„Ein unvergesslicher Moment“

Viele Mädchen lieben Pferde von klein auf. Auch für Heike Gunzenhauser ist das Reiten seit ihrer Jugend eine große Leidenschaft. In Australien verwirklichte sie sich einen Traum – und gewann mit ihrer Geschichte darüber den zweiten Platz beim Uli-Horn-Preis.

Tausende Kilometer von Deutschland entfernt, unendliche Weiten, Sommer, wenn bei uns Winter ist – das alles und noch viel mehr ist Australien. Mit 25 flog die reitbegeisterte Heike Gunzenhauser 2013 dorthin. „Zufällig lernte ich eine Pferdetrainerin kennen, die in Australien Wildpferde zähmen wollte. Die Idee und die Art, wie sie mit Pferden arbeitet, faszinierten mich total.“
Die australischen Wildpferde, die Brumbys, gelangten im 18. Jahrhundert auf den Kontinent. Sie verbreiten sich dort unkontrolliert und setzen Flora und Fauna zu. Einige werden eingefangen und landen direkt beim Schlachter. Auf einer Farm im Osten, 300 Kilometer nördlich von Sydney, werden Wildpferde gezähmt und ausgebildet, um sie später verkaufen zu können. Keine leichte Aufgabe – denn der einzige Menschenkontakt, den die Tiere zuvor hatten, bestand darin, eingefangen zu werden, ein Brandmal zu erhalten und in einen Transporter verfrachtet zu werden. Wie kann es gelingen, ein solches Wesen zu zähmen?
„Als wir das erste Mal auf sie trafen, stand regelrecht Panik in ihren Augen“, erinnert sich Heike Gunzenhauser. „Sie zitterten und wussten nicht, was mit ihnen passiert.“ Die Pferdefreunde achteten darauf, sich immer nur kurz zu nähern, und ließen den Tieren viel Zeit und genügend Raum. „Wandte sich ein Pferd von uns ab, blieben wir einfach stehen oder gingen noch einen Schritt auf sie zu. Somit wurde der Druck etwas erhöht. Schaute das Pferd dann zu uns, machten wir uns ganz klein, indem wir in die Hocke gingen. Damit signalisierten wir dem Tier, wenn es bereit sei mit uns Kontakt aufzubauen und zu kommunizieren, dann sind wir Menschen nicht schlimm und es gibt nichts zu befürchten.“
Irgendwann siegte trotz aller Fluchtinstinkte die Neugierde: Nach drei Tagen trat das erste Pferd bis auf Armeslänge an die Menschen heran.
Durch Geduld, Sanftheit, Hineinspüren, Mitbestimmung und viel Gefühl schafften die Frauen innerhalb von zwei Wochen, was anfangs unmöglich erschien: Die Pferde ließen sich berühren, ja sogar ein Halfter anziehen. Das alles gelang ohne Bestechung durch Futter oder Gewalt. Heike Gunzenhausers Herzenspferd, Planeto, lebt inzwischen knapp 400 Kilometer von der Farm entfernt in einer Familie. Im März gab es dort ein Wiedersehen. „Als er mich sah, kam er auf mich zu und legte seinen Kopf auf meine Schulter, als ob er mich zur Begrüßung umarmen wollte. Ich bin stolz darauf, was aus ihm geworden ist.“
Seit diesen Erlebnissen fühlt sich Heike Gunzenhauser, als ob sie ein anderer Mensch ist. Das Leben im Einklang mit der Natur war und ist für sie wie ein Geschenk. Auch ihre Psoriasis-Arthritis kam in Australien zur Ruhe. Sie wird gewiss nicht das letzte Mal dort gewesen sein.

Mit Heike Gunzenhauser sprach mobil-Redakteurin Christiane Wendel.