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Rheuma bei Kindern: Darum ist Bewegung so wichtig

Schulsport
Immer mehr Kinder mit Rheuma nehmen am Schulsport teil.

Bewegung und Sport sind für Kinder mit Rheuma besonders wichtig. Beides gilt als fester Baustein der Therapie – in jeder Krankheitsphase.

Kinder und Jugendliche mit juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) durchleben in akuten Krankheitsphasen meist Schmerz, Schwellung sowie Überwärmung des betroffenen Gelenks.

Während diese Symptome bei einer erfolgreichen Therapie wieder verschwinden, haben wiederkehrende Entzündungen unter Umständen Folgen wie muskuläres Ungleichgewicht, verminderte Beweglichkeit und Fehlstellungen.

Krankheitsbedingte Veränderungen des Körpers, verminderte körperliche sowie soziale Aktivität können die Lebensqualität und das psychosoziale Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen.

Wichtiger Baustein

Bewegung und Sport sind für die gesundheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen grundsätzlich von hoher Bedeutung. Regelmäßige körperlich-sportliche Aktivität fördert die allgemeine Fitness und die motorische Leistungsfähigkeit. Sie stärkt Knochen und Muskeln, verbessert die Körperhaltung und Beweglichkeit. Daneben leisten regelmäßige,  bewegungsreiche Aktivitäten einen bedeutenden Beitrag für das psychosoziale Wohlbefinden, die Persönlichkeitsentwicklung und das Erlernen sozialer Fähigkeiten. Bewegung und Sport fördern über Selbsterfahrung das Selbstbewusstsein und die Integration junger Rheumatiker.

Achtung, Teufelskreis!

Morgens in der Schule sitzen, nachmittags am Computer oder vor dem Fernsehen: Ein längerfristiger körperlich inaktiver Alltag birgt Gefahren, denn die körperliche oder psychomotorische Entwicklung kann sich verzögern oder gar zum Stillstand kommen. Bei jungen Patienten mit rheumatischen Erkrankungen, die oft bereits körperlich oder psychosozial beeinträchtigt sind, können motorische Defizite beziehungsweise eine verringerte körperliche Belastungsfähigkeit einen Teufelskreis verursachen: Fehlen Erfolgserlebnisse, meiden die jungen Betroffenen im schlimmsten Fall weitere Bewegungsaktivitäten, was motorische Unruhe, Ungeschick und Bewegungsunlust verstärken kann. Körperliche Inaktivität kann außerdem Konzentrationsund Antriebsstörungen begünstigen, was die emotionale Anfälligkeit zusätzlich erhöht.

Aktiver in der Freizeit

Mit zunehmendem Wissen und dank besserer Medikamente konnten sich Bewegung und Sport in den letzten Jahren zunehmend als wichtige Bausteine in der Therapie rheumatischer Erkrankungen etablieren. Die Kerndokumentation rheumakranker Kinder und Jugendlicher (Kinder-KD) erfasst jährlich Gesundheitsdaten von etwa 9.000 jungen JIA-Patienten. In dieser spiegelt sich die wachsende Bedeutung von Bewegung wider: Es zeigt sich ein deutlicher Trend hin zu mehr körperlicher Aktivität. Dieser Trend basiert auf selbst berichteten Patientendaten der vergangenen 13 Jahre.

Obwohl der tägliche Umfang bewegungsreicher Aktivitäten von der frühen Kindheit hin zum jungen Erwachsenenalter stetig abnimmt, bleibt eins auffällig: Das Repertoire ausgeübter sportlicher Aktivitäten und Bewegungsformen ist ähnlich breit wie in der Allgemeinbevölkerung. Eine Zusatzbefragung zum Thema Sport offenbarte, dass Aktivitäten wie Radfahren, Schwimmen, Tanzen, Gymnastik, Reiten, aber auch Fußball zu den beliebtesten sportlichen Aktivitäten Heranwachsender mit JIA gehören. Mit Ausnahme von Fußball galten diese auch als jene Sportaktivitäten, die am wenigsten mit krankheitsbedingten Zwangspausen verbunden waren.

Mehr Teilnahme am Schulsport

Die regelmäßige Teilnahme am Schulsport hat viele Vorteile, etwa die Vermittlung von Freude an der Bewegung, das Sichmessen mit anderen, das Erleben von Teamarbeit, das Ausprobieren sozialer Verhaltensoptionen sowie der positive Umgang mit Niederlagen und Erfolgen. Wie Analysen im Rahmen der Kinder-KD zeigen, steigt der Anteil betroffener Kinder, die trotz JIA regelmäßig am Schulsport teilnehmen. Die Zahl der sogenannten Vollbefreiungen – also der bedingungslosen Freistellung vom Schulsport – sinkt dagegen jedes Jahr: Waren im Jahr 2000 noch 52 Prozent der Schulpflichtigen mit JIA vom Sport vollbefreit, betrug der Anteil im Jahr 2015 nunmehr 16 Prozent.

Um zukünftig noch mehr junge Rheumatiker in den Schulsport zu integrieren, sollte eine möglichst individuelle und präzise Schulsportbescheinigung an die betreuende Lehrperson weitergegeben werden. Sportlehrer können zudem eine alternative Notengebung nutzen.

Gewinn an Lebensqualität

Mit zunehmender Bedeutung von Bewegung und Sport im Therapiemanagement der JIA wuchs in den letzten Jahren die Zahl  sportmedizinischer Studien. Unabhängig voneinander kommen die Analysen zu dem Schluss, dass individuell angepasste Trainingsmaßnahmen zu keiner Verschlechterung der Erkrankung führen. Im Gegenteil: Sie zeigen eindrucksvoll, dass regelmäßige körperlich-sportliche Aktivitäten bei jungen Patienten mit JIA helfen können, die Lebensqualität und die Funktionsfähigkeit im Alltag zu verbessern. Sie können Schmerzen reduzieren und alltagsrelevante Kräfte steigern. Trainingsprogramme, bei denen motorische Fähigkeiten wie Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht im Vordergrund stehen, lassen hierbei den größten therapeutischen Nutzen erwarten.

Mehr Sicherheit durch Beratung

Zur Förderung einer sicheren Sportteilnahme hat das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie (DZKJR) in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München ein Konzept der individuellen, interdisziplinären Sportberatung für Kinder und Jugendliche mit rheumatischen Erkrankungen entwickelt. Die Beratung bezieht neben Patienten und Eltern auch Ärzte und Therapeuten mit ein. Sie kann motivieren, Ängste abbauen und individuelle Bedürfnisse berücksichtigen. All das kann Überlastungen vorbeugen und eine freudbetonte Atmosphäre anbahnen, was für eine langfristige Sportteilnahme immens wichtig ist. Eine Beratung, die den individuellen Erkrankungszustand sowie die körperliche und sportliche Leistungsfähigkeit berücksichtigt, kann zudem helfen, die Krankheitsprognose zu verbessern. Sie reduziert auch das Risiko von Begleiterkrankungen, etwa Adipositas, Diabetes oder psychische Beeinträchtigungen.

Autor: Dr. Florian Milatz ist Wissenschaftler in der Forschungsgruppe Kinder- und Jugendrheumatologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum, ein Leibniz-Institut, in Berlin.