mit diesem Newsletter möchte ich mich Ihnen als neue Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband e.V. vorstellen. Meiner Vorgängerin im Amt, Rotraut Schmale-Grede, danke ich ausdrücklich für Ihre Arbeit!
Für das Amt der Präsidentin habe ich kandidiert, weil ich weiß, wie wichtig Sichtbarkeit, klare Kommunikation und gelebte Gemeinschaft für Betroffene sind. Ich möchte eine Rheuma-Liga gestalten, die modern arbeitet und politisch gehört wird. Ich glaube fest daran, dass die Rheuma-Liga Menschen Hoffnung, Orientierung und echte Unterstützung gibt. Deshalb engagiere ich mich seit über 35 Jahren dafür, tragfähige Strukturen zu schaffen.
Auch international bin ich gut vernetzt, u.a. durch meine Arbeit für die European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) und den Zusammenschluss der Patientenorganisationen EULAR PARE (People with Arthritis/Rheumatism in Europe). Sie, liebe Leserinnen und Leser des Newsletters, lade ich nun herzlich ein, mit uns gemeinsam Brücken zu bauen: zwischen Selbsthilfe, Medizin, Forschung und Politik.
Biologika-Austausch in der Apotheke: nicht mit uns!
Die Deutsche Rheuma-Liga spricht sich vehement gegen den Austausch von Biologika in der Apotheke ohne Absprache mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten aus, wie es der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 4. Dezember 2025 in seiner 35. Plenumssitzung beschlossen hat. Wir sehen zahlreiche Risiken, insbesondere die Zunahme von Fehlanwendungen sowie Probleme bei der Nachverfolgung von Nebenwirkungen und Wirksamkeitsverlusten.
Besonders kritisch sieht die Deutsche Rheuma-Liga, dass ein Austausch teurer Biologika gegen wirkstoffähnliche, preisgünstige Biologika auch dann erfolgen kann, wenn die beiden Austauschpartner nur in einem Anwendungsgebiet übereinstimmen. Das kann zur Folge haben, dass Betroffene in der Apotheke ein anderes, wirkstoffähnliches Biosimilar bekommen, welches nicht für die Indikation der Betroffenen zugelassen ist.
Primärarztsystem: eine Therapie-Bremse für Menschen mit Rheuma?
Die Bundesregierung plant ein verbindliches Primärarztsystem, in dem Hausärztinnen und Hausärzte die zentrale Steuerungsfunktion übernehmen und Facharztzugänge koordinieren sollen. Ziel sind mehr Effizienz, geringere Kosten und schnellere Facharzttermine – für 17 Millionen Rheumabetroffene droht jedoch das Gegenteil: längere Wege, spätere Diagnosen und vermeidbare Folgeschäden.
Leitlinien empfehlen eine rheumatologische Abklärung innerhalb von sechs Wochen nach Symptombeginn, doch in der Versorgungspraxis vergehen häufig sechs Monate bis zwei Jahre. Die Qualität der Behandlung hängt maßgeblich davon ab, ob Hausärztinnen und Hausärzte entzündlich-rheumatische Erkrankungen frühzeitig erkennen und zügig an die Rheumatologie überweisen. Gleichzeitig besteht seit Jahren ein akuter Fachärztemangel in der internistischen Rheumatologie, so dass heute schon viele Betroffene längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.
Wir meinen: Eine Strukturreform des Gesundheitswesens darf sich nicht allein auf die Patientensteuerung beschränken. Aus Sicht rheumakranker Menschen braucht es vor allem eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit, einen Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie mehr Rheumatologinnen und Rheumatologen in der Versorgung. Unser ausführliches Positionspapier zur Einführung eines Primärarztsystems finden Sie hier.
Ich wünsche Ihnen eine friedliche Weihnachtszeit und ein gesundes Jahr 2026!
Ihre Corinna Elling-Audersch
Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband e.V.