Mountainbiking: Mit 40 Sachen den Berg hinab

Mountainbiking im Sauerland

Action und Adrenalin: Beides liebt Alexa Krause in ihrer Freizeit. Mit einem Text über Mountainbiking hat sie sich für den Uli-Horn-Preis 2018 beworben – und gewonnen. Ein Porträt

Neugier reicht nicht. Mut und Fitness sollten schon vorhanden sein, wenn man mit einem Fahrrad den Berg hinunterdüsen will. Vor zehn Jahren begann Alexa Krause mit der extremen Art des  Mountainbikings, dem Downhill (Bergabfahrt). Ihr damaliger Partner, der den Sport betrieb, war zunächst sehr skeptisch. Aber die heute 34-Jährige packte es an. Und war sofort begeistert.

Bikeparks im Sauerland

Im Sauerland, wo sie zu Hause ist, gibt es drei sogenannte Bikeparks, also speziell präpariertes Gelände. Sie liegen in den winterlichen Skigebieten. Für den Auftransport der Räder dienen die vorhandenen Skilifte. „Bergab gibt es verschiedene Strecken mit unterschiedlichen Schwierig-keitsgraden“, erzählt Alexa Krause. „Die schwierigen Strecken sind mit Steinfeldern, Steilkurven und Wurzeln versehen, über die man fährt beziehungsweise mit dem Bike springt. Das gibt erst den richtigen Kick.“ Die Fahrräder besitzen viel Federung, haben eine spezielle Geometrie und spezielle Reifen. Und Schutzausrüstung tragen die Biker natürlich auch. Alexa Krause hat sich schon immer gern bewegt.

„Ich war kein Mädchen, das gerne Kleider anzog und mit Puppen spielte. Als mir meine Oma einmal eine Puppe schenkte, wusste ich gar nicht, was ich mit ihr machen sollte. Puppen waren mir nicht spannend genug.“ Sie war gern draußen, Matsch oder Regen machten ihr nichts aus. Aber Downhill ist nicht ungefährlich. Das bekam Alexa Krause 2010 zu spüren: Sie stürzte bei einem Sprung und brach sich drei Wirbel der Brustwirbelsäule, 2013 das linke Schlüsselbein. Alles heilte gut aus. Als sie aber 2017 die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis erhielt, war ihr klar, dass sie sich einen anderen Sport suchen musste.

Ausgleich zur Arbeit im Büro

„Da mir Fahrrad fahren und in der Natur sein so viel Freude bereitet, bin ich auf eine abgespeckte Version des Mountainbikings gekommen, das Enduro fahren. Auch hier fährt man auf einem vollgefederten Fahrrad, der Einsatzzweck ist jedoch nicht so eingeschränkt wie bei einem reinen Downhillbike, mit dem man nicht selbstständig bergauf fahren kann“, erklärt sie. Mit dem Endurorad kann sie sowohl im Bikepark als auch im Wald oder sogar zur Arbeit fahren.

Das Radfahren ist für Alexa Krause ein wichtiger körperlicher Ausgleich zu ihrem Bürojob.
„Nach einem schlechten Tag auf der Arbeit mag ich es, in der Natur zu sein, einen Spaziergang zu machen oder eben mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Die Ruhe zu genießen, das Sonnenlicht durch die Blätter scheinen zu sehen, das erdet mich total.“ Mountainbiking kann man allein, aber auch in der Gruppe. Feste Trainingstermine oder -orte werden nicht benötigt. „Ich habe einen tollen Mann an meiner Seite, der ebenfalls begeisterter Outdoorsportler ist. Gemeinsam können wir Zeit mit einer Tätigkeit verbringen, die uns Spaß macht und guttut“, erzählt Alexa Krause. Die junge Frau kennt ihren Körper, spürt seine Grenzen und hört auf, wenn er rebelliert. Eine Tour mit mehr als 20 Kilometern ist ihr heute gelegentlich zu anstrengend. Zum Glück ist sie medikamentös gut eingestellt und hat momentan keine größeren Beschwerden.

"Jede Bewegung ist besser als gar keine"

Selbst wenn es Alexa Krause gar nicht danach ist, sich zu bewegen, motiviert sie sich dazu. Dafür hat sie zwei Strategien: „Ich stecke mir keine großen Ziele, sage mir also nicht: Jetzt fährst du x Kilometer. Sondern ich setze mich aufs Fahrrad und fahre erst mal los. Denn jede Bewegung ist besser als gar keine, und oftmals kommt die Lust dann beim Kurbeln. Zweitens stelle ich mir vor, wie ich mich nach der Tour fühlen werde – in einem guten Maß ausgepowert, freudig über die Begegnungen mit anderen Menschen oder Tieren unterwegs und vielleicht auch ein bisschen stolz auf die absolvierten Höhenmeter. Mein zukünftiges Wohlbefinden stelle ich quasi über die momentane Lustlosigkeit, und das klappt meistens sehr gut. Tage, an denen ich mich so überhaupt nicht motivieren kann, akzeptiere ich und mache einen Sofatag.“

Stand-up-Paddling, Yoga und Nordic Walking

Fazit: Hauptsache ist, wir bewegen uns genügend. Jeder kann eine Sportart finden, die zu ihm passt. In jeder Gemeinde oder Region gibt es Veranstaltungen, bei denen man Sportarten ausprobieren kann. Fragen Sie zum Beispiel beim Sportbund oder einem lokalen Sportverein nach. Alexa Krause hat ihre Bewegungsvorlieben gefunden. Hat das Rad Pause, macht sie Yoga. Im Sommer findet man sie zudem häufig auf einem Stausee im Sauerland beim Stand-up-Paddling. Aber auch Nordic Walking macht sie mittlerweile mit Begeisterung.