Sehnsucht nach Schweden

Uli-Horn-Preis: Darlapferd,Foto privat

Breit gefächert waren die Träume und Visionen der Bewerber zum Uli-Horn-Preis 2016. Mit ihrer Faszination für Schweden landete der Beitrag von Ruth Haberberger unter den ersten zehn Platzierten.

Den Grundstein für ihre Liebe zum Norden legten regelmäßige Urlaub mit den Eltern. Deshalb stand für die heute 23-Jährige schon früh fest, dass sie eines Tages nach Skandinavien auswandern wird. „Ich liebe die Landschaft. Die ruhige und entspannte Mentalität der Menschen fasziniert mich“.

Während des Abiturs fing Ruth Haberberger an, Schwedisch zu lernen, um dort zu studieren. Zeitgleich begannen die Gelenkschmerzen. Kurze Zeit später erhielt sie die Diagnose rheumatoide Arthritis. Somit musste sie ihre Pläne erst einmal auf Eis legen. In den Monaten, in denen ihre Gelenke geschwollen waren und schmerzten, aber kaum jemand Verständnis für sie hatte, bekam sie zusätzlich eine Depression.

Sprachkurs in Schweden

Ihren Traum von Schweden ließ sie sich trotz aller Hindernisse nicht nehmen. Sie begann 2015 in Frankfurt am Main, Skandinavistik und Sprachwissenschaften zu studieren. Oft fiel es ihr schwer, zur Uni zu gehen. „Ich möchte mein Leben nicht von der RA bestimmen lassen. Meine Schwedischlehrerin war sehr verständnisvoll“, erinnert sie sich. Von ihr bekam sie den Tipp, an einem dreiwöchigen Sprachkurs in Schweden teilzunehmen. Zunächst plagten Ruth Haberberger Zweifel, ob sie das schaffen würde: drei Wochen! Doch die Neugierde siegte, sie meldet sich an. Im Juli 2016 ging es los nach Stockholm und von dort vier Stunden mit Zug und Bus ins nördlichere Dalarna. „Ich hatte Schmerzen in den Fingern, was die Reise noch anstrengender machte. Vorsichtshalber war Kortison im Gepäck, falls ich einen Schub bekomme“, erinnert sie sich.

Als der Kurs begann, war sie nervös. „Ich hatte Angst, dass mich niemand versteht und ich zu schlecht bin, um überhaupt teilzunehmen“. Die Ängste blieben unbegründet. Gemeinsam lasen und sprachen die Teilnehmer Schwedisch und gestalteten die Freizeit. „Ich hatte keine Schmerzen und konnte Dinge tun, von denen ich drei Jahre zuvor nur geträumt hätte. Wir unternahmen Ausflüge in die Umgebung, hatten Tanzabende, machten Lagerfeuer und buken Pfannkuchen darüber.“ Am schönsten fand Ruth Haberberger den Abstecher in eine Fabrik, die die bunten Dalapferde herstellt – vielerorts ein Symbol für Schweden. „Wir durften sogar ein eigenes Pferd schnitzen und anschließend bemalen“, schwärmt sie.

Ein Jahr Studium

Mit ihrem Vater spricht Ruth Haberberger auch daheim Schwedisch. Seit September studiert sie für ein Jahr im schwedischen Umeå – das europäische Förderprogramm Erasmus macht dies möglich. Schon vor der Reise hat sie mit Rheumatologen vor Ort Kontakt aufgenommen, damit sie optimal versorgt ist. Und wer weiß, vielleicht wandert sie eines Tages tatsächlich aus – und arbeitet in Schweden als Journalistin oder Deutschlehrerin.

Zur Autorin

mobil-Redakteurin Christiane Wendel wünscht Ruth Haberberger viel Glück und eine stabile Gesundheit, damit ihr Traum von der Auswanderung wahr wird.