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Rheuma bei Kindern

Die Krankheit – Was ist Rheuma bei Kindern?

Rheuma betrifft nur alte Menschen? Nein, auch Kinder leiden an dieser Krankheit. Am häufigsten tritt Gelenkrheuma auf, eine chronische Gelenkentzündung, in der Fachsprache bezeichnet als „Juvenile Idiopathische Arthritis – kurz JIA“ (Juvenil steht für "einen Beginn vor dem vollendeten 16. Lebensjahr, idiopathisch für „unbekannte Ursache“, Arthritis für „Gelenkentzündung“). Jedes Jahr erkranken rund 1.200 Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre an JIA.

Es gibt mehrere Formen der JIA:

  • Über 50 Prozent der JIA-Patienten leiden an Oligoarthritis (Oligo = wenige, Arthritis = Gelenkentzündung). Die Krankheit tritt meist im Kleinkindalter auf und betrifft wenige Gelenke – zu Beginn oftmals nur das Kniegelenk.
  • An der Systemischen Arthritis leiden rund zehn Prozent der JIA-Betroffenen. Sie beginnt mit hohem wiederkehrenden Fieber und blass-rötlichen Hauterscheinungen. Es entzünden sich Gelenke und innere Organe.  
  • Bei der Polyarthritis (Poly = viele) entzünden sich mehr als vier Gelenke – typischerweise Finger- und Zehengelenke sowie Hand-, Knie- und Sprunggelenke. Es gibt zwei Ausprägungen. Bei der Rheumafaktor-negativen Polyarthritis lässt sich kein Rheumafaktor im Blut nachweisen – die Krankheit, die häufig im Vorschulalter beginnt, ist entsprechend schwer diagnostizierbar. Bei der Rheumafaktor-positiven Polyarthritis ist hingegen ein Rheumafaktor erkennbar. Die Krankheit entwickelt sich meist bei jugendlichen Mädchen.
  • Psoriasis-Arthritis: Diese Form der Gelenkentzündung tritt bei einer Schuppenflechte (Psoriasis) auf. Die Arthritis kann der Psoriasis allerdings um Jahre vorausgehen.
  • Arthritis mit Enthesitisneigung: Bei dieser Rheumaform entzünden sich meist Knie- und Sprunggelenke sowie Sehnenansätze – oftmals an der Ferse. Betroffen sind meist Jungen im Schulalter.

Die Ursachen – Wie kommt es zu Rheuma bei Kindern?

Bei einer JIA gerät das Immunsystem außer Kontrolle. Das Abwehrsystem richtet sich nicht nur gegen Krankheitserreger, sondern auch gegen körpereigene Strukturen. Fehlgesteuerte Immunzellen wandern in Gelenke und Organe ein und starten die Produktion entzündungsfördernder Stoffe. Ohne Therapie wird das Gelenk allmählich zerstört.

Warum das Immunsystem verrückt spielt, ist unbekannt. Forscher vermuten ein Wechselspiel zwischen genetischer Veranlagung (30% des Erkrankungsrisikos) und Umweltfaktoren – etwa Stressphasen oder eine schwere Infektion. Eltern können sich aber sicher sein: Sie tragen keine Schuld am Ausbruch der Erkrankung. Eltern können durch frühzeitiges Einleiten der richtigen Maßnahmen, ihrem Kind helfen. Je früher die Krankheit erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose.

Eltern sollten auf folgende erste Rheuma-Anzeichen achten:

  • Sind Gelenke überwärmt, geschwollen und am Morgen steif?
  • Hat das Kind Schmerzen, besonders beim Aufstehen?
  • Hinkt es, weil es ein Bein schonen möchte?
  • Möchte das Kind wieder auf den Arm, obwohl es längst laufen kann?
  • Hat sich der Griff verändert oder stützt sich das Kind anders ab als sonst?
  • Bereitet das Kauen oder Öffnen des Mundes Schmerzen?

Im Verdachtsfall können Sie einen ersten Test zuhause durchführen. Bewegen Sie die Gelenke hin und her. Beide Seiten sollten sich gleich gut bewegen lassen. Beobachten Sie dabei das Kind. Ist ein Gelenk erkrankt, wird sich das Kind gegen die Bewegung wehren und das Gesicht verziehen. Achtung: Kleine Kinder äußern Schmerzen nicht immer. Hier gilt es, auf Schonhaltungen zu achten, etwa auf eine Beugehaltung des Kniegelenks. Auch ein veränderter Bewegungsablauf kann eine indirekte Schmerzäußerung sein. Ein Warnsignal für eine rheumatische Erkrankung kann zudem eine Augenentzündung ohne Juckreiz oder Schmerzen sein.

Der erste Ansprechpartner ist der Kinderarzt oder ein Orthopäde. Beide haben allerdings kein leichtes Spiel. Es ist schwer, Gelenkrheuma bei Kinder und Jugendlichen zu diagnostizieren. Zum Krankheitsbeginn gibt es keine beweisenden Laborwerte, ,uch keinen typischen Röntgenbefund. Die Diagnose ergibt sich vielmehr wie ein Puzzle aus der Krankengeschichte und klinischen, laborchemischen und bildgebenden Befunden, zum Beispiel der Kernspintomographie und Sonografie. Dafür ist es ratsam, einen Kinder- und Jugendrheumatologen zu Rate zu ziehen.

Für die Beurteilung der Krankheitsaktivität zieht der Arzt im Blut nachweisbare Entzündungszeichen heran. Wichtig sind die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und das C-reaktive Protein (CRP) – ein Eiweißprodukt, das bei Entzündungen im Blut entsteht. Die Entzündungszeichen im Blut können, müssen aber bei Kindern Gelenkentzündungen nicht erhöht sein. Bei schweren Verläufen können auch die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und der Blutplättchen (Thrombozyten) steigen, Eisenspiegel und der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) absinken.

Ziel der Therapie ist es, Gelenkentzündungen und Bewegungseinschränkungen schnellstmöglich zu beheben, damit es nicht zu bleibenden Schäden an Gelenken oder Organen oder Wachstumsstörungen kommt. Mehrere Therapien sind angebracht:

Wichtig ist eine medikamentöse Therapie. In der Regel beginnt die Behandlung einer Juvenilen Idiopathischen Arthritis mit sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Die kortisonfreien Medikamente lindern Schmerzen, hemmen Entzündungen und senken Fieber. Schon nach kurzer Zeit. In manchen Fällen spritzen Ärzte zusätzlich eine kortisonhaltige Kristallsuspension in das Gelenk, um die Entzündung zu bekämpfen. Im Unterschied zur Lokalbehandlung ist bei einer systematischen Kortisontherapie (mit Tabletten oder als Infusion) aber Zurückhaltung geboten. Hohe Dosen sollten nur bei schweren Erkrankungen zum Einsatz kommen.

Und wenn NSAR nicht ausreichen? Dann erhalten Kinder sogenannte Basismedikamente, welche die Krankheit zum Stillstand bringen sollen. Zu den Mitteln der Wahl zählt Methotrexat (MTX) – ein Mittel aus der Krebstherapie, das allerdings 1000-fach niedriger dosiert ist. Es lässt sich als Tablette einnehmen oder unter die Haut spritzen. Einmal pro Woche. Sollte MTX nicht ausreichen, können Biologika ins Spiel kommen. Diese Medikamente blockieren Entzündungsbotenstoffe (z.B. den Tumornekrosefaktur alpha = TNF-alpha oder bestimmte Interleukine), oder bremsen den Entzündungsprozess vorantreibende Immunzellen ab.) Wichtig: Ausschließlich Ärzte, die auf Kinderrheuma spezialisiert sind, sollten Basistherapien einleiten.

Die Physiotherapie löst zudem Verspannungen in der Muskulatur und kräftig sie, entlastet somit die Gelenke. In der Ergotherapie lernen Kinder, wie sie den Alltag möglichst gelenkschonend bewältigen. Und eine Schmerztherapie dient der Bewältigung der Schmerzen. Auch die Ernährung kann Rheuma positiv beeinflussen. Angebracht ist eine abwechslungsreiche Ernährung mit frischem Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.