Mehr Sicherheit bei Medikamenten

Der Medikationsplan soll Übersicht über die einzunehmenden Medikamente bringen, Foto clipdealer

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen besser im Blick behalten – das will der Medikationsplan ermöglichen. Seit dem 1. Oktober 2016 haben viele Patienten einen Anspruch auf diese Übersicht.

Wer mindestens drei verordnete Medikamente gleichzeitig einnimmt oder anwendet – und zwar länger als vier Wochen – hat Anspruch auf den neuen Medikationsplan. Die Einführung eines bundeseinheitlichen, standardisierten Medikationsplans ist Inhalt des E-Health-Gesetzes, das der Bundestag im Dezember 2015 verabschiedet hat.

Hilfreiche Übersicht

Der Medikationsplan soll helfen, unerwünschte Arzneimittel- Wirkungen und Medikationsfehler zu vermeiden. Medikationsfehler können bei der Verordnung durch den Arzt auftreten – zum Beispiel doppelte Verschreibungen von unterschiedlichen Ärzten, fehlende Dosisanpassungen oder das Übersehen von Gegenanzeigen und Wechselwirkungen. Das Risiko für Patienten ist besonders hoch, wenn mehrere Ärzte Medikamente verordnen. Statistiken zeigen, dass jeder Dritte über 65 Jahre im Durchschnitt neun Medikamente einnimmt und viele Fehler bei der Einnahme der Arzneimittel passieren. Daher soll der Medikationsplan besonders für ältere Menschen mehr Sicherheit bringen.

In der Regel soll der behandelnde Hausarzt den Medikationsplan ausstellen und regelmäßig aktualisieren. Dies kann jedoch auch der behandelnde Facharzt übernehmen, wenn Patienten keinen Hausarzt haben. Die Aktualisierung des Medikationsplans kann auch in Krankenhäusern und Apotheken erfolgen. Der Plan soll sämtliche verschreibungspflichtigen sowie frei verkäuflichen Arzneimittel enthalten, die der Patient aktuell einnimmt. Dazu führt die Übersicht Wirkstoff, Dosierung und Einnahmegrund sowie sonstige Hinweise zur Medikamenteneinnahme beziehungsweise zur Anwendung des Präparats auf. Ziel ist es, die Patienten bei der richtigen Einnahme ihrer Medikamente zu unterstützen und mehr Sicherheit zu schaffen. Für den Arzt gibt der Plan wiederum einen Überblick über die Gesamtmedikation seiner Patienten. Der Plan soll so auch dem Arzt helfen, Fehler zu vermeiden, weil er nicht weiß, dass ein Kollege bereits andere Medikamente verordnet hat. Zunächst wird der Plan in Papierform ausgefertigt. Ziel ist es, ihn zukünftig auf der elektronischen Gesundheitskarte der Versicherten zu speichern. Patienten haben jedoch weiterhin Anspruch auf einen Ausdruck in Papierform.

Beim Arzt nachfragen

Der verschreibende Arzt soll Patienten, die einen Anspruch auf den Medikationsplan haben, darüber informieren. Wenn Sie mehr als drei Medikamente regelmäßig einnehmen, sollten Sie den Arzt aber auch direkt auf den Medikationsplan ansprechen. Speziell für Menschen mit chronischen Erkrankungen ist dies überaus sinnvoll. Ganz besonders gilt dies, wenn jemand wegen mehrerer Erkrankungen unterschiedliche Fachärzte aufsucht.

Damit der Medikationsplan wirksam eingesetzt werden kann, ist es auch wichtig, nicht-verschreibungspflichtige Medikamente mit aufzunehmen. Nehmen Sie dazu Ihren Medikationsplan beim nächsten Besuch in der Apotheke mit und lassen Sie dort Ihre Medikamente eintragen. Das ist deshalb wichtig, weil auch nicht-verschreibungspflichtige Medikamente ungewollte Neben- und Wechselwirkungen haben können. Ihre Ärzte sollten daher auch über diese Mittel informiert sein.

Zur Autorin


Ursula Faubel ist Geschäftsführerin der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband

 

Flyer zum Medikationsplan

Gut zu wissen

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat ein Flugblatt zum Medikationsplan herausgegeben. Es ist online abrufbar.

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