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Arthrose

Was ist Arthrose?

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit. In Deutschland sind mindestens fünf Millionen Menschen aktiv daran erkrankt und benötigen Hilfe sowie Behandlung.

Bis zum mittleren Lebensalter betrifft die Arthrose vorwiegend Männer, jenseits des 55. Lebensjahres überwiegend Frauen. Insgesamt haben 75 Prozent aller über 50-jährigen und 90 Prozent aller über 70-jährigen Menschen Arthrosebeschwerden.

Betroffen sind vor allem die großen lasttragenden Gelenke der unteren Extremität, also Hüft- und Kniegelenke. Das Sprunggelenk, obwohl es insgesamt die Hauptlast des Körpers trägt, erkrankt meist nur nach Verletzungen oder als Folge einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung und auch dann oft Jahre später. Am Fuß selbst kommt die Arthrose des Großzehengrundgelenkes häufiger vor. Häufig ist auch die Fingerpolyarthrose, also die Arthrose der kleinen Fingergelenke, vor allem bei Frauen nach der Menopause.

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    Die Ursachen – wie kommt es zu Arthrose?

    Kommt es wegen Überlastung, mangelnder Ernährung oder Überalterung zu einem Untergang von Knorpelzellen im Gelenk, weicht die Knorpelsubstanz durch Freisetzung intrazellulärer Substanzen auf.

    Ein insgesamt aufgeweichter Knorpel ist dann den Belastungen im Alltag nicht mehr gut genug gewachsen und es kommt im zweiten Schritt zum Knorpelabrieb, das heißt, zum mechanischen „Verschleiß“. Ursächlich für den mechanischen Abrieb ist hauptsächlich eine Schädigung der Knorpelzelle, wenn nicht schon ein massives Trauma oder entzündlich-rheumatische Prozesse den Knorpelverbund bereits anderweitig geschädigt haben.

    Auf Dauer führen Reibung und Abrieb, in Verbindung mit Stoffwechselsubstanzen der Knorpelzelle, zu einer Entzündung der Gelenkinnenhaut. Diese setzt dabei Entzündungsboten (Mediatoren, Cytokine) frei, die schmerzauslösend und überwärmend wirken.

    Zusammen mit der sich ergebenden, ergussbedingten Minderversorgung der Gelenkinnenhaut und dem schmerzbedingten Bewegungsmangel führt dies zu einer weiteren Verschlechterung der Ernährungssituation der Knorpelzelle. Aus einer „chronischen“ oder „stummen“ Arthrose ist dann eine „aktivierte“ oder „akute“, schmerzhafte Arthrose geworden. Diese Unterscheidung spielt für die Therapie eine wichtige Rolle.

    Risikofaktoren für Arthrose

    • → Höheres Lebensalter
    • → Angeborene und erworbene Gelenkfehlstellungen
    • → Übergewicht
    • → Direkte Gelenkverletzungen
    • → Mangelnde Bewegung
    • → Körperliche Überlastung (Beruf und Sport)
    • → Genetische Vorbelastung

    Symptome bei Arthrose – welche Warnsignale gibt es?

    Das führende Symptom für Betroffene bei der Arthrose ist der Schmerz, wobei die Intensität und Häufigkeit sehr unterschiedlich ist. Anfangs treten die Schmerzen eher sporadisch und flüchtig auf, oft nur bei Belastungen und extremen Bewegungen.

    Später können sie unerträglich werden und zeitweise bis hin zur Bewegungsunfähigkeit führen. Sie werden zuletzt häufig auch in Ruhe empfunden, etwa nach längerem Gehen oder Belasten des Gelenkes, oder nachts, insbesondere beim Drehen im Schlaf. Typisch für eine Arthrose ist zudem der Anlaufschmerz, also ein Schmerz, der bei den ersten Schritten oder Gelenkbewegungen auftritt, sich aber wieder verliert, um nach unterschiedlicher Zeit als Ermüdungsschmerz wieder aufzutreten.

    Typische Symptome der Arthrose sind:

    • → Schmerz
    • → Bewegungseinschränkung
    • → Schwellung
    • → Überwärmung
    • → Defizite bei den Aktivitäten des täglichen Lebens

    Schmerzen

    • → beim Start (Anlaufschmerz)
    • → bei Ruhe
    • → beim Treppen hinuntergehen
    • → beim Treppen hinaufgehen (seltener)
    • → nach längerem Laufen

    Was hilft bei Arthrose? Ein Blick in die Leitlinien

    Medikamente, Spritzen, Operationen – was hilft bei Arthrose und von welchen Therapien sollte man die Finger lassen? Ein Blick in die Leitlinien

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    Die Diagnose – wie stellt der Arzt die Krankheit fest?

    Am Anfang steht die Untersuchung mit der intensiven Anamneseerhebung (dem Erfragen der Krankengeschichte) und eine gute klinische Untersuchung. Im Regelfall haben Ärztinnen und Ärzte mit der Diagnose keine Schwierigkeiten.

    Ein Röntgenbild wird gemacht, um das Ausmaß der Erkrankung feststellen zu können. In manchen Fällen ist dann noch eine weiterführende diagnostische Abklärung erforderlich. Blut- und Ultraschalluntersuchungen werden in der Regel durchgeführt, um eine entzündlich-rheumatische Erkrankung auszuschließen.

    Mit der Ultraschalluntersuchung können Sehnen, Muskeln, Schleimbeutelentzündungen, Zysten und Gelenkergüsse und arthrotische Knochenanbauten beurteilt werden. Es handelt sich dabei um eine ergänzende und nicht um eine das Röntgenbild ersetzende Untersuchungsmethode. Zur Beurteilung des Knorpels und der Weichteile hat sich das Magnetresonanz- oder Kernspintomogramm (MRT) bewährt.

    Auch bei Knochennekrosen (Absterben von Knochengewebe), die ähnliche Beschwerden wie Arthrosen verursachen können, führt die Kernspintomographie früher als das Röntgenbild zum diagnostischen Beweis. Bei speziellen Fragestellungen kann auch das Computertomogramm wertvolle Hilfe leisten.

    Therapie – wie wird Arthrose behandelt?

    Die Therapie der Arthrose umfasst mehrere Bausteine: Die Gesamtheit der physikalischen Therapie, Medikamente und Bewegung, unter anderem Krankengymnastik und das Funktionstraining, sind für Betroffene sehr sinnvoll.

    Patientinnen und Patienten mit Arthrose sollten auf Alkohol und Rauchen verzichten (direkte Knorpelschädigung) sowie ein normales Körpergewicht anstreben. Insbesondere zu Beginn, wenn die Arthrose aktiviert ist, reicht eine Maßnahme allein möglicherweise nicht aus. Verschiedene Methoden sollten, sich ergänzend, in Ansatz gebracht werden.

    Physikalische Therapie

    Die physikalische Therapie ist der Oberbegriff für alle konservativen Therapien am Gelenk. Dazu zählen Wärme- und Kältetherapien, Bewegung, Salben, Elektrotherapie und vieles mehr; diese Maßnahmen stehen an erster Stelle, weil sie besonders am Anfang der Erkrankung eine gute Wirkung zeigen, vorbeugend sogar schon vor dem Eintreten von Symptomen. Außerdem sollte die physikalische Therapie die Erkrankung dauerhaft begleiten, da sie immer wieder Beschwerden lindern und ein Fortschreiten verlangsamen kann.

    Aktive Maßnahmen

    Sport und Bewegung: Bewegung stellt einen zentralen Baustein in der konservativen Behandlung von Arthrose dar. Ziel der Bewegung ist die Verbesserung bzw. der Erhalt der Bewegungs- und Funktionsfähigkeit der betroffenen Gelenke. Durch gezielte indikationsspezifische Übungen unter fachlicher Anleitung kann die Muskulatur gestärkt und die Gelenkstabilität verbessert werden. Darüber hinaus kann regelmäßige körperliche Aktivität dazu beitragen, funktionelle Einschränkungen im Alltag zu verringern und die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten.

    Ein wesentliches Ziel sollte darin bestehen, regelmäßige Bewegung nachhaltig in den Alltag zu integrieren. Dabei eignen sich besonders gleichmäßige Bewegungsabläufe wie beim Radfahren (Heimfahrrad-Ergometer), Schwimmen, Tanzen oder Nordic Walking. Sportarten mit hoher Stoßbelastung und schnellen Richtungswechseln wie bei vielen Ballsportarten sollten bei Arthrose vermieden oder angepasst werden. 

    Krankengymnastik: In einem schmerzintensiven Arthrose-Intervall hat sich die ärztliche Verordnung von Krankengymnastik bewährt. Physiotherapeutinnen und -therapeuten können schmerzhafte Bewegung zunächst passiv geführt in schmerzärmere Bewegungsmuster überführen und eine Ausbalancierung der Muskulatur erwirken. 

    Funktionstraining: Das Funktionstraining der Deutschen Rheuma-Liga ist eine ganzheitliche Bewegungstherapie, bei der krankheitsspezifisch und alltagsnah gemeinsam in der Gruppe trainiert wird. Beim Funktionstraining ist Wasser- als auch Trockengymnastik möglich.  

    Passive Maßnahmen

    Passive Maßnahmen sind insbesondere während schmerzhafter Intervalle hilfreich. Sie dienen dazu, den Betroffenen zügig in die Lage zu versetzen, wieder eine aktive Bewegungstherapie ausüben zu können.   Die gängigste physikalische Behandlung ist die mit unterschiedlichen Temperaturen. Ihre Grenzen liegen in der Eindringtiefe, die für Kälte ein bis zwei Zentimeter, für Wärme drei bis vier Zentimeter beträgt. Zu hohe oder tiefe Temperaturen führen zu Hautschädigungen, ohne dass in der Tiefe Temperaturveränderungen wirksam werden. 

    Medikamentöse Therapien

    Wirksame Medikamente zum Einnehmen gibt es bei Arthrose für die Schmerzen, die Überwärmungen und die Schwellungen. Die Schädigungen des Knorpels selbst werden dadurch nicht beeinflusst. Eine erfolgreiche medikamentöse Schmerzbehandlung ist jedoch ein wesentlicher Aspekt der Arthrose-Therapie.  Erst bei weitgehender Schmerzfreiheit ist eine Bewegungstherapie sinnvollerweise möglich. 

    Ein Medikament sollte grundsätzlich wegen der erwarteten Wirkung eingenommen werden. Auch wenn alle Medikamente mögliche Nebenwirkungen haben können, sollten diese nicht über die Wirkung selbst gestellt werden. Medikamente sollten nur nach Ab- 14 Leben mit Arthrose – Ein Ratgeber für Betroffene sprache mit einer verordnenden Ärztin oder einem verordnenden Arzt eingenommen werden. Diese prüfen auch, ob es bei der Kombination mit anderen Medikamenten zu Wechsel- oder Nebenwirkungen kommen könnte. 

    Salben: Es gibt viele Schmerzmedikamente zum Auftragen auf die Haut. Viele enthalten nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), also die klassischen Rheumaschmerzmittel, wie sie auch zum Einnehmen angeboten werden. Andere enthalten den Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure oder biologische Substanzen, etwa Wurzelextrakte. Allen gemeinsam ist, dass sie nur wenig mehr als ein bis zwei Zentimeter eindringen. 

    Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Am wirksamsten bei Schmerzen des Bewegungsapparates sind Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. NSAR wirken nicht nur schmerzlindernd, sondern auch entzündungshemmend und temperatursenkend, was bei Gewebsschwellungen zum Abschwellen verhilft. Medikamente sollten gezielt, möglichst nur gelegentlich und in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt eingenommen werden. Zu den potenziellen Nebenwirkungen von NSAR gehören unter anderem Magen-Darm-Probleme, Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

    Cox-2-Hemmer: Cox-2-Hemmer oder Coxibe sind eine Weiterentwicklung der NSAR. Sie greifen anders in den Stoffwechsel ein. Sie haben etwa 50 Prozent weniger unerwünschte Nebenwirkungen auf den MagenDarm-Trakt, besitzen aber die gleiche Wirksamkeit wie herkömmliche NSAR. Die Einnahme von Magenschutzpräparaten ist daher bei Cox-2-Hemmern in der Regel nicht erforderlich. Da Cox-2-Hemmer für Patientinnen und Patienten ohne besonderes Risiko für Magen-Darm-Geschwüre aber keinen wesentlichen Vorteil bringen und viel teurer sind als herkömmliche NSAR, sollten sie nur bei entsprechenden Risikopatientinnen und -patienten eingesetzt werden. Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder auch Raucherinnen und Raucher sollten Cox-2-Hemmer grundsätzlich nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung einnehmen. Ältere Menschen sollten NSAR und Cox-2-Hemmer so wenig und so kurz wie möglich einnehmen. 

    Kortison: Kortison ist kein Medikament gegen Arthrose. Vor ungezielter und häufiger Anwendung kann nur gewarnt werden. Trotzdem kann es Situationen geben, in denen eine akute Arthrose die Gelenkinnenhaut dermaßen „entzündet“ hat, dass eine einmalige Injektion mit Kortison zur Beruhigung und zum Abschwellen gute therapeutische Erfolge bringt.  Trotzdem sind Kortisonspritzen in ein Gelenk aus zwei Gründen problematisch: Neben dem Infektionsrisiko, das jede Spritze in ein Gelenk mit sich bringt, hat Kortison auch potenziell knorpelschädigende Eigenschaften. Diese sind gering und werden durch seinen entzündungshemmenden Einfluss auf die Gelenkinnenhaut mehr als ausgeglichen. Dies gilt allerdings nur, solange die Gelenkinnenhaut wirklich deutlich durch den anfangs dargestellten Zerstörungsmechanismus gereizt ist. Dann nämlich führt Kortison zu einer raschen Normalisierung des Gelenkstoffwechsels und damit indirekt zu einer Schonung der Knorpelzelle. Ist die Gelenkinnenhaut nicht nennenswert entzündlich verändert, sollte kein Kortison in ein Gelenk gegeben werden. 

    Vorsicht: Schmerztherapie bei Arthrose sollte nicht in Eigenregie mit freiverkäuflichen Medikamenten betrieben werden. Sie gehört in die Hand der Ärztin/des Arztes. Ungefähr ein Viertel aller Dialysepatientinnen und -patienten sind Menschen, die über längeren Zeitraum Schmerzmittelmissbrauch auf eigene Rechnung betrieben haben.  Nicht oft genug gewarnt werden kann vor Kombinationspräparaten, die mehrere schmerzhemmende Wirkstoffe in einer Tablette enthalten. Eine grundsätzliche Vorsicht ist geboten bei der Einnahme von Metamizol (Novalgin) aufgrund einer potenziellen allergischen Agranulozytose, dieses wirkt zudem nicht abschwellend. Mögliche Indikationen für das Medikament bestehen bei Nierenschädigungen oder hohem Fieber, ansonsten gibt es genug andere Medikamente für den Einsatz bei einer Arthrose.

    Ergotherapie

    Ergotherapie kann Arthrose-Betroffenen dabei helfen, mit den körperlichen Einschränkungen im Leben mit der Erkrankung besser zurecht zu kommen. Dabei geht es auch um die Frage, wie Gelenke entlastet werden können. Ergotherapeutinnen und -therapeuten zeigen geeignete Hilfsmittel für den Alltag. So kann Ergotherapie insbesondere in der Behandlung von Finger- und Handgelenkarthrosen wertvolle Hilfen leisten.

    Ergänzende Therapien

    Wer Suchmaschinen mit Begriffen wie „Arthrose-Medikamente“ füttert, bekommt Hinweise im siebenstelligen Bereich. Anbieter sagen vielen Substanzen einen therapeutischen Nutzen nach, der nicht bewiesen ist. Die Palette reicht von Kümmel, Muskat, Ingwer und Koriander bis hin zu indischem Ayurveda und chinesischem TCM.

    Wem Kümmel und Muskat schmeckt, der sollte dies unbedingt zu einem angemessenen Preis beim Gemüsehändler oder im Supermarkt kaufen und sich an dessen Geschmack erfreuen, er ist aber schlecht beraten, wenn er Gewürze mit Heilungsversprechen im Internet überteuert bestellt.

    Auch für die schmerzlindernde Wirkung von Vitamin E-Präparaten gibt es bislang keine wissenschaftlichen Nachweise. Für pflanzliche Präparate wie Weidenrindenextrakt gibt es keine Evidenz. Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) bewertet das „Arzneimitteltelegramm“ als „zweifelhaft mit unzureichender Datenlage“. Medikamente zum Einnehmen, die versprechen, den Knorpel wieder aufzubauen, sind den wissenschaftlichen Beweis ihrer Wirksamkeit bislang schuldig geblieben. Dies gilt für Grünlipp-Muschel-Extrakte, für Glukosaminsulfat und Chondroitin.

    Hyaluronsäure: Hyaluronsäure ist ein gentechnologisch hochgereinigter Wirkstoff. Eine Evidenz in der Arthrose-Therapie liegt bislang nicht vor. Wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind und eine Patientin/ ein Patient sich gut informiert hat, kann Hyaluronsäure über eine Gelenkinjektion probatorisch eingesetzt werden.

    Als wesentliche Komplikation von Gelenkspritzen jeglicher Art ist die Gelenkinfektion zu nennen, mit der in einem von 10.000 Fällen gerechnet werden muss. Eine Gelenkinfektion ist eine wahrhaftige Katastrophe und bedeutet meist einen längeren Krankenhausaufenthalt mit operativer Intervention, so zum Beispiel (mehrfachen) arthroskopischen Eingriffen oder offenen Operationen des Gelenks, eventuell mit der Notwendigkeit des Einlegens von Spülschläuchen.

    Zurück bleibt meist ein mehr oder weniger bewegungseingeschränktes Gelenk mit einer zusätzlichen Knorpelschädigung.

    Pulsierende Signaltherapie (PST): Die Pulsierende Signaltherapie hat bislang keine Evidenz für ihre Wirksamkeit erbracht. Bei der PST soll mit einem elektrischen Feld die Knorpelzellen zur Regeneration angeregt werden.

    Akupunktur: Akupunktur ist bei der Kniearthrose eine Kassenleistung, da hier die Evidenz nachgewiesen ist. Bei anderen Arthrose-Arten ist dem nicht so. Bei einer Kniearthrose Stadium 3 kann man die Akupunktur zur Linderung nutzen.

    Operationen

    Knorpelersatztherapie

    Die Möglichkeit, defekten Knorpel durch im Labor gezüchteten zu ersetzen, kommt bisher nur für wenige Patientinnen und Patienten infrage. Möglich ist dies nur bei kleineren Defekten an isolierten Gelenken, bei denen man aber noch nicht von Arthrose spricht. Solche Defekte können unter anderem als Folge eines Sportunfalls auftreten.

    Für Betroffene, die Arthrose und dazu in mehreren Gelenken haben, ist die Knorpelersatztherapie leider noch Zukunftsmusik. Auf dem Gebiet des künstlichen Gelenkersatzes sind in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gelungen. Dabei wird aber vielfach vergessen, dass es nach wie vor Operationen gibt, die sehr segensreich sein können, ohne dass gleich künstliches Material eingesetzt werden muss. Häufig sind solche Methoden potenziell mit Komplikationen behaftet und für Patientinnen und Patienten sehr kostenintensiv.

    Gelenkerhaltende Eingriffe

    Gelenkerhaltende Operationen sind gleichzeitig Vorbeugung und Therapie. Der Zeitpunkt hierfür sollte deshalb nicht verpasst werden. Sie kommen allerdings nur infrage, wenn durch sie ein oder mehrere Risikofaktoren für das Entstehen der Arthrose beseitigt werden können. Meist handelt es sich bei den gelenkerhaltenden Eingriffen um Umstellungsosteotomien, also Operationen, bei denen ein X- oder O-Bein begradigt wird oder der Hüftkopf durch eine Pfannenschwenkung besser überdacht wird. Diese sind diskutabel, da eine endoprothetische Versorgung später beeinträchtigt werden könnte. Es gibt nur wenige (jüngere) Patientinnen und Patienten, bei denen eine Umstellungsosteotomie Sinn macht.

    Auch Gelenktoiletten, bei denen lose Meniskus- oder Knorpelteile, die das Gelenk durch Einklemmungen schädigen, entfernt und Knochenanbauten abgetragen werden oder der Knorpel zur Wachstumsanregung angebohrt wird, gehören dazu. Gerechtfertigt sind diese Eingriffe nur, wenn die Patientin/der Patient noch relativ jung ist und sich die Arthrose im Anfangsstadium befindet. Der Operationserfolg tritt leider keineswegs so zuverlässig ein, wie wir das von den Gelenkprothesen gewohnt sind. Dies bestätigen neuere Studien der letzten Jahre.

    Gelenkersetzende Eingriffe

    Gelingt es auf Dauer nicht, mit konservativen Therapien die Arthrose an einem Fortschreiten zu hindern und kommen gelenkerhaltende Eingriffe nicht in Frage oder wurden bereits mit nur begrenztem Erfolg durchgeführt und erlebt der Betroffene das Endstadium der Erkrankung, so bleibt irgendwann nur die gelenkersetzende Operation, also das künstliche Gelenk. Es gibt mittlerweile kein Gelenk mehr, das sich nicht endoprothetisch ersetzen ließe.

    Die Ergebnisse sind allerdings nicht einheitlich. Während sich die Endoprothesen-Standzeiten bei Hüften und Knien bei über 90 Prozent nach zehn Jahren einpendeln und oftmals deutlich über 25 Jahren gut funktionieren, bleiben Endoprothesen bei Arthrosen der Hand- oder Sprunggelenke ausgewählten Fällen vorbehalten. Eine mögliche Komplikation beim Gelenkersatz ist die Neubildung von knochenharten Veränderungen in den Weichteilen der unmittelbaren Umgebung des künstlichen Gelenks („periartikuläre Ossifikationen“). Im seltenen Extremfall kann eine weitgehende Bewegungsunfähigkeit eintreten.

    Die therapeutischen Möglichkeiten sind begrenzt, denn wenn dieser Knochen abgetragen wird, bildet er sich erneut. In vielen Kliniken werden deshalb nach dem Einsetzen eines Hüftgelenkes für zwei Wochen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) in niedrigen Dosierungen zur Vorbeugung gegeben, da ein gewisser schützender Effekt nachgewiesen werden konnte. Als sicherstes Gegenmittel gelten jedoch eine gewebeschonende Operationstechnik und eine angepasste Bewegungstherapie nach der Operation. Sowohl zu intensives Üben als auch zu wenig Bewegung sollen mit Verknöcherungen in Zusammenhang stehen. Eine weitere mögliche Komplikation ist das Herausspringen der Prothese aus ihren Anteilen (Prothesenluxation), dies kann vor allem an der Hüfte passieren.

    Versteifungsoperationen

    Bei Gelenken, die sich nur schwer dauerhaft endoprothetisch ersetzen lassen, sind Versteifungsoperationen oft keine schlechte Lösung, da sie oft gute funktionelle Ergebnisse bringen. So kann beispielsweise eine Versteifung eines oberen Sprunggelenkes oder eines Handgelenkes Schmerzen nehmen, ohne dass dies mit einer wesentlichen Beeinträchtigung bei Alltagsverrichtungen einhergeht. An anderen Gelenken wie Hüften oder Kniegelenken spielen Versteifungsoperationen heute keine Rolle mehr.

    Fragen vor der Entscheidung für oder gegen eine Operation

    • → Ist der Aktionsradius durch die Erkrankung eingeschränkt?
    • → Mussten Sie sich der Erkrankung bereits anpassen, indem Sie auf körperliche Aktivität verzichten?
    • → Leidet die Lebensqualität durch die Erkrankung?
    • → Was können Sie nach der Operation, was Sie jetzt nicht können?
    • → Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
    • → Werden Sie durch Ihre Arthroseeinschränkungen von anderen abhängig?
    • → Leiden Sie an anderen Erkrankungen, zum Beispiel Stoffwechselstörungen, die sich durch den arthrosebedingten Bewegungsmangel verschlechtern?

    Folgende Fragen sollte man dem Arzt/der Ärztin stellen, bevor man sich zu einem Einbau einer Endoprothese entscheidet:

    • → Welche Operationsrisiken gibt es?
    • → Gibt es Erkrankungen, die das Operationsrisiko deutlich steigen lassen?
    • → Muss zu einem späteren Zeitpunkt mit weiteren Operationen gerechnet werden?
    • → Welche Einschränkungen gibt es nach der Operation?
    • → Gibt es Erkrankungen, die durch diese Operation gleichzeitig gebessert würden, weil man sich dann besser bewegen kann (z.B. Blutzuckerkrankheit)?
    • → Wie lange muss man nach der Operation im Krankenhaus bleiben?
    • → Wie sieht die Nachbehandlung aus?

    Medizinische Prüfung

    Stand: Juni 2026

    Fachliche Beratung: Prof. Dr. Dr. Stefan Rehart, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Agaplesion Markus Krankenhaus Frankfurt am Main.

    Der Text stammt aus der Broschüre "Leben mit Arthrose" der Deutschen Rheuma-Liga.

    Unsere Informationsvideos für Sie

    Arthrose-Forschung

    Was ist Arthrose?

    Deutsche Rheuma-Liga: Wir sind für Sie da

    Arthrose ist eine von mehr als 100 rheumatischen Erkrankungen. Mit diesen Erkrankungen kennen wir uns gut aus. Wir beraten Sie gerne und unterstützen Sie. Unser Funktionstraining hilft Ihnen, beweglich zu bleiben. In Kursen, Arbeitsgemeinschaften und Selbsthilfegruppen treffen Sie andere rheumakranke Menschen, mit denen Sie sich austauschen können. Sie finden uns überall in Deutschland. Auch in Ihrer Nähe gibt es Ansprechpartner, die persönlich für Sie da sind.

    Wir vor Ort

    Die Deutsche Rheuma-Liga hat mehrere Publikationen über Arthrose herausgebracht. Diese können Sie auf der Internetseite herunterladen und bei den Landes- und Mitgliedsverbänden bestellen.