Mein Wieder-Ausstieg

Wenn Job, Familie und Rheumazusammen zu viel werden, Clipdealer

Wie lassen sich Rheuma, Kind und Beruf unter einen Hut bringen? Für betroffene Mütter ist das extrem schwierig und kann zeitweise sogar unmöglich werden, zeigt dieser Erfahrungsbericht.

Manchmal kann ich es selbst kaum glauben: Seit der Geburt meiner Tochter sind mittlerweile schon über fünf Jahre vergangen – und bald kann ich 20-jähriges Jubiläum meiner rheumatoiden Arthritis feiern.

Nach Geburt und Elternzeit stieg ich voll motiviert wieder in den Job ein – in Teilzeit. Nach der ersten Euphorie kam eine herbe Enttäuschung: Mit meinen wenigen Wochenstunden konnte ich überhaupt nicht mehr auf dem Niveau arbeiten wie zuvor, beziehungsweise wie meine Vollzeit-Kollegen! Dazu muss man wissen, dass ich einen Männerberuf in der Automobil-Branche ausübe. Nach und nach musste ich meine Wochenstundenzahl erhöhen, bis auf 20 Stunden. Das hört sich nicht so schlimm an, doch kamen noch zwei Stunden Fahrtzeit am Tag dazu.

Dauernd erschöpft

Mit steigender Wochenarbeitszeit stiegen auch direkt die Häufigkeit meiner krankheitsbedingten Ausfälle sowie mein Grad der Erschöpfung. Außerdem gab es immer häufiger die haarsträubendsten Konstellationen: Mann auf Dienstreise, Tochter leider schon wieder krank, Oma im Urlaub, auf der Arbeit dringende Termine. Wenn dann unsere Tochter endlich wieder fit war und in den Kindergarten gehen konnte, musste
ich gleich noch ein paar eigene Krankentage anhängen: angesteckt! Es war zum Verzweifeln. Zuerst dachte ich an eine Nebenwirkung meines Biologikums: So häufig krank sein, das gibt es doch gar nicht. Im Nachhinein weiß ich: Es war einfach zu viel. Es ist eine ganz enorme Belastung, sich parallel um Job, Kind und Haushalt zu kümmern – und das noch mit einer chronischen Erkrankung samt Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken. Meine extreme Erschöpfung war mit Sicherheit auch auf das Rheuma zurückzuführen.Irgendwann gelangten mein Mann und ich an den Punkt, an dem wir erkennen mussten, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich hatte das Gefühl, nichts und niemandem mehr gerecht werden zu können: meiner Tochter nicht, meinem Job nicht und meiner Krankheit sowieso nicht. Insgeheim wartete ich immer auf einen Riesenmega-Rheumaschub, der mich endgültig niederstrecken würde. Zum Glück blieb mir wenigstens das erspart!

Wieder in Balance

Somit kam der Tag, an dem ich – zum Entsetzen meines Chefs – meine Arbeit kündigte. Ob das langfristig die richtige Entscheidung war? Was meine Gesundheit und meine Tochter angeht: Ja! Was Rente, Absicherung, Karriere und Ähnliches betrifft: wohl eher nein. Eine sehr zwiespältige Entscheidung. Trotzdem war ich heilfroh, dass ich nicht mehr so dauergestresst und erschöpft war und somit auch nicht mehr so häufig krank. Erwischt es mich dennoch, erhole ich mich jetzt viel schneller. Ich kümmere mich gut um mein Rheuma und mache einmal die Woche (rheumagerechten) Sport im Fitness-Studio. Außerdem fahre ich viel Fahrrad. Das tut meinem Allgemeinbefinden und meinen Gelenken sehr gut. Auch meine Tochter ist richtig aufgeblüht, da ich jetzt am Nachmittag die Zeit und die Energie habe, sie zu diversen Sport- und Musikkursen zu bringen, die ihr einen Riesenspaß machen. Ich bin mir auch darüber im Klaren, dass es für uns ein Glück ist, mit einem Gehalt auskommen zu können. Es könnte auch anders sein.

Ziel: Wieder-Einstieg!

Trotz allem vermisse ich meinen Beruf und hoffe so sehr, dass ich irgendwann einen vernünftigen Wiedereinstieg schaffe. Hoffentlich macht mir dann nicht mein Rheuma einen Strich durch die Rechnung. Drückt mir die Daumen!

Zur Autorin

Der Name der Autorin ist der Redaktion bekannt.