Schützender Piks

Impfbuch, © VRD - Fotolia.com

Egal, ob Tetanus oder jährliche Grippeimpfung: Gerade wer an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung leidet, sollte auf einen guten Impfschutz achten.

Patienten mit autoimmun-vermittelten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko, Infekte – vor allem Atemwegsinfekte – zu bekommen und auch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Infektverlauf. Das liegt zum einen an der Grunderkrankung, zum anderen aber auch an bestimmten Medikamenten, die die Körperabwehr abschwächen. Impfungen können zumindest vor einem Teil der Infekte schützen. Es ist daher dringend zu raten, die empfohlenen Schutzimpfungen durchführen zu lassen. An dieser Stelle besteht in Deutschland erheblicher Aufholbedarf.

Es müssen beim Impfen einige Besonderheiten beachtet werden. Auch sollten Impfungen strategisch geplant werden. Deshalb ist es wichtig, dass Arzt und Patient immer wieder darüber sprechen, welche Impfungen individuell sinnvoll sind.

Der richtige Zeitpunkt

Der Zeitpunkt einer Impfung sollte möglichst in einer Phase mit niedriger Krankheitsaktivität liegen: Dann ist das Risiko, durch die Impfung einen Krankheitsschub auszulösen, nach derzeitigem Kenntnisstand äußerst gering. Wer seinen Impfschutz frühzeitig jeweils in Phasen geringer Krankheitsaktivität komplettieren lässt, betreibt sinnvolle Vorsorge.

Basisschutz für alle

Jeder sollte einen ausreichenden Standardimpfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung besitzen (Auffrischimpfungen gegen Tetanus und Diphtherie sind alle zehn Jahre erforderlich; Impfungen gegen Keuchhusten und Kinderlähmung in Abhängigkeit von früher erfolgten Impfungen). Zusätzlich sind bei Patienten mit autoimmun-vermittelten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen weitere Impfungen angeraten: Grippe (jährlich), Pneumokokken (alle fünf Jahre) sowie bei speziellen Risikopatienten Meningokokken (ein- bis zweimal mit sogenanntem tetravalenten Konjugatimpfstoff). Weitere, an das individuelle Risiko angepasste Impfungen können sinnvoll sein, zum Beispiel FSME-Impfung je nach Wohn- oder Urlaubsort.

Eine wichtige Besonderheit: Wer eine immunsuppressive Therapie erhält, darf nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden. Impfungen mit Totimpfstoffen sind dagegen möglich (siehe Begriffserklärungen).

Effekt der Impfung

Abhängig von der Grunderkrankung und der verwendeten Therapie muss bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen damit gerechnet werden, dass eine Impfung nicht so gut wirkt wie bei einem Gesunden. In der Regel sind nach einer Impfung aber genügend Antikörper im Blut messbar, sodass ein ausreichender Schutz gewähr - leistet sein sollte. Eine Ausnahme besteht bei Rituximab und Belimumab: Unter diesen Therapien ist die Impfantwort deutlich eingeschränkt. Deswegen sollten Impfungen am besten vor Beginn dieser Therapie erfolgen.

Auch bei Impfung gegen virale Hepatitis ist die Impfantwort unter immunsuppressiven Therapien generell oft nur teilweise erfolgreich, hier sollte der Impftiter deshalb nach der Impfung überprüft werden.

Zur Autorin

Den Artikel für die mobil Zeitschrift 5/2013 schrieb die Rheumatologin Dr. Claudia Dechant, sie ist Oberärztin in der Rheumaeinheit der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV am Klinikum der Universität München.

Es erfolgte eine Aktualisierung und Ergänzung des Artikels im November 2016 durch Prof. Dr. Klaus Krüger.

 

++ Tipp ++ Tipp ++

Die jeweils aktuell gültigen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sind unter folgendem Link abzurufen: www.rki.de