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Impfstoffe gegen Corona: Hinweise für Rheuma-Betroffene

| News
Impfstoff gegen Corona
Totimpfstoffe sind bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und bei Patienten unter entsprechender Therapie uneingeschränkt einsetzbar.

Sollen sich Rheuma-Betroffene gegen SARS-CoV-2 impfen lassen? Wie ist das Verfahren zur Impfung geregelt? Wir beantworten einige Fragen.

Totimpfstoffe sind bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und bei Patienten unter entsprechender Therapie uneingeschränkt einsetzbar. An dieser Stelle beantworten wir einige Fragen zum Thema "Corona-Impfung und Rheuma".

Eignen sich die bisherigen Corona-Impfstoffe für Betroffene mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und sind diese sicher?

Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie kann der Einsatz sowohl der mRNA-Impfstoffe als auch der Vektorimpfstoffe für Betroffene mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen empfohlen werden. Besonderheiten zu bestimmten Medikamenten und Zeitpunkten sind unten aufgeführt.

Erste Ergebnisse (Stand Juni 2021) aus Studien legen nahe, dass die Impfung mit den mRNA-Impfstoffen für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen sicher ist und in der Regel gut vertragen wird. Außerdem bilden nach diesen Ergebnissen die meisten Rheumapatienten nach der Impfung schützende Antikörper, auch wenn die Antikörperbildung etwas schwächer als bei gesunden Menschen ausgeprägt zu sein scheint.

Trotz der leicht verminderten Antikörper-Antwort dürften die meisten Rheumapatienten nach Einschätzung der DGRh vor COVID-19 geschützt sein oder wenigstens ein schwerer Verlauf verhindert werden (Stand Mai 2021).

Beim Medikament Rituximab wird ein deutlicher zeitlicher Abstand zur Impfung empfohlen. Die Impfung soll frühestens 4 Monate nach der letzten Gabe von Rituximab erfolgen und das Medikament soll nach der Impfung in der Regel frühestens nach 4 Wochen gegeben werden. Die Frage, ob die oben genannten ersten Ergebnisse auch für Betroffene mit laufender Methotrexat-Therapie in dieser Form gelten, lässt sich anhand der vorliegenden Daten bisher nicht beantworten (Stand Juni 2021).

Ergebnisse zu den Vektor-Impfstoffen liegen bisher nicht vor.

Kann der Erfolg der Impfung durch die Bestimmung von Antikörpern (Titerbestimmung) überprüft werden?

Die Bestimmung der Antikörper nach der Impfung wird von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie nicht empfohlen. Es ist bisher noch unklar, ob aus dem Vorliegen von Antikörpern auf die Wirksamkeit der Impfung geschlossen werden kann.

Sind die sogenannten m-RNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna Biotech und die Vektor-Impstoffe von AstraZeneca und Janssen-Cilag Tot- oder Lebendimpfstoffe?

Totimpfstoffe sind bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und bei Patienten unter entsprechender Therapie uneingeschränkt einsetzbar. Klassische Totimpfstoffe gegen SARS-CoV-2 befinden sich in der Entwicklung, also Impfstoffe, bei denen z.B. Eiweiße des Virus gemeinsam mit Hilfsstoffen verabreicht werden. Die Impfstoffe der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna Biotech basieren auf mRNA (Boten-RNA) und sind ebenfalls als Totimpfstoffe anzusehen.

Die Impfstoffe der Firmen Astra-Zeneca und Janssen-Cilag basieren auf Viren, die sich NICHT im Körper vermehren können. Damit erfüllen auch diese Impfstoffe nicht die Definition eines Lebendimpfstoffes, sondern werden als „Vektor-Impfstoff“ oder „Vektor-basierter Impfstoff“ bezeichnet.

Welche Corona-Impfstoffe gibt es?

In Deutschland sind derzeit vier Impfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen: der Impfstoff Comirnaty des Unternehmens Biontech/Pfizer, der Impfstoff Spikevax (vorher: „COVID-19-Vaccine Moderna“) des Unternehmens Moderna Biotech, der Impfstoff Vaxzevria (vorher: „COVID-19 Vaccine AstraZeneca“) von AstraZeneca und Covid-19 Vaccine Janssen von Janssen-Cilag / Johnson und Johnson. Von den Herstellern erhält Deutschland mehrere Millionen Impfdosen über die Europäische Union. Impfstoffe weiterer Hersteller sind derzeit noch in der Entwicklung.

Die Gesundheitsministerkonferenz hat am 30. März 2021 im Einvernehmen mit dem Bundesgesundheitsminister beschlossen , dass der Impfstoff von AstraZeneca in erster Linie für Über-60jährige einzusetzen ist. Wer jünger ist, kann auf eigenen Wunsch und nach ausführlicher Aufklärung trotzdem mit AstraZeneca geimpft werden. Der Einsatz des Impfstoffs liegt im ärztlichen Ermessen. 

Wer sein 60. Lebensjahr vollendet hat, soll nach der ersten Impfung mit AstraZeneca bei der Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff in einem Abstand von mindestens vier Wochen geimpft werden.

Für Personen, die jünger als 60 Jahre alt sind, empfiehlt das Robert-Koch-Institut für die Zweitimpfung anstelle der zweiten Vaxzevria-Impfdosis von AstraZeneca eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs ab 4 Wochen nach der Erstimpfung zu verabreichen. Nach einer individuellen Risikoanalyse mit dem Arzt kann aber auch weiterhin eine Verwendung des Impfstoffs von AstraZeneca bei der Zweitimpfung von Personen < 60 Jahre in Erwägung gezogen werden.

Im Zuge der Impfung mit COVID-19 Vaccine Janssen sind Fälle von Venenthrombosen an ungewöhnlichen Stellen beobachtet worden. Geimpfte sollen daher sofort einen Arzt aufsuchen, wenn nach der Impfung Symptome wie Kurzatmigkeit, Brustkorbschmerzen, Beinschwellungen, anhaltende Bauchschmerzen, Hautblutungen außerhalb des Verabreichungsortes oder neurologische Symptome wie starke oder anhaltende Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen auftreten. Die Gesundheitsministerkonferenz hat am 10. Mai 2021 im Einvernehmen mit dem Bundesgesundheitsminister beschlossen, dass dass das COVID-19 Vaccine Janssen für Menschen über 60 Jahren regelhaft zum Einsatz kommen soll. Nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoakzeptanz durch den Patienten soll die Impfung – analog wie bei Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca – auch bei Personen unter 60 Jahren möglich sein.

Weitere Informationen zum Impfstoff von Biontech/Pfizer

Weitere Informationen zum Impfstoff von Moderna Biotech

Weitere Informationen zum Impfstoff von AstraZeneca

Weitere Informationen zum Impfstoff von Janssen-Cilag / Johnson und Johnson

Sollte bei Betroffenen von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ein bestimmter Impfstoff verwendet werden?

Es gibt keine Hinweise, dass einer der Impfstoffe aufgrund der rheumatischen Erkrankung bevorzugt verwendet oder nicht verwendet werden sollte. In einzelnen Fällen kann die Verwendung eine mRNA-Impfstoffes gegenüber einem vektorbasierten Impfstoff bevorzugt in Erwägung gezogen werden. Dies kann dann sinnvoll sein, wenn beispielsweise eine schnelle Wirkung erzielt werden soll, damit anschließend Rituximab sicher eingesetzt werden kann oder bei Patienten über 60 Jahren, die zusätzlich an Antiphospholipidsyndrom (APS) oder einer Immunthrombopenie leiden.

Was passiert mit der Erbinformation aus dem Impfstoff im menschlichen Körper?

Die Impfung mit mRNA oder dem Vektor-Impfstoff stellt den Körperzellen des geimpften Menschen vorübergehend eine Bauanleitung für Eiweißstoffe zur Verfügung, die typisch für das Virus sind. Diese Eiweiße führen wie bei anderen Impfungen dazu, dass das Immunsystem einschlägige Antikörper herstellt. Bei einer tatsächlichen Ansteckung mit dem Coronavirus kann das Immunsystem rascher reagieren.

Sowohl die mRNA als auch die DNA der Vektor-Impfstoffe werden in der Körperzelle abgebaut und haben keinen Einfluss auf das Erbgut der menschlichen Zellen. Außerdem kann der Organismus aus den injizierten Substanzen keine kompletten oder infektiösen Viruspartikel zusammensetzen.  Die Vektor-Impfstoffe werden vom körpereigenen Immunsystem kontrolliert und nach kurzer Zeit eliminiert.

Wie oft muss die Impfung erfolgen?

mRNA-Impfstoff Comirnaty

Laut Robert Koch Institut soll die Impfung zweimal im Abstand von drei bis sechs Wochen erfolgen.

mRNA-Impfstoff COVID-19-Vaccine Moderna

Laut Robert Koch Institut soll die Impfung zweimal im Abstand von vier bis sechs Wochen erfolgen.

COVID-19 Vaccine AstraZeneca (Vaxzevria):

Laut Robert Koch Institut soll die Impfung zweimal im Abstand von neun bis zwölf Wochen erfolgen.

Covid-19 Vaccine Janssen­

Es ist nur eine Impfung erforderlich (Robert-Koch-Institut).

Erste Ergebnisse mit den mRNA-Impfstoffen zeigen, dass die Impfantwort des Körpers bei Rheumapatienten allgemein etwas schwächer ausgeprägt zu sein scheint als bei gesunden Menschen, aber trotzdem wird vermutlich ein guter Impfschutz erreicht (Stand Mai 2021). Inwieweit dies auch für Betroffene unter laufender Methotrexat-Therapie gilt, lässt sich momentan anhand der bisher vorliegenden Daten (Stand Juni 2021) nicht beantworten. Beim Medikament Rituximab wird ein deutlicher zeitlicher Abstand zur Impfung empfohlen. Die Impfung soll frühestens 4 Monate nach der letzten Gabe von Rituximab erfolgen und das Medikament soll nach der Impfung in der Regel frühestens nach 4 Wochen gegeben werden.

Wenn das Immunsystem von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und mit entsprechender Therapie nicht ausreichend reagiert, muss möglicherweise eine Auffrischung erwogen werden. Dazu werden Daten laufender Impfstudien und -beobachtungen kontinuierlich ausgewertet.

Welche Impfungen sind außerdem wichtig?

Unabhängig vom Coronavirus sollten Betroffene sich gegen Pneumokokken (bestimmte Erreger schwerer Lungenentzündungen) und Influenza-Grippe impfen lassen. Ein Mindestabstand von 14 Tagen vor Beginn und nach Ende der Impfserie gegen SARS-CoV-2 sollte bei anderen Impfungen (mit Ausnahme von Notimpfungen) eingehalten werden.

Weitere Informationen zum Thema Impfschutz für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen lesen Sie hier.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Impfung?

Die Immunsuppression sollte zum Zeitpunkt der Impfung so gering wie möglich sein. Allerdings sollen Betroffene auf keinen Fall für die Impfung ihre Basistherapie eigenmächtig absetzen oder verändern. Grundsätzlich gilt zwar die Empfehlung, Impfungen nicht während eines Schubes zu verabreichen, ob aber eine Impfung gegen COVID-19 von der aktuellen Krankheitsaktivität abhängig gemacht werden soll, wird noch kontrovers beurteilt.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie empfiehlt nicht grundsätzlich, eine bestehende immunmodulierende / immunsuppressive Therapie wegen einer anstehenden COVID-19-Impfung zu verändern. Auch für Methotrexat wird nicht grundsätzlich eine Therapiepause empfohlen. Als Ausnahme gilt die Gabe von Substanzen, die langanhaltend wirksam die Immunantwort der B-Zellen stören, also Rituximab. Für Betroffene, die diesen Wirkstoff bekommen, sollte der Rheumatologe gemeinsam mit dem Betroffenen über eine Therapiepause oder eine Umstellung auf alternative Therapien erwägen.

Quelle: Empfehlungen der DGRh

Wie ist das Verfahren zur Corona-Impfung geregelt?

Seit dem 7. Juni 2021 ist die Impfpriorisierung aufgehoben. Alle Bürgerinnen und Bürger können sich impfen lassen. Dies ist allerdings von der Menge des vorhandenen Impfstoffes und der Impftermine abhängig. Auch Kinder ab zwölf Jahren können jetzt mit dem Impfstoff Biontech/Pfizer geimpft werden (siehe unten). Betriebsärztinnen und Betriebsärzte können mitimpfen. Während die Impfpriorisierung in den Arztpraxen wegfällt, kann sie in den Impfzentren von den Ländern aufrechterhalten werden. In Schleswig-Holstein, Bayern, Saarland und Bremen bleibt die Impfpriorisierung in den Impfzentren zunächst weiterhin bestehen. Bitte informieren Sie sich bei den lokalen Informationsstellen.

Was ist bei der Corona-Impfung für Kinder zu beachten?

Der Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer ist auch für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren zugelassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Kindern und Jugendlichen mit Vorerkrankungen aufgrund eines anzunehmenden erhöhten Risikos für einen schweren Verlauf bei einer COVID19-Erkrankung eine Impfung mit diesem mRNA-Impfstoff. Zu dieser Gruppe zählt die STIKO unter anderem Kinder mit einer erworbenen Immundefizienz oder relevanten Immunsuppression (komplette Liste im Corona-Bulletin des Robert-Koch-Instituts). Kinder und Jugendliche mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen und ihre Eltern sollten mit Ihrem Kinderrheumatologen besprechen, ob für sie deshalb diese Impfung angeraten ist.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Corona-Impfung finden Sie auf der Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit. Außerdem stellt das Robert-Koch-Institut auf seiner Internetseite Faktenblätter zum Impfen bereit. Lesen Sie auch die Patientenversion der Deutschen Rheuma-Liga und der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie zu den Handlungsempfehlungen für die Betreuung und Impfung von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen im Rahmen der COVID-19 (Coronavirus)-Pandemie.

Quelle: Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit

 

Angebote der Rheuma-Liga: Infos, Bewegung, Entspannung

Online-Bewegungsprogramm, Podcasts, Bewegungsvideos, Online-Seminare, Ratgeber und vieles mehr: Die Landes- und Mitgliedsverbände der Deutschen Rheuma-Liga sind auch während der Corona-Pandemie für Sie da. Auf unserer Seite "Angebote für Zuhause" finden Sie einen Überblick über das vielfältige Programm.

Mehr erfahren

Marion Riedel, Rheuma-Betroffene und Ehrenamtlerin der Rheuma-Liga Bremen, spricht im Video mit Professor Dr. Jens Gert Kuipers, Chefarzt der Klinik für Internistische Rheumatologie am Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen, über das Verlaufsrisiko einer Corona-Infektion mit einer rheumatischen Erkrankungen und die Corona-Impfung unter immunmodulierenden Therapien.

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