Medizinische Fußpflege bald auf Rezept?

Fußpflege, foto clipdealer

Was für Diabetiker längst gängige Praxis ist, sollte auch für alle Patienten mit Schädigungen von Nerven und Gewebe eingeführt werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss prüft nun, die Verschreibungspflicht medizinischer Fußpflege auszuweiten.

Schmerzen und Funktionseinschränkungen gehören zum Alltag von Rheumatikern. Diese erschweren vielen Menschen die selbstständige Pflege der Füße und Zehen – sie erreichen schlichtweg ihre Füße nicht. Bewegungseinschränkungen und zu wenig Kraft in den Händen führen dazu, dass auch der Gebrauch von Instrumenten für die Fußpflege oft kaum möglich ist.

In den Genuss der medizinischen Fußpflege (Podologie) auf Rezept kommen Rheumatiker jedoch nicht: Bisher zahlen die Betroffenen die medizinische Fußpflege aus eigener Tasche. Seit Jahren setzt sich die Rheuma-Liga im Gemeinsamen Bundesausschuss dafür ein, dass auch Rheumatiker die medizinische Fußpflege auf Rezept erhalten.

Grünes Licht bei Diabetes

Ärzte dürfen bisher die medizinische Fußpflege nur dann zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verschreiben, wenn aufgrund einer Diabetes-Erkrankung krankhafte Schädigungen des Fußes, der Nerven und des Gewebes zu unumkehr baren Folgeschäden führen. Zu diesen Folgeschäden können beispielsweise Durchblutungs- oder Wundheilungsstörungen gehören. So steht es in der Heilmittel-Richtlinie. Die Krankenkassen verweigern daher die Kostenübernahme bei jeder anderen Erkrankung.

Ungerecht findet das die Patientenvertretung im Gemeinsamen Bundesausschuss. Denn die Voraussetzungen für eine Verordnung der medizinischen Fußpflege treffen auch auf andere Erkrankungen – wie die des rheumatischen Formenkreises, der Multiplen Sklerose oder der Artheriosklerose – zu. Infektionen durch Druckgeschwüre, eine schlechte Durchblutung der Gefäße oder eine Nervenschädigung gehören unter anderem zu den Folgeschäden der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. 

Juristische Schützenhilfe

Mit dieser Einschätzung stehen die Patientenvertreter nicht alleine da: Ein Urteil des Landessozialgerichts Schleswig-Holstein stützt die Auffassung, dass dieselben Folgeschäden bei anderer Grunderkrankung eine Verordnung rechtfertigen.

Die Patientenvertretung im Gemeinsamen Bundesausschuss hat nun einen Antrag gestellt, um die medizinische Fußpflege auch für andere Patientengruppen zu ermöglichen. Ausgangspunkt einer Verordnung sollte nicht die Grunderkrankung, sondern die vergleichbaren Folgeschäden aufgrund der Grunderkrankung sein. Dafür muss die Heilmittel-Richtlinie geändert werden. Darüber muss nun der zuständige Unterausschuss beraten. Bis es zu einer Entscheidung kommt, können allerdings noch Monate vergehen.

Zur Autorin

Sabine Eis ist  Referentin für Gesundheits-und Sozialpolitik für die Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband