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Fachtag Digitalisierung: Der Patientenstimme Gehör verleihen

| News
Rotraut Schmale-Grede beim Fachtag Digitalisierung

Beim Fachtag Digitalisierung der Deutschen Rheuma-Liga diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Gesundheitswesen und Wissenschaft.

Am 9. März 2020 veranstaltete die Rheuma-Liga in Berlin ihren „Fachtag Digitalisierung“. Vertreter*innen der Rheuma-Liga diskutierten gemeinsam mit Vertreter*innen aus Politik, Gesundheitswesen und Wissenschaft, wie Patienten besser in die aktuellen Vorhaben zur Digitalisierung des Gesundheitswesens einbezogen werden können. Vorweggesagt: Die Veranstaltung war ein großer Erfolg!

Der von Dr. Franz Bartmann moderierte Fachtag gliederte sich in drei Themenschwerpunkte:

  • Digitale Gesundheitsanwendungen
  • die elektronische Patientenakte
  • Versorgungsforschung und Datenspende

Zu allen Themenblöcken gab es Impulsreferate und eine anschließende Podiumsdiskussion jeweils mit Vertretern der Rheuma-Liga. Dem Publikum kam dabei eine wichtige Rolle zu: Denn fragen und mitdiskutieren war zu jeder Zeit ausdrücklich erwünscht!

Fazit

Der Fachtag hat geschafft, was viele andere Veranstaltungen nicht schaffen (wollen): Er hat alle Player im System zusammengebracht. Der Perspektivwechsel konnte den anderen Akteuren im Gesundheitswesen neue inhaltliche Impulse geben. Und er hat gezeigt: Es ist wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben.

Zum Impulspapier

 

Das Programm

Begrüßung

Rotraut Schmale-Grede, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, zeigte bei der Begrüßung der Teilnehmer*innen auf, worauf es beim Thema Digitalisierung des Gesundheitswesens ankommt: Es muss mit den Patienten und nicht über die Patienten geredet werden! Dies bedeutet, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen und die Entwicklungen auch aus dem Blickwinkel und unter Einbindung der Nutzer*innen zu betrachten. Dabei spielten Datenschutz und Datenhoheit eine wichtige Rolle.

Zum Grußwort

 

DiGA: Endlich digitaler!? – Was bringt das DVG?

Aus Sicht der Patientensicherheit: Impulsreferat

Marcel Weigand, Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.

Zur Präsentation

 

Umsetzungsperspektive: Impulsreferat

Dr. Irmgard Landgraf,Fachärztin für Innere Medizin/ Hausärztin

Zur Präsentation

 

Podiumsdiskussion

Jan Benedikt Brönneke, health innovation hub
Dr. Achim Kessler, MdB - Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
Dr. Irmgard Landgraf,Fachärztin für Innere Medizin/ Hausärztin
Dieter Wiek, Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.

                                        __________________________

Digitale Anwendungen können die Versorgung verbessern und sicherer machen - darin zumindest waren sich Referent*innen und Teilnehmer*innen bei der Einschätzung des Digitalen-Versorgungs-Gesetzes einig.

 

Apps auf Rezept können zwar das Selbst-Monitoring einer Erkrankung gut unterstützen, indem sie beispielsweise Nutzer daran erinnern, Medikamente regelmäßig einzunehmen. Da ältere und multimorbide Menschen am meisten von solchen Anwendungen profitieren können, brauchen wir Angebote, die die digitale Gesundheitskompetenz fördern. Zudem fehle dem Gesetzt eine E-Health-Strategie mit konkreten Versorgungszielen, so die Einschätzung von Marcel Weigand vom Aktionsbündnis Patientensicherheit.

 

Aus (Haus-)Ärztesicht haben digitale Gesundheitsanwendungen sowie Telekonsile den Vorteil, dass Informationen zwischen den einzelnen Versorgungsebenen schneller ausgetauscht werden können. Die Behandlungssicherheit wird erhöht - gerade auch, wenn es sich um multimorbide Patienten handelt. Damit bleibe mehr Zeit für das Arzt-Patienten-Gespräch, das heute vielfach zu kurz komme, so Dr. Irmgard Landgraf aus Berlin.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion wurde noch einmal deutlich: Der Maßstab für die Digitalisierung muss der Nutzen für den Patienten sein! Und zentrales Thema ist es, nicht nur Kommunikation zwischen den Systemen zu ermöglichen, sondern diese auch zwischen den Nutzern - wie Behandler und Patienten - zu erleichtern.

Ebenso bedeutend ist die Qualitätssicherung - und diese beginnt damit, Patienten bereits in die Entwicklung von DiGA einzubinden.

Außerdem brauchen digitale Gesundheitsanwendungen Gesundheitskompetenz – sowohl beim Patienten als auch bei den Gesundheitsberufen.

Dieter Wiek (Vorstand der Rheuma-Liga), ist sicher, dass ein Selbst-Monitoring über eine App die Vorbereitung auf das Arztgespräch deutlich verbessern kann und damit auch ein intensiverer Austausch zwischen Behandler und Patient möglich sei.

Dr. Achim Kessler (MdB, Fraktion Die Linke.im Bundestag) betont, dass E-Health nicht alle Probleme des Gesundheitssystem lösen werde. So könne Telemedizin eine Ergänzung, beispielsweise im ländlichen Raum, sein, aber sie könne eine ambulante Versorgung niemals ersetzen. Im Hinblick auf die Datensicherheit und einen möglichen Datenverlust steht außerfrage, dass derjenige dafür haften muss, der dafür verantwortlich sei.

Elektronische Patientenakte: Quo vadis?

Stand der Dinge und ein Blick über den Tellerrand

Dr. Bernhard Tenckhoff, Kassenärztliche Bundesvereinigung

Zur Präsentation

 

Mitsprechen können, selbst entscheiden…

Dr. Sarah J. Becker, Institute for Digital Transformation in Healthcare

- leider ausgefallen -

Streitgespräch

Gerlinde Bendzuck, Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.
Lars Gottwald, gematik GmbH
Christian Klose, Bundesministerium für Gesundheit
Maria Klein-Schmeink, MdB - Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

                                        __________________________

Die elektronische Patientenakte kommt - in einer ersten Version 2021. Christian Klose vom BMG und Lars Gottwald von der gematik erläuterten die geplanten Entwicklungsschritte. Klar ist, es wird noch dauern, bis eine voll funktionsfähige und barrierefreie ePA vorliegt.  Aus Patientensicht muss sichergestellt sein, dass diese die Hoheit über ihre Daten behalten und die Zugriffsrechte vergeben.

Per Gesetz ist die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) dazu verpflichtet, die sogenannte semantische und syntaktische Interoperabilität für die Inhalte der elektronischen Patientenakte zu entwickeln. Dr. Bernhard Tenckhoff stellte den aktuellen Stand vor. Die medizinischen Daten sollen so aufbereitet werden, dass sie problemlos zwischen Ärzten und Krankenhäusern ausgetauscht werden können. Im Fachjargon werden sie als MIOS (Medizinische Informationsobjekte) bezeichnet. Hierzu gehören beispielsweise das MIO „Impfpass“. Auch der Entlassbrief aus dem Krankenhaus oder die Darstellung der Laborwerte sind Themen, die die KBV angehen wird.

Gerlinde Bendzuck (Vorstand DRL) und Maria Klein-Schmeink (MdB, Bündnis 90/Die Grünen) betonen im Gespräch mit Vertretern des BMG und der gematik, wie komplex das System elektronische Patientenakte ist. Daher brauchen Patienten eine unabhängige Unterstützung und Beratung, wie sie die einzelnen Bausteine der Patientenakte nutzen und gleichzeitig ihre Daten schützen können. Dies gelte insbesondere für Menschen, die nicht über digitale Kompetenzen verfügen oder keinen eigenen Online-Zugang haben. Bei der Gestaltung von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA), der elektronischen Patientenakte (ePA) wie auch den MIOs wünschten sich die Vertreter*innen der Rheuma-Liga wie aus dem Publikum mehr Einbeziehung von Patienten(-organisationen) bei der Entwicklung.

Versorgungsforschung: Mein oder Dein Datenschatz?

Impulsreferat I

Prof. Dr. Sylvia Thun, Charité  - leider ausgefallen -

Impuls II

Frauke Greven, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Impuls III

Dr. Thilo Weichert, Netzwerk Datenschutzexpertise

Frauke Greven vom Bundesinstitut für Sicherheit in der Informationstechnik und Dr. Thilo Weichert, Datenschutzexperte, zeigen in ihren Beiträgen, wie wichtig der Schutz von sensiblen Daten ist.

Frauke Greven erklärt, dass Digitalisierung und Datenschutz ohne technische und organisatorische Maßnahmen, ohne Informationssicherheit nicht funktionieren kann.

Das Gesundheitswesen gehört zu den kritischen Infrastrukturen. Patientendaten sind ein kostbares Gut und werden im Darknet hoch gehandelt.

Privacy (Datenschutz) und security (Datensicherheit) müssen daher in Hand gehen - und das sollte sich bereits bei der Konzeption beispielsweise von DiGA widerspiegeln.

Informationssicherheit und Datenschutz müssen ganz stark auf die Verbraucher abzielen, weshalb sich das BSI künftig noch intensiver mit dem Thema „digitaler Verbraucherschutz“ beschäftigen wird.

Dr. Thilo Weichert vom Netzwerk Datenschutzexpertise macht in seinem Vortrag deutlich, dass Daten für die medizinische Forschung von hoher Bedeutung sind. Und alles hängt zusammen: Datenschutz, Datenfluss und Datenspende für die Forschung. Die Auswirkungen sind in den jeweiligen Bereichen sehr unterschiedlich. Mehr Transparenz in der Frage Datenfluss ist daher dringend vonnöten.

Er weist in seinem Vortrag darauf hin, dass bei den nun geplanten gesetzlichen Änderungen wie dem Patientendatenschutzgesetz (PSDG) noch nachgebessert werden müsse, damit die sensitiven Gesundheitsdaten auch als solche behandelt würden.

Die Veranstaltung wurde von der DAK unterstützt.