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Rheumatologie: Neuigkeiten aus den USA

| News
Medizin

Kniearthrose, Fatigue, Kortison und vieles mehr: Das waren die Themen beim Jahreskongress des American College of Rheumatology.

Aufgrund der Pandemie hat der Jahreskongress des American College of Rheumatology (ACR) im Herbst 2021 online stattgefunden. Wir präsentieren wissenswerte Neuigkeiten.

Müdigkeit unabhängig von Entzündung

Eine Studie aus den Niederlanden hat Fatigue und Entzündung bei Betroffenen untersucht, die zwar schon Gelenkschmerzen hatten, aber noch keine Diagnose einer rheumatoiden Arthritis (RA). Die Teilnehmer sollten ihre Müdigkeit (Fatigue) auf einer Skala zwischen 0 und 10 angeben. Bei Studienbeginn lag die Müdigkeit bei Betroffenen vor der Diagnose RA bei 4,5 und stieg bis zur Diagnose langsam an. Die Entzündungsaktivität wurde über den Entzündungsblutwert CRP und per MRT gemessen und hing nicht von der Müdigkeit ab.

Fazit: Müdigkeit und Entzündung sind offenbar nicht immer miteinander verknüpft, auch wenn bekannt ist, dass sich die Müdigkeit bei einer antientzündlichen Therapie oft bessert. Bei mindestens einem Drittel der Patienten mit RA bleibt Fatigue bestehen. Es müssen somit andere Faktoren eine Rolle spielen als nur die Entzündung. (AB0230)

Hinweis: Mit den angegebenen Nummern kann man die englischsprachigen wissenschaftlichen Abstracts finden unter https://acrabstracts.org/ Dort unter „Advanced Search“ das Fenster „Search by Abstract Number“ nutzen und dann nur die Nummer eingeben (ohne „AB“).

Kleine Schritte gegen Kniearthrose

Für eine US-israelische Studie analysierten Forscher mithilfe künstlicher Intelligenz das Gangbild von 2.232 Personen im Alter von 45 bis 90 Jahren. Alle hatten Knieschmerzen beziehungsweise ein Risiko für Kniearthrose. Dabei zeigte sich, dass die Schrittlänge entscheidend war: Je länger der Schritt, umso häufiger kam es zu Schmerzen. Lange Schritte belasten die Knie offenbar mehr als kurze Schritte.

Fazit: Bewusst kleinere Schritte anzutrainieren, ist möglicherweise eine Option für Personen mit höherem Risiko für eine Kniearthrose, also etwa durch Übergewicht, wenig  Bewegung oder eine Gelenkfehlstellung wie X-Beine. (AB1902)

Angst vor Sport bei Arthrose

Bewegung hilft gegen Arthrose – trotzdem halten Betroffene mit Kniearthrose oft die Empfehlung zu mehr Aktivität nicht konsequent durch. Dabei spielt die Furcht vor der Bewegung eine ursächliche Rolle. In einer Studie aus Chicago wurden 30 Personen mit Kniearthrose standardisiert befragt und ihre Beweglichkeit gemessen. Betroffene mit weniger Furcht vor der Bewegung
bewegten sich auch mehr und hatten weniger Schmerzen als die mit verstärkter Angst.

Fazit: Der Zusammenhang ist nachvollziehbar, aber wie kann man die Furcht vor der Bewegung  vermindern? Möglicherweise mit mehr Information darüber, dass Bewegung das betroffene Gelenk nicht schädigt, sondern im Gegenteil schützt. Allein das Wissen über diesen Zusammenhang kann schon hilfreich sein. (AB0224)

Tocilizumab gegen Polymyalgia

Laut einer Studie ist Tocilizumab bei Polymyalgia rheumatica wirksam und kann dazu beitragen, die Kortisondosen zu reduzieren: Die meisten Betroffenen, die Tocilizumab erhielten, konnten ihre Kortisondosis deutlich senken. Das erste Wiederaufflammen der Erkrankung beobachteten die Ärzte bei Tocilizumab nach 130 Tagen, bei der Placebogruppe war es schon nach 82 Tagen.

Fazit: Bereits eine auf dem EULAR-Kongress veröffentlichte Studie zeigte, dass Tocilizumab nicht nur bei der Riesenzellarteriitis hilfreich ist, sondern auch bei der damit verwandten Polymyalgia rheumatica. Beide Krankheitsbilder werden bislang vor allem mit Kortison therapiert – die Wirksamkeit von Tocilizumab ist eine gute Nachricht. (AB0507)

Klarer Vorteil für Denosumab

Die Standardtherapie gegen Osteoporose sind Bisphosphonate, die täglich oder wöchentlich eingenommen werden. Doch der Antikörper Denosumab, der alle sechs Monate unter die Haut gespritzt wird, scheint bei Betroffenen mit rheumatoider Arthritis besser zu wirken. Das galt sowohl für die Knochendichtemessung als auch für die Zahl der aufgetretenen Knochenbrüche. Die Betroffenen hatten eine verminderte Knochendichte, weil sie über mindestens drei Monate mehr als 7,5 Milligramm Kortison oder verwandte Medikamente bekommen hatten. Alle Studienteilnehmer hatten zusätzlich Vitamin D und Kalzium bekommen.

Fazit: Viel zu häufig wird die in der Knochendichte gemessene Osteoporose nur mit Vitamin D und Kalzium behandelt, was den Knochenschwund aber allein nicht aufhalten kann. Besonders bei einer Kortisontherapie ist das Risiko für eine Osteoporose stark erhöht, deshalb muss bei einer vorliegenden Osteoporose eine wirksame  Zusatztherapie erfolgen. (AB0445)

Begleittherapie kann Fatigue reduzieren

Eine Begleittherapie zur Verhaltensänderung und ein individuelles Bewegungsprogramm können die krankheitsbedingte Müdigkeit signifikant über 14 Wochen reduzieren. Eine solche  Begleittherapie wurde von einem multiprofessionellen Team aus Psychologie, Physiotherapie und Rheumatologie angeboten. Allerdings bestand der Kontakt wegen der Pandemie nur am Telefon.

Nach sechs Monaten gab es einen Erinnerungstermin – daraufhin hielt die Verbesserung der Erschöpfung insgesamt ein Jahr an. Die Studienteilnehmer hatten unterschiedliche entzündliche Rheumaerkrankungen, über die Hälfte davon hatten rheumatoide Arthritis. Alle hatten drei Monate zuvor trotz Basistherapie an relevanter Fatigue gelitten. Allerdings ist eine solche Begleittherapie in Deutschland noch nicht verfügbar. Es dürfte schwierig sein, die dafür nötigen Spezialisten aus Rheumatologie, physikalischer Medizin und Psychologie zusammenzubringen. (AB0462)

Auch niedrige Kortisondosis erhöht Herz-Kreislauf-Risiko

Auch niedrig dosiertes Kortison kann das Herz-Kreislauf-Risiko und damit die Gefahr für Schlaganfälle und Herzinfarkte erhöhen. Das ist das Ergebnis der Analyse von Versicherungsdaten von über 180.000 älteren Betroffenen mit rheumatoider Arthritis. Je höher die Kortisondosis war, umso höher war das Herz-Kreislauf-Risiko. Unter niedriger Kortisondosis versteht man eine mittlere Dosierung über 90 Tage von bis zu fünf Milligramm Prednisolon pro Tag über ein halbes Jahr gegeben. Die Betroffenen waren im Mittel 65 Jahre alt und bekamen eine stabile Basistherapie.

Fazit: Die Leitlinien sehen vor, die Kortisontherapie bei rheumatoider Arthritis nach drei Monaten zu beenden. In der Praxis sieht es allerdings oft anders aus. Arzt und Betroffener sollten daher gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, Kortison in seiner Dosierung und Dauer möglichst niedrig zu halten, am besten nach drei Monaten vollständig abzusetzen. Gegebenenfalls muss die Therapie mit Basismedikamenten und/ oder Biologika erhöht werden, wenn nötig. Das reduziert nicht nur das Herz-Kreislauf- Risiko bei Älteren, sondern auch das Risiko für Infektionen und  andere häufige Komplikationen der Kortisontherapie. (AB1915)

Kalkablagerungen oder rheumatoide Arthritis?

Kalkablagerungen in Gelenken können Schmerzen und Entzündungen verursachen und einzelne Gelenke oder mehrere betreffen, etwa Schulter, Hüfte, Knie, Handgelenk oder Sprunggelenk. Diese Erkrankung kann vor allem bei Älteren mit einer rheumatoiden Arthritis verwechselt werden. Wissenschaftler haben in einer Literaturübersicht herausgearbeitet, dass man vor allem Knie und Handgelenke im Blick behalten sollte, um beide Erkrankungen voneinander zu unterscheiden. Dabei können Röntgen, Ultraschall und DECT zum Einsatz kommen, das ist ein Spezialverfahren zur Entdeckung von Kristallen in und um Gelenke. Diese Gelenke sollte man im Blick behalten, selbst wenn sie nicht direkt durch Schmerzen auffallen.

Fazit: Es ist vor allem bei älteren Betroffenen mit Gelenkschmerzen wichtig, an die Kalkablagerung von Kalziumpyrophosphat zu denken. Im Zweifel sollten Betroffene ihren Arzt darauf ansprechen und bitten, eine entsprechende Bildgebung zu veranlassen. Basismedikamente gegen rheumatoide Arthritis sind bei dieser Erkrankung nicht wirksam, stattdessen kommen nichtsteroidale Antirheumatika und Colchicin zum Einsatz. Bewegung trägt zusätzlich dazu bei, die Ablagerungen aufzulösen. (AB0172)

Omega-3-Fettsäuren haben Effekt auf RA-Beschwerden

Omega-3-Fettsäuren können zusätzlich zur antientzündlichen Rheumatherapie bei rheumatoider Arthritis (RA) unter anderem die Morgensteifigkeit, den Schmerz und die Entzündungsaktivität in den Gelenken reduzieren sowie die Lebensqualität erhöhen. Das zeigt eine französische Metaanalyse von 31 randomisierten Studien. Die Dosierung der Omega-3-Fettsäuren spielt keine so große Rolle, möglicherweise helfen mehr als zwei Gramm pro Tag etwas mehr.

Fazit: Immerhin zeigt diese Metaanalyse (Zusammenfassung randomisierter Studien) eine recht valide Aussage zum Effekt von mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf die Aktivität der RA und die Schmerzen, sodass man dieses als Zusatz zur antientzündlichen Therapie überlegen kann, nicht aber als Ersatz einer antientzündlichen Therapie. (AB1682)

Autor: Prof. Dr. Stefan Schewe ist internistischer Rheumatologe in München und Ebersberg sowie ärztlicher Berater der Mitgliederzeitschrift "mobil".

Medikamente in der Rheumatherapie

Unser Medikamentenführer gibt Ihnen einen Überblick über die Medikamente, die zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen eingesetzt werden.

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