13.10.2016

Rheuma von A - Z

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Das Lexikon befindet sich im Aufbau und wird fortlaufend ergänzt.

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Biomarker

Biomarker gewinnen an Bedeutung. Sie helfen, die folgenden Fragen zu beantworten: Welche Erkrankung hat eine Person? Wer wird möglicherweise in Zukunft erkranken? Wie wird die Erkrankung verlaufen? Wer soll mit welcher Therapie behandelt werden? Wie gut spricht jemand im Rahmen der „personalisierten Medizin“ auf eine bestimmte Behandlung an und wann ist er wieder gesund?

Ein bekannter Biomarker, der hilft, Entzündungen im Körper zu erkennen, ist das C-reaktive Protein (CRP-Wert) im Blut. Allerdings zeigt er ganz allgemein eine Entzündungsaktivität an – egal, ob es sich um eine rheumatische Erkrankung oder vereiterte Mandeln handelt. Als Biomarker dienen neben Eiweißen wie CRP auch Stoffe, wie Zucker, Hormone, Botenstoffe und Abbau produkte im Körper, etwa aus Blut, Gewebe, Lymphe oder Urin. Werden bestimmte Gene gehäuft mit einer Erkrankungen in Ver bindung gebracht, können sie ebenfalls als Biomarker genutzt werden.

Ein guter Biomarker sollte möglichst gezielt Rückschlusse auf eine bestimmte Erkrankung zulassen. Unterschiedliche Labore sollten ihn mit sehr geringen Abweichungen gleichermaßen gut nachweisen können. Zudem muss sich der Marker an vielen Patienten bewähren, bevor er zum Standard wird. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Forscher finden einen Biomarker, von dem sie annehmen, dass er im frühen Stadium einer rheumatoiden Arthritis auftritt. Kann dieser Biomarker helfen, eine Aussage darüber zu treffen, ob bei einer Person die Krankheit ausbrechen wird? Dazu muss sich dieser Biomarker bei vielen oder sogar allen Personen finden, die sich in einem frühen Stadium einer RA befinden. Ein Biomarker allein sagt oft nichts aus. Erst wenn auch andere Symptome vorliegen, kann ein Biomarker helfen, zum Beispiel Aussagen über eine Diagnose zu treffen.

Je spezifischer ein Biomarker für einen Krankheitsverlauf ist, desto genauere Aussagen lassen sich von ihm ableiten.

Churg-Strauss-Syndrom

Nach den Erstbeschreibern Churg und Strauss benannt, gehört das Churg-Strauss-Syndrom (CSS) zu den Gefäßentzündungen, also den Vaskulitiden. Es beginnt in der Regel mit asthmatischen Beschwerden und chronischen Entzündungen der oberen Atemwege oder der Nasennebenhöhlen. Im weiteren Verlauf kommt es zur Bluteosinophilie, also der Vermehrung der Eosinophilen Granulozyten. Das eigentliche CSS kommt mit dem Auftreten von Gefäßentzündungen zum Ausbruch. Da die kleinen und kleinsten Blutgefäße betroffen sind, kann dies Folgen in praktisch allen Organen haben: An der Haut kommt es zu meist kleinfleckigen, flohstichartigen Veränderungen, der sogenannten Purpura. Eine Beteiligung der Nerven kann sich durch Taubheitsgefühle und Lähmungen bemerkbar machen. Die Lunge ist häufig im Sinne einer Lungenentzündung ohne bakterielle Ursache betroffen. Auch Herz, Nieren, Darm oder Gehirn können geschädigt werden. Die Diagnosestellung ist schwierig. Neben den genannten Symptomen helfen Laboruntersuchungen weiter.

Wegweisende Befunde sind erhöhte Eosinophile Granulozyten und nicht selten der Nachweis von Antikörpern gegen andere weiße Blutzellen, den sogenannten ANCA. Nach der Diagnose wird eine studiengerechte Therapie eingeleitet, fast immer zunächst mit Kortison. Oft wird eine zusätzliche kortisoneinsparende Therapie mit Medikamenten notwendig. In Fällen mit bedrohlichen Organmanifestationen kommt das Chemotherapeutikum Cyclophosphamid zum Einsatz. Zurzeit wird untersucht, ob der gezielte Einsatz von Eiweißmedikamenten gegen bestimmte Botenstoffe (Zytokine) helfen kann, Kortison einzusparen.

Dermatomyositis & Polymyositis

Beide Erkrankungen zählen zu den Kollagenosen: Die Muskulatur ist entzündet, bei der Dermatomyositis (DM) auch die Haut. Polymyositis (PM) und DM gehören zu den seltenen Erkrankungen, die Ursache ist bisher unbekannt. Zu Beginn treten Allgemeinsymptome, wie Schwäche, Gewichtsverlust, Fieber und Müdigkeit auf.

Die Erkrankung bildet sich meist über drei bis sechs Monate aus. Typisch sind Muskelschmerzen, vor allem bei Belastung. Am häufigsten sind dabei Hüften/Oberschenkel und Schultergürtel/Oberarme betroffen. Später überwiegt die Muskelschwäche, die Muskulatur nimmt ab. An Händen und Knien kann es zu Gelenkschwellungen kommen, weiterhin können Herz oder Lunge beteiligt sein. Typische Hauterscheinungen bei DM sind rötliche, manchmal schuppende Verfärbungen an dem Licht ausgesetzten Stellen im Gesicht, am Hals und an den Armen. Auch rötliche Schwellungen im Bereich der Oberlider oder rote, manchmal auch derbe Hautveränderungen über den Fingergelenken kommen vor.

Bei der Laboruntersuchung fallen meist erhöhte Entzündungswerte auf (Blutsenkungsgeschwindigkeit, CRP). Typisch ist eine deutliche Erhöhung der Muskelenzyme, vor allem der Kreatinkinase (CK). Die Ultraschalluntersuchung ergibt Muskelschwellungen und Unregelmäßigkeiten der Muskelfasern. Im Kernspintomogramm (MRT) werden schon sehr früh Krankheitsbefunde erkannt. Bei der Elektromyographie (EMG) wird die elektrische Aktivitätsänderung im Muskel aufgezeichnet: Hier zeigen sich auffällige Muster. Die gezielte Muskelbiopsie schließlich beweist bei den meisten Patienten den entzündlichen Muskelbefall.

Anfangs muss mit hoch dosierten Kortisonpräparaten behandelt werden, später wird die Dosis gesenkt und mit Immunsuppressiva wie Cyclophosphamid, Azathioprin oder MTX kombiniert. Zusätzlich muss jede Form des Organbefalls gezielt behandelt werden.

Ganglion des Handgelenks

Das Ganglion, im Volksmund auch "Überbein" genannt, ist der häufigste gutartige Weichteiltumor der Hand. Diese unter der Haut gelegene, meist erbsen- bis kirschkerngroße Zyste ist mit zäher Flüssigkeit gefüllt und hat eine stielförmige Verbindung zur Gelenkkapsel. Meist ist das Ganglion an der Außenseite des Handgelenks zu finden, seltener auch an der Handinnenfläche oder den Fingergrundglenken. Prinzipiell kann ein Ganglion aber an jedem Gelenk des Körpers auftreten, an Zehen oder Beinen allerdings eher selten. Die Betroffenen sind in der Regel zwischen 20 bis 30 Jahre alt, Frauen sind ca. dreimal häufiger betroffen als Männer.

Seine Entstehung ist noch nicht eindeutig geklärt, angenommen werden Überbeanspruchung, chronische Reizung des Kapsel-Band-Apparates aber auch ein Zuviel an Hyaluronsäure durch chronisch gereizte Zellen der Gelenkkapseln. Oft verursacht ein Ganglion keine Beschwerden und ein großer Prozentsatz der Ganglien verschwindet von selbst. Allerdings können auch mäßige oder starke Schmerzen auftreten. Bei leichten Schmerzen kann Krankengymnastik helfen. Ist das Ganglion schon älter und/oder verursacht starke Schmerzen, kann es vom Arzt punktiert und die Flüssigkeit abgesaugt werden. Bei einer Operation wird die komplette Zyste mitsamt dem Zehenstiel entfernt. Dennoch können Ganglien in bis zu 30 Prozent der Fälle wieder auftreten.

Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds soll die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung neu gestalten. Seit 2009 werden die unterschiedlichen Beitragssätze der Krankenkassen durch einen einheitlichen Beitrag ersetzt. Jede Krankenkasse erhält pro Versichertem eine pauschale Zuweisung sowie ergänzende Zu- und Abschläge je nach Alter, Geschlecht und Krankheit ihrer Versicherten. Das neue Finanzierungssystem soll die Leistungen der Krankenkassen transparenter und vergleichbarer machen. Eine Krankenkasse, die besser wirtschaftet, kann ihren Versicherten finanzielle Vergünstigungen oder eine Prämienauszahlung gewähren. Eine Krankenkasse, die mit den Mitteln des Fonds nicht auskommt, muss von ihren Versicherten zusätzliche Beiträge (maximal ein Prozent des Einkommens oder acht Euro pro Monat ohne Einkommensprüfung) erheben.

Jo-1-Syndrom

Das Jo-1-Syndrom ist die häufigste Erkrankung aus der Gruppe der Anti-Synthestase-Syndrome und zählt zu den Polymyositiden, also Muskelentzündungen. Benannt ist die Erkrankung nach dem Autoantikörper Jo-1. Das Jo-1-Syndrom gehört zu den seltenen rheumatischen Erkrankungen. Genaue Zahlen zur Häufigkeit sind nicht bekannt.

Das Jo-1-Syndrom zeigt sich überwiegend an der Muskulatur, der Lunge, den Gelenken und der Haut. Zu den Symptomen zählen muskelkaterartiger Schmerz und Muskelschwäche, eine Entzündung der Lungenbläschen mit Bindegewebevermehrung, die sich in trockenenem Husten und gegebenenfalls Atemnot äußert. Außerdem können die Gelenke geschwollen sein und schmerzen. Die Fingerkuppen sind zudem trocken und rissig. Kennzeichen für die Muskelentzündung ist ein Anstieg der Kreatininkinase im Blut. Ein Elektromyogramm, also eine elektrische Ableitung der Muskelströme, gegebenenfalls ergänzt durch eine Magnetresonanztomographie oder eine Biopsie sichern die Diagnose. Ob die Lunge beteiligt ist, zeigen eine Lungenfunktionsuntersuchung sowie ein Computertomogramm. Zusammen mit dem Nachweis des Jo-1-Antikörpers im Blut wird so die Diagnose gestellt.

Die Therapie erfolgt durch Kortison sowie verschiedene Immunsuppressiva, etwa Azathioprin, Methotrexat, Cyclosporin A. Bei schwerer Lungenbeteiligung kommt auch Cyclophosphamid  zum Einsatz. Es häufen sich positive Berichte über den Einsatz von Rituximab bei schweren Verläufen. Das Jo-1-Syndrom spricht meist auf die konventionelle immunsuppressive Therapie an. Die Symptome verschwinden jedoch nur selten ganz. Patienten mit schweren Verläufen sollten daher in spezialisierten Zentren behandelt werden.

Kapillarmikroskopie

Die Kapillarmikroskopie beurteilt durch eine auflichtmikroskopische Einrichtung den Aufbau der Kapillaren in der Haut. Dazu eignet sich insbesondere die Nagelfalz der Finger, aber auch der Füße, denn hier sind die kleinsten Blutgefäße in ihrer ganzen Architektur beurteilbar. Ausgeprägte Vergrößerungen und Erweiterungen der Kapillaren (Megakapillaren) und der Verlust von Kapillaren sind hochspezifisch für eine systemische Sklerodermie. Einen besonders hohen diagnostischen und prognostischen Wert hat die Kapillarmikroskopie auch beim Raynaud-Phänomen. Durch gut in der Kapillarmikroskopie ausgebildete Spezialisten kann zwischen harmloser Raynaud-Symptomatik und dem Raynaud-Phänomen bei Kollagenosen unterschieden werden. Während Lupe, Augenspiegel und Dermatoskop bereits eine oberflächigere Suche nach Megakapillaren ermöglichen, wird eine differenziertere Beurteilung durch ein sogenanntes binokulares Mikroskop vorgenommen. Dabei besteht die Möglichkeit der dreidimensionalen Betrachtung der anatomischen Ebenen. Rasch kann der Untersucher auch zwischen Übersichtsaufnahmen und Vergrößerung wechseln.
Die Kapillarmikroskopie erlaubt als einzige einfache, nicht belastende und nicht schmerzende Methode die direkte Untersuchung und Beurteilung der Mikrozirkulation der Haut und des Aussehens der Kapillaren. Sie kann bei fast jedem ohne Vorbereitung durchgeführt werden, nur eingeschränkte Beweglichkeit der Finger beispielsweise oder offene Verletzungen im Untersuchungsbereich sprechen dagegen. Vor der Untersuchung wird empfohlen, möglichst eine Woche keine Nagelmanipulationen vorzunehmen und Nagellack eher zu belassen. Bei übermäßiger Verhornung der Haut kann die dreitägige Behandlung mit Vaseline die Untersuchungsbedingungen verbessern.

Kalkschulter

Mit dem Begriff Kalkschulter bezeichnet man eine schmerzhafte, nicht verschleißbedingte Erkrankung der Sehnen der Rotatorenmanschette. Die Rotatorenmanschette ist die Muskel- und Sehnengruppe, die das Schultergelenk umgibt und für die Drehbewegungen der Schulter zuständig ist.
Als Folge einer Sehnenstoffwechselstörung lagert sich unter den Sehnen Kalk ab. Das kann zu Schmerzen und Funktionseinbußen führen. Reißen diese Kalkdepots auf, gelangt der Kalk ins umliegende Gewebe und löst hier schmerzhafte Entzündungen aus, die wiederum Fresszellen aktivieren, den Kalk aufzulösen. Dies dauert ein paar Tage, während derer die Schmerzen anhalten. Wenn der gesamte Kalk abgeräumt ist, wird die Sehne durch Fibrozyten repariert und das Schultergelenk ist wieder voll funktionsfähig und beweglich.
Man vermutet, dass Armbewegungen zu hohe Druckbelastungen verursachen und es somit zu einer verminderten Durchblutung kommt, was den gestörten Sehnenstoffwechsel erklären würde. Behandelt wird eine Kalkschulter meist mit schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten sowie Krankengymnastik und Massage. Bei der Hälfte der Patienten lösen sich so auch die Kalkdepots nach einigen Monaten auf. Wenn nicht, kann versucht werden, durch eine Stoßwellentherapie die Kalkkristalle von außen zu zerschießen (eine jedoch umstrittene Therapie) oder sie in einer Operation zu zerstören.

Meniskus

Im Knie zwischen Oberschenkelrollen und Schienbeinkopf liegen zwei halbmondförmige Faserknorpelscheiben, die sogenannten Menisken, die wichtige Funktionen übernehmen. Sie dämpfen Stöße ab und stabilisieren das Kniegelenk. Schäden am Meniskus, beispielsweise ein Riss, gehören zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen. Sie entstehen durch Stürze, wiederholte Verdrehungen und Druckbelastungen des Knies oder den altersbedingten Verschleiß. Im gesunden Knie sorgen die Menisken für eine gleichmäßige Gewichtsverteilung. Wird dieser Puffer bei einer Operation vollständig entfernt, erhöht sich die Belastung um das zwei- bis dreifache und damit das Risiko für Arthrose. Erkrankungen des Meniskus gehen typischerweise mit Schmerz, Bewegungseinschränkung und Schwellung einher. Der Arzt stellt die Diagnose durch eine ausführliche Befragung des Patienten, die Untersuchung der Motorik, Durchblutung und Sensibilität sowie einen speziellen Meniskustest.

Manuelle Lymphdrainage

Das Lymphgefäßsystem ist ein wichtiger Teil des Immunsystems, befindet sich im Bindegewebe und läuft parallel zum Venensystem. Es besteht aus den Lymphbahnen mit den Lymphknoten, den Organen Milz, Thymusdrüse, Mandeln und dem Lymphgewebe des Darms. In den Lymphorganen befinden sich Zellen, die eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen. Die wichtigsten sind die Lymphozyten, eine Gruppe der weißen Blutkörperchen, die passend für jeden Angreifer spezielle Antikörper produzieren.

Ein Lymphödem ist eine sichtbare und tastbare Schwellung eines Körperteils, zum Beispiel nach einer Operation. Diese Ödeme beobachtet man auch bei rheumatischen Erkrankungen, z.B. bei Sklerodermie (krankhafte Quellung des Bindegewebes, die mit Verhärtung und Verdünnung der Haut endet), bei chronischen Ekzemen und anderen chronischen unspezifischen Hautkrankheiten. Als Basistherapie ist oft eine medikamentöse Behandlung erforderlich, die durch zusätzliche Manuelle Lymphdrainage und Kompressionsbehandlung unterstützt werden muss.

Die Manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine Sonderform der Massage, bei der großflächige, weiche und sanfte Griffe eingesetzt werden. Der Schmerz wird gelindert und der Betroffene wird durch die Entspannung beruhigt. Nicht angewendet werden darf die MLD bei Krebserkrankungen und bakteriellen oder viralen Entzündungen. Auch nicht, wenn der Betroffene Fieber oder eine Thrombose mit Emboliegefahr hat.

Morbus Behcet

Morbus Behçet ist in vielen Fragen noch unverstanden. Das Syndrom wurde nach dem türkischen Arzt Hulusi Behçet benannt, der es als eigenständiges Krankheitsbild auffasste und 1937 beschrieb. Bis vor wenigen Jahren ließ sich die Erkrankung nicht genau zuordnen. Ist sie eine rheumatische Autoimmunerkrankung, genetisch bedingt oder von einer Infektion verursacht? Ist sie gar ansteckend? Heute kann man eine Ansteckung mit Gewissheit ausschließen. Man weiß, dass sie eine Mischung aus genannten Faktoren ist, wobei in erster Linie die Gene eine Rolle spielen. (Man beobachtet eine Häufung entlang der Seidenstraße von Italien über den Orient bis nach Japan.)

Der typische Patient ist 20 bis 30 Jahre alt, klagt über wiederkehrende schmerzhafte Bläschen und Geschwüre im Mundbereich, manchmal auch an den Geschlechtsorganen.

Schwere Augenentzündungen können bis zur Erblindung führen. Auf der Haut finden sich häufig pickelartige Veränderungen, aber auch rötliche schmerzhafte Knoten, insbesondere an den Unterschenkeln. Seltener sind Gelenke, Magen-Darm-Trakt oder andere Organe beteiligt. All diesen Symptomen liegt eine Vaskulitis, also eine Entzündung der Blutgefäße, zugrunde. Die Diagnose wird durch den Internisten, Rheumatologen, Hautarzt oder Augenarzt gestellt, häufig jedoch erst sehr spät.

Therapiert wird je nach Ausprägung des Organbefalles mit verschiedenen Medikamenten, die die Immunreaktion entweder unterdrücken oder abwandeln. In Tübingen gibt es zu Morbus Behçet eine aktuelle Therapiestudie.

Morbus Paget

Morbus Paget ist eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels, deren Ursachen bisher unbekannt sind. Sie äußert sich durch diffuse Schmerzen, später sind eine erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche und typisch säbelförmige Verformungen der Arm- und Beinknochen die Folge.

Im Gegensatz zu gesunden Menschen befinden sich bei Patienten mit Morbus Paget die knochenaufbauenden (Osteoblasten) und die knochenabbauenden (Osteoklasten) Zellen im Ungleichgewicht. Die Zahl der Osteoklasten ist deutlich erhöht, dadurch wird Knochensubstanz abgebaut. Der Körper versucht dem durch die vermehrte Bildung von knochenaufbauenden Zellen zu begegnen. In diese neuen Zellen wird jedoch nicht genügend Kalzium eingelagert, um einen stabilen Knochen zu bilden.

Morbus Paget beginnt meist ab dem 40. Lebensjahr und ist nach Osteoporose die zweithäufigste Knochenstoffwechselstörung; trotzdem wird sie meist nur zufällig diagnostiziert, da die Betroffenen oft keine Symptome zeigen und nur Veränderungen der Blutwerte oder Veränderungen im Röntgenbild zu erkennen sind. Derzeit wird die Erkrankung mit Bisphosphonaten oder dem Hormon Calcitonin behandelt. Bei bereits eingetretenen Verformungen können operative Eingriffe notwendig werden.

Morbus Still

Weniger als ein Mensch pro 100.000 Einwohnern leidet an Morbus Still. Damit ist die Erkrankung sehr selten. Die Hauptsymptome sind Fieber, Gelenkschmerzen und rötliche Hautverfärbung. Betroffene erkranken häufig zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Die Ursachen sind unklar. Erste Symptome sind Fieberschübe bis 40 °C, vor allem in den Abendstunden, manchmal auch eine Rachenentzündung. Auffallend sind im weiteren Verlauf ein starker Anstieg der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und lachsrote Hautflecken. Hand-, Ellenbogen-, Sprung- und Kniegelenke, seltener die Fingergelenke, schmerzen meist, ohne geschwollen zu sein. Gelegentlich kommt es auch zu Schwellungen an den Gelenken. Morbus Still betrifft häufig auch die inneren Organe, Lymphknoten, das Gehirn und die Augen. Charakteristisch sind ein schubweiser Verlauf und eine insgesamt gute Prognose. Bei Laboruntersuchungen fallen sehr hohe Entzündungswerte und die deutliche Erhöhung der weißen Blutkörperchen, oft auch der Blutplättchen (Thrombozyten) auf. Die roten Blutkörperchen und der Blutfarbstoff Hämoglobin sind dagegen erniedrigt. Der Rheumafaktor ist in der Regel negativ. Die Leberenzyme finden sich häufig erhöht, ebenfalls das Speichereisen.

Je nach Erkrankungsverlauf können anfangs allein NSAR eingesetzt werden, bei nicht ausreichender Wirksamkeit auch Kortisonpräparate. Bei chronischen Verläufen kommt unter Umständen auch eine Basistherapie, etwa mit MTX, zum Einsatz. Bei Organbefall muss mit hohen Kortisondosen in Form einer Stoßtherapie be - handelt werden. Betroffene sollten regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen gehen, mithilfe von Funktionstraining die Gelenke mobilisieren und sich ausgewogen und kalziumreich ernähren.

Nachteilsausgleich

In jedem Bundesland gibt es eigene Landesschulgesetze, in denen die Regelungen für den Nachteilsausgleich festgelegt sind. Familien können sich bei den Elternkreisen der Rheuma-Liga Unterstützung zum Beispiel bei der Beantragung von Schulbüchern oder Gesprächen mit dem Schulamt holen. Fragen Sie in den undefinedLandes- und Mitgliedsverbänden nach den Elternkreisen oder weiteren Ansprechpartnern.

Panarteriitis nodosa

Die seltene Panarteriitis nodosa (PAN) wird den Vaskulitiden – entzündlichen Gefäßerkrankungen mit rheumatischen Symptomen – zugeordnet. Die Entzündung spielt sich überwiegend in den mittelgroßen Gefäßen ab und kann zu deren Zerstörung und Verschluss führen. Die Ursachen sind unbekannt. Zu Beginn kommt es meist zu Gewichtsverlust, Fieber und Müdigkeit. Ein Drittel der Betroffenen hat Gelenkschmerzen, Arthritis oder Muskelschmerzen. An der Haut kann sich die Erkrankung in Form roter Flecken oder girlandenförmiger bläulicher Äderung zeigen. Eher selten treten Hautknötchen auf, die der Krankheit ihren Namen gaben. Nicht selten sind weitere Organe beteiligt. Auszuschließen ist immer eine zugrunde liegende Virusinfektion, insbesondere Hepatitis-B-Infektion.  Wegweisende Autoantikörper findet man in aller Regel nicht. Akut wird anfangs mit hoch dosierten Kortisonpräparaten behandelt, meist in Kombination mit anderen immunsuppressiven Medikamenten zur Bremsung des überschießend arbeitenden Immunsystems. Nach erfolgreicher Therapie können mildere Medikamente zur Anwendung kommen. Bei zugrunde liegender Hepatitis-B-Infektion wird man diese gezielt behandeln. Die Prognose der vor 25 Jahren häufig tödlich verlaufenden Erkrankung hat sich deutlich gebessert. Selten kommt es zu späteren Rückfällen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sollten beim Rheumatologen gemacht werden, im Bedarfsfall beim Organspezialisten oder in spezialisierten Vaskulitis-Ambulanzen.

Partizipative Forschung

Partizipation ist momentan in aller Munde. Auch in der Forschung dient der Begriff dazu, einen Forschungsansatz zu beschreiben, bei dem es um Beteiligung geht.

Bei der Partizipativen Forschung sollen Menschen, über deren Lebensalltag geforscht wird, als Forscher im Projekt mitarbeiten. Wenn ein Projekt beispielsweise den Lebensalltag von Patienten erforscht, werden die Patienten dazu nicht nur als Teilnehmer befragt. Von Anfang an werden betroffene Patienten eingebunden. Im Englischen werden sie auch „Patient-Research-Partner“, also Patienten-Forschungspartner genannt. Gemeinsam mit den Wissenschaftlern überlegen sie, welche Forschungsfragen sinnvoll sind, welche Methoden benötigt werden (zum Beispiel Interviews oder Frage bögen), wie man am besten Teilnehmer für die Studie gewinnen kann, wie die Ergebnisse ausgewertet werden und welche Bedeutung diese für den Alltag der Betroffenen haben. Forschungspartner bringen ihre Erfahrungen in alle Phasen eines Forschungsprojekts ein. Sie sorgen dadurch dafür, dass die Untersuchungen so gestaltet werden, dass die Ergebnisse in der Praxis später auch eine Bedeutung für die Betroffenen haben. Ziel ist es, dass Forschungspartner möglichst in allen Phasen eines Forschungsprojekts gleich - berechtigt mitarbeiten.

Die Deutsche Rheuma-Liga fördert Forschungsprojekte, die den Ansatz der Partizipativen Forschung verwirklichen. Besonders in der Versorgungsforschung können Patienten ihre praktischen Erfahrungen mit der medizinischen Versorgung in Forschungsprojekte einbringen

Phytotherapeutikum

Phytopharmaka werden aus getrockneten Pflanzen, Pflanzenteilen (zum Beispiel Blüten, Wurzeln) oder Pflanzenbestandteilen (zum Beispiel ätherische Öle) hergestellt. Sie enthalten immer eine Vielzahl pflanzlicher Stoffe aus der Ursprungspflanze, also einSubstanzgemisch. Im Gegensatz dazu zählen einzelne pflanzliche, beziehungsweise naturidentische Reinstoffe, die aus der Pflanze isoliert werden, nicht mehr zu den Phytotherapeutika. Die Hälfte aller zurzeit auf dem deutschen Markt angebotenen Medikamente sind solche Reinstoffe pflanzlichen Ursprungs.

Placebo

Beim Placebo ist nichts so wie es scheint, und trotzdem kann es helfen. Entdeckt hat das der Anästhesist Henry Beecher während des Zweiten Weltkriegs. Ihm ging bei der Versorgung das Morphium aus. Kurzerhand spritzte er den Soldaten eine Kochsalzlösung, nur um sie zu beruhigen, dass etwas für sie getan wurde. Und der verblüffende Effekt war, dass bei den Soldaten eine Schmerzlinderung einsetzte. Für Beecher ein faszinierender Umstand, den er weiter erforschte. Mitte der Fünfzigerjahre resümierte er in einer Abhandlung dazu, dass rund ein Drittel der Menschen auf die Scheinmedikamente positiv reagierten, egal welcher Art ihre Beschwerden waren. Sein Resultat wurde in weiteren Studien belegt. Seither muss sich auch jeder neue Wirkstoff in Studien gegen Placebos, meist Milchzuckertabletten beweisen.

Der sogenannte Placeboeffekt ist ein einfacher: die Einnahme eines Medikamentes oder eine verabreichte Spritze löst eine positive Erwartungshaltung, die im Gehirn jene Areale aktiviert, die z.B. für Schmerzunempfindlichkeit sorgen. Dass eine hoffnungsweckende Betreuung und Zuwendung die Selbstheilungskräfte des Menschen stärken können, wurde von der Placeboforschung inzwischen auch nachgewiesen. Schließlich heißt das lateinische Wort Placebo auch übersetzt: „Ich werde gefallen“.

Polymyositis

Polyneuropathien

Polyneuropathien sind Erkrankungen der peripheren Nerven. (periphere Nerven durchziehen den gesamten Körper.) Die Symptome hängen von der Art der Nervenschädigung ab. Sie können sich durch Missempfindungen wie Kribbeln und Brennen oder ein Taubheitsgefühl äußern. Unter Umständen nimmt die Muskelmasse ab und Lähmungserscheinungen treten auf. Als Ursache einer Polyneuropathie kommen verschiedenste Erkrankungen infrage. Am häufigsten ist es die Zuckerkrankheit (Diabetes) oder zu hoher Alkoholkonsum. Andere mögliche Ursachen sind Stoffwechsel- und Tumorerkrankungen, Vitamin-B12-Mangel, Vergiftungen, Erbkrankheiten oder entzündliche Erkrankungen. Es gibt rheumatische Erkrankungen, die zu einer Polyneuropathie führen können: zum Beispiel systemischer Lupus erythematodes oder Sklerodermie. Bei Rheumatoider Arthritis dagegen ist eine begleitende Polyneuropathie unwahrscheinlich; Fibromyalgie geht praktisch nie mit einer Polyneuropathie einher. Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung. Durch Krankengymnastik und Hilfsmittel wird die Beweglichkeit verbessert.

Pseudogicht (Chondrokalzinose)

Während sich bei der Gicht Harnsäurekristalle im Knorpelgewebe ablagern, sind es bei der Pseudogicht Kalziumpyrophosphatkristalle. Auslöser der Pseudogicht kann auch eine Eisenablagerungserkrankung, Hämochromatose genannt, sein. Die Pseudogicht dürfte die häufigste Ursache für eine Monarthritis (Mon = nur ein Gelenk ist befallen) im höheren Lebensalter sein. Bevorzugt werden Knie- und Handgelenke betroffen. Die Kristalle lagern sich im Faserknorpel (zum Beispiel im Meniskus) ein.

Die Erkrankung kann zu seltenen oder auch häufigen Anfällen von Gelenkschmerzen und Schwellungen führen, die jedoch bei weitem nicht so heftig wie bei der Gicht verlaufen. Gegen die Schmerzen und den Entzündungsreiz werden in der Regel nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) verordnet, bei sehr akuten Schmerzen auch eine Kortison-Injektion in das betroffene Gelenk.

SAPHO-Syndrom

Das zu den seltenen Krankheiten zählende SAPHO-Syndrom tritt in ganz unterschiedlichen Ausprägungen auf. Die Krankheit äußert sich meist durch Pusteln oder Ausschlag der Haut sowie Schmerzen am Bewegungsapparat. Bevorzugt trifft es dabei die langen Röhrenknochen, die Wirbelsäule und das Becken sowie die Gelenke zwischen Brustbein und Rippen oder Brustbein und Schlüsselbein. Neben den typischen Entzündungszeichen können dort auch überschießende Knochenneubildungen auftreten. In Einzelfällen kommt es zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Für die Diagnose SAPHO-Syndrom muss der Arzt in verschiedenen Untersuchungen zunächst andere Erkrankungen ausschließen. Dazu dienen unter anderem Blutuntersuchungen sowie Röntgenbilder, teilweise mit Kontrastmittel.

Die Therapie richtet sich nach der Ausprägung der Symptome. Systematische Studien zur Therapie fehlen, in der Regel ist der Arzt auf Fallberichte und seine Erfahrung angewiesen. Häufig ist eine kooperative Zusammenarbeit von Rheumatologe, Hautarzt und Orthopäde/ Unfallchirurg notwendig. Falls ein einzelnes Gelenk, zum Beispiel das Brustbein-Schlüsselbein-Gelenk betroffen ist, kann eine lokale Injektion mit Kortison ausreichen. Stehen Knochenschmerzen im Vordergrund, können Bisphosphonate helfen. Bei Bedarf nehmen Betroffene nicht-steroidale Antirheumatika oder Kortison. Immunmodulatoren wie Methotrexat und Leflunomid können Hautveränderungen und Gelenkentzündungen lindern. In Einzelfällen können Betroffene auch TNF-alpha-Blocker und andere Immunmodulatoren einsetzen. Darüber hinaus sind zusätzliche dermatologische Therapien möglich. Gegebenenfalls sollte ein Orthopäde oder Unfallchirurg über die Notwendigkeit einer Knochenstabilisierung beraten.

Sharp-Syndrom

Beim Sharp-Syndrom, auch Mischkollagenose genannt, können Symptome der Progressiven Systemischen Sklerodermie (PSS), der Dermatomyositis und des Systemischen Lupus Erythematodes (SLE) auftreten. Das Sharp-Syndrom findet sich vor allem bei Frauen mittleren Alters. Männer sind deutlich seltener betroffen.

Das Sharp-Syndrom äußert sich unterschiedlich. Neben unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gelenk- und Muskelschmerzen zeigen sich an der Haut verhärtete Schwellungen der Finger, Handrücken und Füße.

Ödeme und ein Raynaud-Phänomen können auftreten. Außerdem kann es zu Hautveränderungen wie beim SLE und Organbeteiligung kommen. Die Therapie richtet sich individuell nach Art der Symptome und Schwere des Krankheitsbildes. In akuten Schüben, bei lebensbedrohlichen Situationen oder schweren Organbeteiligungen hilft Kortison. Für die Dauertherapie werden immununterdrückende Medikamente wie Resochin oder Methotrexat
(MTX) verwendet. Zusätzlich können Krankengymnastik, Ergotherapie, psychologische Unterstützung helfen.

Skoliose

Als Skoliose bezeichnet man eine Seitenverbiegung der Wirbelsäule mit gleichzeitiger Verdrehung der Wirbelkörper; die Wirbelsäule kann nicht mehr vollständig aufgerichtet werden. Die eigentliche Ursache der Skoliose ist in etwa 80 Prozent der Fälle unbekannt (sogenannte idiopathische Skoliosen) Nur bei den verbleibenden 20 Prozent findet sich eine Ursache, zum Beispiel eine Veränderung der Knochenstruktur oder Muskel- oder Nervenerkrankungen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer und zwar im Verhältnis 4 zu 1.

Die Skoliose führt nach und nach zu strukturellen Veränderungen der Wirbelkörper mit Verlust der Beweglichkeit. Außerdem können Störungen der inneren Organe, vor allem des Herzens und der Lunge auftreten.

Je nach Schweregrad sollten Skoliosen mit Krankengymnastik und gegebenenfalls einem Korsett als Orthese behandelt werden. Bei schweren Skoliosen kann eine Operation notwendig werden. Empfehlenswert sind spezialisierte Zentren, die diese Operationen häufig durchführen und Komplikationen entsprechend zu meistern wissen.

Systemische Sklerose

Die systemische Sklerose (SSc) – früher Sklerodermie genannt – ist eine seltene immunologische Bindegewebserkrankung. Im Vordergrund steht eine Verhärtung der Haut und des Bindegewebes, wobei auch weitere Organe, vor allem Blutgefäße, Lunge, Verdauungstrakt und Niere, betroffen sein können. Zusätzlich treten Gelenksymptome auf. Unterschieden wird die zirkumskripte Sklerodermie (örtlich begrenzte Hautveränderung ohne Organbefall). Bei der SSc arbeitet das Immunsystem falsch und stimuliert Zellen, die Bindegewebsfasern bilden. Zusätzlich wird die Innenschicht der Gefäße geschädigt. In der Folge kommt es zur Bindegewebsvermehrung in Haut und inneren Organen sowie zu Blutgefäßverengungen.

Die typische Hautbeteiligung fängt meist an den Händen mit leichter Schwellung, manchmal bläulicher Verfärbung, Hautverdickung und dem Hautgefühl eines zu engen Handschuhs an. Im Extremfall bildet sich ein „Hautpanzer“. Wegweisend sind die Symptome an der Haut, oft verbunden mit einer Raynaud-Symptomatik – kurzzeitige Verkrampfungen der Blutgefäße und bläuliche oder schneeweiße Verfärbung einzelner Finger. Je nach Entzündung lassen sich erhöhte Blutsenkung und CRP nachweisen, fast immer mit erhöhten Kernantikörpern (ANA). Typisch, aber nicht immer möglich, ist der Nachweis spezieller Antikörper. Organbeteiligungen können im Labor, durch Röntgen oder mit organspezifischen Untersuchungen diagnostiziert werden. Die Therapie richtet sich in erster Linie nach den betroffenen Organen, vergleiche Merkblatt 3.7. In hochaktiven frühen Fällen kann MTX versucht werden. Wegen möglicher Organbeteiligung muss der Verlauf mindestens einmal pro Jahr kontrolliert werden.

Vor allem in relativ frühen Stadien empfiehlt sich vorsorgende Hautpflege, Gymnastik, Inhalationen, Atemgymnastik, Lymphdrainage, Ergotherapie, zur Intensivierung der physikalischen Therapie wenn möglich die Rehabilitation und der Kontakt zu anderen Betroffenen.

Systemischer Lupus erythematodes

Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust und Fieber gehören zu den Allgemeinsymptomen des systemischen Lupus erythematodes (SLE). Hierzulande sind etwa 20 bis 50 von 100.000 Menschen von der seltenen Autoimmunerkrankung betroffen, die sich vor allem durch rheumatische Gelenkbeschwerden äußert. Außerdem kann die Haut betroffen sein – typischerweise zeigen sich schmetterlingsförmige Rötungen auf Wangen und Nasenrücken oder scheibenförmige Hautausschläge. Außerdem reagiert die Haut sehr empfindlich auf Sonne. Bei Kälte kann es zu einer plötzlichen Engstellung der Fingerarterien kommen: Einzelne oder alle Finger werden plötzlich weiß. Auch innere Organe und das zentrale Nervensystem können betroffen sein, ebenso das Blutbild und die Blutgerinnung. Typischerweise verläuft der SLE in Schüben, zwischen denen manche Patienten völlig beschwerdefrei bleiben. Neben anderen Faktoren können Infektionen und Sonnenlicht Auslöser eines Schubs sein. Der Verlauf eines SLE ist nicht vorhersehbar, doch die Chancen von Lupus-Patienten, ein normales Leben zu führen, haben sich entscheidend verbessert. Die Therapie umfasst die Vermeidung schubauslösender Faktoren sowie Medikamente: Je nach Beschwerden helfen Antirheumatika, Antimalariamittel, Kortison sowie Immunsuppressiva, die auf die Krankheit regulierend einwirken sollen. Ferner sind Krankengymnastik und psychologische Verfahren wie Schmerzbewältigungstraining oder Patientenschulungen hilfreich.

Meist sind Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren betroffen. Die Ursache für SLE ist nicht vollständig aufgeklärt. Eine gesunde Ernährung und leichte sportliche Betätigung werden empfohlen.

Wegener’sche Granulomatose

Die seltene entzündliche Gefäßerkrankung nimmt im Spektrum der Vaskulitiden eine Sonderform ein. An betroffenen Blutgefäßen werden nicht nur Entzündungen, sondern auch sogenannte granulomatöse Veränderungen (Granulome) beobachtet – vorwiegend in den Luftwegen.

Konkrete Auslöser sind unbekannt. Meist beginnt die Erkrankung schleichend und uncharakteristisch als „Infekt der oberen Luftwege“. Sie kann überall da, wo Blutgefäße sind, Symptome zeigen. Patienten klagen meist über Allgemeinbeschwerden wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder erhöhte Temperatur, häufig auch über rheumatische Beschwerden. Hinzu kommen Symptome an befallenen Organen, so zum Beispiel Entzündungen oder Sehstörungen an den Augen, chronische Nasenschleimhaut- und Mittelohrentzündungen teils mit Hörminderung, Hals- und Speicheldrüsenentzündungen, Atem- und Lungenbeschwerden, Missempfindungen in den Finger- und Fußspitzen (Polyneuropathie) oder Gangunsicherheit. Schmerzen und Schwellungen in der Nierengegend sind späte Krankheitszeichen. Charakteristisch können auch punktförmige bis flächenhafte Hautverfärbungen und schwere Geschwüre sein.

Einen herausragenden Stellenwert in der Diagnose haben HNO- und augenärztliche Untersuchungen. Mit ihrer Hilfe und durch mehrfache Gewebeentnahme, die an einen Pathologen mit besonderer Erfahrung gesandt werden sollte, gelingt die Diagnose. Zu erhärten ist sie bei über 90 Prozent der Patienten mithilfe von Autoantikörpern im Blut (cANCA/PR3-ANCA).

Leichtere Krankheitsverläufe werden mit MTX behandelt, schwere mit Cyclophosphamid (dauerhaft oder in Infusions-Stoßtherapie) – in Verbindung mit Kortison. Da es unter Cyclophosphamid zu höherer Anfälligkeit für Infekte und Harnblasenentzündung kommen kann, sprechen sich jüngere Studien für eine Therapie mit dem vergleichsweise verträglicheren Rituximab aus.

Zusatzbeitrag

Gesetzliche Krankenversicherung: Zusatzbeitrag

Bis Dezember 2014 galten für die gesetzliche Krankenversicherung ein Beitragssatz von 15,5 Prozent sowie ein mitgliederbezogener Beitragsanteil von 0,9 Prozentpunkten. Zusätzlich konnten die gesetzlichen Krankenkassen pauschale Zusatzbeiträge erheben.

Durch das Gesetz zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität im Gesundheitswesen (GKV-FWQG) wurden die bis dahin geltenden Beitragssätze geändert. Der allgemeine Beitragssatz wurde um 0,9 Prozent abgesenkt, die pauschalen Zusatzbeiträge abgeschafft und dafür ein einkommensabhängiger Zusatzbeitrag eingeführt.

Allgemeiner Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung
Seit dem 01. Januar 2015 beträgt der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung daher 14,6 Prozent (ermäßigter Beitrag: 14%) vom Bruttolohn. Dieser wird je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen.

Einkommensabhängiger Zusatzbeitrag
Mit der Gesetzesänderung 2014 wurde für das Jahr 2015 ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag von 0,9 Prozentpunkten festgelegt. Dieser durchschnittliche Zusatzbeitrag wird jedes Jahr neu berechnet. Für 2016 beträgt er beispielsweise 1,1 Prozentpunkte. Berechnet wird dieser durchschnittliche Wert vom "Schätzerkreis"*.

Der Arbeitgeberanteil an den Beitragszahlungen für die gesetzliche Krankenversicherung ist auf 7,3 Prozent „eingefroren“. Dies bedeutet, dass ausschließlich der Arbeitnehmer den einkommensabhängigen Zusatzbeitrag zahlt. Dies gilt auch für jede Erhöhung des Zusatzbeitrages - nur der Arbeitnehmer wird finanziell stärker belastet.

Sonderkündigungsrecht
Erhöht oder erhebt Ihre gesetzliche Krankenkasse erstmals den Zusatzbeitrag, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht. Die Krankenkasse ist verpflichtet, ihre Mitglieder sowohl vor der ersten Erhebung bzw. der Erhöhung eines Zusatzbeitrages schriftlich über die Höhe des Zusatzbeitrages sowie auf das Sonderkündigungsrecht hinzuweisen.

Versicherte können ihre Mitgliedschaft in der jeweiligen Krankenkasse dann bis zum Ende desjenigen Monats kündigen, für den der neue bzw. der erhöhte Zusatzbeitrag erstmals gilt. Der Krankenkassenwechsel ist zum Ablauf des übernächsten Monats gültig.


Weiterführende Informationen

undefinedBundesministerium für Gesundheit
undefinedKrankenkassen haben eine Liste über Zusatzbeiträge veröffentlicht
undefinedGesetzestext  


Erläuterung

*: Schätzerkreis: Ihm gehören Experten des Bundesministeriums für Gesundheit, des Bundesversicherungsamtes sowie des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen an. Auf der Grundlage der Mitglieder- bzw. Versichertenzahlen in der gesetzlichen Krankenkassen und amtlicher Statistiken gibt dieser eine Prognose zur Entwicklung der Ein- und Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung ab. In die Berechnungen fließen auch die jeweils aktuellen Prognosen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ein. Auf der Basis dieser Schätzung wird der durchschnittliche Zusatzbeitrag für das Folgejahr festgelegt. Dieser wird jeweils zum 01.November eines Kalenderjahres im Bundesanzeiger veröffentlicht.