Ergonomische Bürohelfer

Ergonomisch optimierter Arbeitsplatz für Rheumatiker, Foto Reichelt

Gelenkschutz im Alltag – das betrifft auch den Computerarbeitsplatz. Dabei geht es nicht nur um Schreibtisch oder Stuhl. Schon kleine Veränderungen können eine große Entlastung darstellen.

Alternative zur Maus

Schon seit einigen Jahren bin ich immer wieder auf der Suche nach Alternativen für meine rheumakranken Hände und Schultern. Mein Ziel war ein ergonomisches Maussystem, das meine Hände nicht zusätzlich beim Arbeiten in eine Fehlstellung bringt (Ulnardevitation): Bei normalen Computermäusen muss man den Arm ausstrecken, um die Maus zu bedienen. Dies belastet die Schultergelenke zusätzlich. Rollermousesysteme bieten eine gute Alternative, da bei ihnen dieser Griffwechsel entfällt.

Bei einer Rollermouse erfolgt die Bedienung über eine quer vor der Tastatur verlaufende Rollstange. Diese kann man drehen und seitlich verschieben, wodurch sich der Cursor auf dem Bildschirm zweidimensional bewegt. Die Bewegung erfolgt mit den Fingern oder dem Daumen, was ein sehr präzises Arbeiten ermöglicht. Da beide Hände für die Eingabe zur Verfügung stehen, ist die Belastung der einzelnen Hand viel geringer als bei normalen Mäusen. Zusätzliche Erleichterung bringen die zentral angeordneten Tasten: rechte und linke Maustaste, Doppelklick, „Kopieren“ oder „Einfügen“. Gelgefüllte Kissen rechts und links neben diesen Tasten bieten eine angenehme Handgelenkauflage.

Ich habe zwei verschiedene Rollermäuse ausprobiert und festgestellt, dass ihre Bedienung erst einmal gewöhnungsbedürftig ist. Man sollte sich etwa 14 Tage Zeit geben, bis die Benutzung aller Tasten und des Cursors perfekt funktionieren. Doch wer sich einmal eingewöhnt hat, wird nicht wieder umsteigen wollen. Neben dem sehr körperzentrierten und punktgenauen Arbeiten überzeugte mich bei einem Modell (Rollermouse red) außerdem, dass sie sofort über USB-Anschluss betriebsbereit ist. Bücken oder Knien entfällt, um einen Kabelzugang hinter dem PC finden zu müssen. Genial: Man kann die Geschwindigkeit des Blinkpunkts (Cursor) stufenweise durch leichtes Anklicken selbst steuern und einstellen.

Entlastung für den Nacken

Richtiges Lesen und Sitzen ist für längere PC-Arbeit unabdingbar. Auf seinen Bildschirm sollte man eine gute Sicht haben, ohne den Kopf verdrehen oder verkrampfen zu müssen. Die Muskulatur von Nacken und oberem Rücken bleibt so entspannter. Neben flexiblen Halterungen, den sogenannten Monitorarmen, gibt es auch Ständer, auf die man den Monitor positioniert. Diese sind meist in mehreren Höhen leicht verstellbar, sodass sie je nach Schreibtisch und/oder Körpergröße des Nutzers leicht angepasst werden können. Alternative: schwenkbare Monitorarme. Als Faustregel gilt zwar, dass sich die Oberkante des Bildschirms auf Augenhöhe oder bis zu zehn Zentimeter darunter befinden sollte. Diese Idealposition ist für mich persönlich aber nicht praktikabel. Probieren Sie also aus, welches die für Sie perfekte Höhe ist. Meiner Meinung nach sollte Ergonomie schließlich nicht nur stures Zahlenwerk sein, sondern beschwerdefreies Arbeiten ermöglichen.

Tipp: Wer den Kauf einer Monitorerhöhung erst einmal scheut, kann sich auch erst einmal mit Büchern unterschiedlicher Dicke behelfen, auf die er den Monitor stellt. So kann man ausprobieren, ob und wenn ja, welche Erhöhung angenehm ist.

Hände frei

Auch die mobil-Arbeit lebt inzwischen von Telefonkonferenzen. Um den Hörer nicht eine Stunde oder länger am Ohr halten zu müssen, haben wir uns Headsets oder Freisprechclips zugelegt. Somit hat man während des Telefonats die Hände frei, verkrampft nicht in den Gelenken und die Sprachqualität ist auch um einiges besser beim Mithörer, als wenn man nur die Lautsprechertaste beim Telefon bedienen würde.

Modelle und Preise für Headsets oder Freisprechanlagen variieren stark und hängen vom jeweiligen Telefonmodell ab. Achtung: Für ältere Telefone sind unter Umständen gar keine Freisprecheinrichtungen verfügbar.

Diktieren statt tippen

Das Schreiben von längeren Texten erleichtere ich mir mithilfe eines Spracherkennungsprogrammes. Das schont Finger- und Handgelenke. Einmal mit meinem PC konfiguriert, spreche ich meine Sätze in ein Mikro und das Programm wandelt meine Wörter dann in Schrift um. Eine hundertprozentige Genauigkeit gibt es allerdings nicht. Trotz deutlichen Sprechens scheint mein Programm oft seinen eigenen Kopf zu haben. Ich schmunzele dann im Nachhinein, wenn ein völlig anderes Wort auf dem Monitor erscheint, als das, was ich gesprochen hatte. Gegenlesen ist also wichtig und ein bisschen Spaß gehört auch bei der Arbeit dazu.

Spracherkennungsprogramme kosten für Einzelpersonen ab etwa 100 Euro, hinzu kommen eventuell Kosten für ein Mikrofon.

Abtippen auf Augenhöhe

Wer etwas abtippen möchte, kann sich die Arbeit mit einem Dokumentenhalter einfacher machen: So lässt sich das Buch oder Schriftstück „direkt vor der Nase“ platzieren. Unnötiges Beugen und Drehen des Oberkörpers kann man damit vermeiden. Zudem werden Halswirbelsäule, Nackenmuskeln und die Augen geschont und es geht oft schneller.

Es gibt Dokumentenhalter, die wie kleine Minipulte zwischen Bildschirm und Tastatur gestellt werden. Dazu sollte Ihr Schreibtisch jedoch über eine entsprechende Tiefe verfügen, sodass sowohl Tastatur und der Dokumentenhalter hintereinander darauf Platz haben. Die Tischpulte sind meist mehrfach höhenverstellbar. Eine Abrutschkante vorne verhindert, dass Papier oder Stifte herunterfallen. Alternative: schwenkbare Halter, an die man die Dokumente festklemmt, oder Leseständer. Sie lassen sich zum Beispiel gleich neben dem Bildschirm befestigen.

Entlastung für die Füße

Längeres Sitzen am PC ist für (meine) Fußgelenke anstrengend. Die Lösung: eine Fußstütze. Sie entlastet den Lendenwirbel - bereich und ermöglicht eine aufrechtere Sitzhaltung. Man kann sie je nach Modell in verschiedene Winkelpositionen einstellen.

Ich testete eine Fußstütze, bei der ich, wenn ich wollte, ständig mit meinen Fußgelenken vor- und zurückrollen konnte. Diese Wippfunktion ermöglichte mir Fußgymnastik während des Arbeitens – prima! Außerdem wird durch das Wippen die Venenpumpe aktiviert und die Beinmuskeln gedehnt. Bei geschwollenen oder in der Bewegung eingeschränkten/eingesteiften Sprunggelenken ist das sehr sinnvoll und angenehm. Im Stehen kann man sich außerdem auf „die Stütze“ stellen und so sein Gleichgewicht trainieren. Dreht man die Fußwippe, kann man zwar nicht mehr wippen, aber die ergonomische Fußstütze bleibt. Außerdem kann man sich in dieser Position auch noch die Fußsohlen massieren lassen.

Zur Autorin

mobil-Redakteurin Christiane Reichelt hat alle hier vorgestellten Hilfsmittel an ihrem Arbeitsplatz ausprobiert.

Bildergalerie Bürohelfer

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Alle Fotos: Christiane Reichelt, Quelle Deutsche Rheuma-Liga

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So könnte ein ergonomisch optimierter Arbeitsplatz für Rheumatiker aussehen.
So könnte ein ergonomisch optimierter Arbeitsplatz für Rheumatiker aussehen.
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Mögliche Bezugsquellen

Tipp

Diese und andere Hilfen für den PC-Arbeitsplatz gibt es im örtlichen Fachhandel oder im Internet.

Die Anbieter unterscheiden sich bei ihren Bedingungen für Versandkosten und bieten teilweise auch die Möglichkeit an, die Produkte vor dem Kauf zu testen.