Tipps für die Reha

Reha: Anwendungen, wie hier Funktionstraining sind ein wichtiger Bestandteil, Foto Kurt Krebs

Auf was sollte man bei einem Rehaantrag achten, darf ich mir spezielle Anwendungen wünschen, werde ich umfassend versorgt, sollte ich lieber eine ambulante oder stationäre Reha machen?

Folgende Tipps helfen Ihnen weiter.

 

Der Antrag

Der Hausarzt reicht den Antrag (Formblatt 60) für eine Reha beim zuständigen Reha-Träger ein. Vom jeweiligen Reha-Träger (Leistungsträger) erhält der Arzt einen Antragsvordruck (Verordnung von medizinischer Rehabilitation, Nr. 61 A, B, C und D) zurück.

Versuchen Sie beim Ausfüllen des Antrags nicht, Ihre eigene Situation „schönzureden“! (Formblatt 61, Teil B, Punkt B). Grundsätzlich sieht das Gesetz einen Abstand von mindestens vier Jahren zwischen zwei Rehabilitationen vor. Ausnahmen gibt es nur, wenn eine vorzeitige Leistung aus medizinischen Gründen dringend erforderlich ist. Beispiele dafür sind große gesundheitliche Probleme und lange Krankheit. Dies muss der Hausarzt, Rheumatologe oder Orthopäde extra begründen.

Nach einer Operation sollte ein Sozialarbeiter des Krankenhauses zu Ihnen kommen, um alles Notwendige zu veranlassen. Am besten haben Sie bereits im Vorfeld geklärt, in welche Reha-Klinik Sie möchten. Jeder Patient hat nach §9 SGB IX das Recht, einen „berechtigten Wunsch“ bezüglich der Reha-Einrichtung zu äußern. Rheumatiker sollten unbedingt darauf achten, in auf Rheuma spezialisierten Kliniken behandelt zu werden. Problematisch ist dabei jedoch die Tatsache, dass Reha-Patienten unter Umständen für ihre Wunschklinik zuzahlen müssen.

Stationär oder ambulant?

Die Kassen möchten aus Kostengründen möglichst nur ambulante Kuren genehmigen. Es gibt immer Vor- und Nachteile. Aus meiner Erfahrung heraus kann eine ambulante Reha speziell bei Rheumatikern nur bedingt und in Ausnahmefällen (Reha-Klinik im Ort und täglicher Transport hin und zurück) die angestrebten Ziele erreichen. Besonders für Frauen bleibt die Doppelbelastung während einer ambulanten Reha, wenn sie „nebenbei“ noch ihre Familie versorgen sollen. Es ist auch so schon bei einer Reha immer problematisch, den Kopffrei zu bekommen, „abzuschalten“, sich nur auf den Heilungsprozess, auf die Therapien zu konzentrieren.

Die Reha-Ärzte

Wie überall, gibt es auch bei der Reha erfahrene und weniger erfahrene Ärzte. Wichtig sind ihre Kompetenz, ihr Wissen bei der Erstuntersuchung. Auch in der Reha sind die Ärzte keine weißen „Halbgötter“ mehr. Treten Sie selbstbewusst auf. Seien Sie ein „mündiger“ Patient. Bestehen Sie auf Verordnungen, die bei Ihnen bereits gute Erfolge gebracht haben. Schöpfen Sie die Anzahl der Verordnungen aus! Seien Sie ehrlich bei den möglichen Bewegungsmankos. Vertuschen Sie Ihre Schwächen nicht. Neben der Aufnahme- und Abschlussuntersuchung sollte es immer noch einen Arzttermin geben, bei dem Sie Probleme besprechen können, mehr oder weniger Behandlungen beantragen oder bei dem der Reha-Arzt einfach nur fragt, ob Sie die Anwendungen gut vertragen! Ist der Arzt notfalls immer ansprechbar? Nimmt er sich genug Zeit für Ihre Probleme? Haben Sie das Gefühl, intensiv untersucht worden zu sein? Wird Ihr Körper ganzheitlich betrachtet oder nur auf den operierten Teil reduziert?

Sprechen Sie im Vorfeld mit Ihrem Orthopäden oder orthopädischen Chirurgen, welche und wie viele Behandlungen Ihnen helfen, wieder „auf die Beine“ zu kommen. Fordern Sie diese Behandlungen vor Ort ein. Denn die Krankenkassen zahlen sowohl Fallpauschalen als auch Tages-Pflegesätze beziehungsweise eine Kombination von beiden an die Reha-Einrichtungen. Unter Umständen reduzieren mehr Behandlungen also die Gewinnspanne der Einrichtung.

Medikamente

Viele Reha-Einrichtungen geben aus Kostengründen nur Generika-Medikamente aus. Wenn Sie wissen, dass Sie diese nicht vertragen, sollten Sie Ihre Originalmedikamente für die Zeit der Reha mitnehmen. Das gilt auch für Biologika.

Anwendungen

Physiotherapeutische und physikalische Anwendungen sind das Salz in der Reha-Suppe. Sie werden vom „Reha-Arzt“ verordnet, im sogenannten Behandlungs- oder Reha-Plan dokumentiert und vom Therapeuten nach der Behandlung gegengezeichnet. Für Rheumatiker sind vor allem die Anwendungen im Warmwasser-Bewegungsbad und die Einzeltherapien kostbar. Doch die Zeit ist stets knapp bemessen. Seien Sie daher immer zehn Minuten vor dem Termin da.

Vorsicht, Mogelpackung!

Besonders bei künstlichen Gelenken ist der Zwang zur Verbesserung der Beweglichkeit Gradmesser des Erfolgs der Reha. Dabei wird jedoch auch reichlich „gemogelt!“: Zu Beginn der Reha beugen und strecken viele Ärzte und Physiotherapeuten die Gelenke nur lax und dokumentieren entsprechend nur wenige Gradzahlen. Zum Abschluss der Reha wird auf Teufel komm raus gedrückt beziehungsweise gestreckt, um weitaus größere Beweglichkeiten in Gradzahlen nachzuweisen – siehe da, „ein voller Reha-Erfolg!“.

Zum Autor

Jürgen Krebs ist an RA und Morbus Bechterew erkrankt und hat nach zahlreichen Gelenkimplantat-OPs gute und schlechte Erfahrungen mit Rehabilitationen gesammelt.

 

Verschiedene Arten einer Reha

Gut zu Wissen

Rehabilitation ist die Wiedereingliederung eines Kranken oder eines Menschen mit Behinderung ins berufliche und/ oder gesellschaftliche Leben. Medizinische Reha soll einen dauernden gesundheit lichen Schaden abwenden um Erwerbsunfähigkeit vorzubeugen, beziehungsweise Ältere oder Behinderte wieder ins gesellschaftliche Leben integrieren. Man unterscheidet drei Rehaleistungen:

Leistungen zur beruflichen Reha, die eine (Wieder-)Eingliederung ins Berufsleben fördern.

Leistungen zur medizinischen Reha mit dem Ziel, möglicher Pflegebedürftigkeit oder Behinderungen vorzubeugen, sie zu beseitigen oder einer Verschlimmerung vorzubeugen.

Leistungen zur sozialen Reha, um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu fördern. Ziel ist die Bewältigung alltäglicher Anforderungen und die Wiedereingliederung in das soziale Umfeld.

Merkblatt Rehabilitation

Das Merkblatt der Rheuma-Liga zur Rehabilitation undefinedkann hier heruntergeladen werden

Tipps, Checklisten und Artikel

Mit Rheuma ins Krankenhaus

Auf einer Spezialseite zum Thema Krankenhaus finden Sie z.B. Checklisten und Tipps für das Aufklärungsgespräch vor einer OP: