Reichelt

 

Das sagt der Experte

Gut zu wissen!

Berichte über Nebenwirkungen und Allergien sind recht selten. Krebserregende und giftige Stoffe sind verboten – Profi-Tätowierer halten sich auch daran. Trotzdem kann es zu Allergien kommen. Da der Arzt nie weiß, welche Pigmente der Tätowierer verwendet hat, ist das nicht unproblematisch.

Patienten mit einer rheumatischen Erkrankung sollten besonders vorsichtig sein, weil das außer Tritt geratene Immunsystem auch auf die Pigmentstoffe verstärkt reagieren könnte. Am besten testen Betroffene die Farben mit einem sehr kleinen Tattoo. Das gilt besonders für Lupus- und Psoriasis-Patienten. Bei Psoriasis Arthritis kann das Köpner-Phänomen auftreten: Auf dem Tattoo entsteht Schuppenflechte. Betroffene sollten sich daher gut überlegen, ob sie ihr Immunsystem in dieser Hinsicht herausfordern wollen.

Beim Entfernen der Tatoos bestand früher das Risiko, dass die Haut beim Lasern verbrennt oder weiße oder braune Hautstellen zurückbleiben. Bei der neuesten Methode passiert das nicht mehr: Der Picosekundenlaser kann Tätowierungen in drei bis sechs Sitzungen gut entfernen. Die Kosten muss der Patient selbst tragen: etwa 500 Euro pro Sitzung.

Dr. Klaus Hoffmann, Dermatologe