07.03.2017

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) sind schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente, die kein Kortison enthalten, d.h. steroidfrei sind. Im Gegensatz zu den Basismedikamenten wirken sie nur symptomatisch: Sie hemmen zwar die Entzündung und lindern den Schmerz, nehmen aber keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf und auch nicht auf die Gelenkzerstörung.

Insgesamt wirken NSAR schnell, im Durchschnitt schon 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme. Die Wirkung hält aber nur so lange vor, wie die Präparate eingenommen werden. Bei Antirheumatika mit einer kurzen Wirkdauer von zwei bis drei Stunden müssen daher mehrere Tabletten in regelmäßigen Abständen eingenommen werden, um die Schmerzen dauerhaft zu lindern. Zum Teil sind die Präparate auch in Retardform erhältlich, d.h. der Wirkstoff wird erst allmählich frei gesetzt, so dass die Wirkung länger anhält.

Innerhalb der NSAR gibt es verschiedene Wirkstoffgruppen. Das ermöglicht eine gewisse Auswahl, wenn ein Präparat bei einem Patienten nur unzureichend wirkt.

Für jedes NSAR gibt es eine spezielle Höchstdosis pro Tag. Nehmen Sie keinesfalls mehr Tabletten ein, als Ihr Arzt Ihnen verordnet hat. Die Wirkung verbessert sich dadurch nicht, doch die Nebenwirkungen können zunehmen. Auch sollten NSAR nicht miteinander kombiniert werden.

Typische Nebenwirkungen der NSAR sind Magen- und Darmprobleme (Magenschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfälle u.ä.). Bei Beschwerden sollten Sie kurzfristig Ihren Arzt informieren, da es auch zu Magengeschwüren und Komplikationen wie Magen-Darmdurchbruch und Blutungen kommen kann.

Eine weitere mögliche Nebenwirkung sind Nierenfunktionsstörungen und Blutdruckerhöhung. Davon betroffen sind Patienten mit vorgeschädigter Niere, mit Herz- und Kreislauferkrankungen und Lebererkrankungen sowie ältere Menschen, bei denen die Nieren nicht mehr so gut funktionieren. Generell wird deshalb empfohlen, insbesondere die langwirksamen NSAR bei Älteren sehr zurückhaltend einzusetzen und regelmäßig Nieren- und Blutwerte kontrollieren zu lassen.

Außerdem hemmen NSAR die Funktion der Blutplättchen, d.h. sie führen zu einer erhöhten Blutungsneigung ein Effekt, der im Falle der Acetylsalicylsäure gezielt genutzt wird, um bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen das Blut flüssiger zu machen.

Eine weitere, allen NSAR gemeinsame Nebenwirkung ist die Verschlechterung oder Auslösung eines Asthma-Anfalles. Einige NSAR wie Diclofenac können zudem zu Leberschäden führen. Deshalb müssen hier Blutbild, Leber- und Nierenwerte regelmäßig kontrolliert werden.

Seit wenigen Jahren gibt es eine neue Generation von NSAR, die so genannten COX 2Hemmer (Coxibe). Dies sind Medikamente, die vor allem die Entzündung hemmen, aber weniger Nebenwirkungen am Magen auslösen und das Blut nicht verdünnen. Auch das Risiko eines Asthma-Anfalles ist sehr viel geringer. Für Patienten ohne besonderes Risiko für Magengeschwüre, Blutungen oder Asthmaanfall bedeuten die COX 2Hemmer jedoch keinen wesentlichen Vorteil. Diese Präparate sollten daher auch da sie viel teurer sind als die herkömmlichen NSAR -  nur bei entsprechenden Risikopatienten eingesetzt werden.

Aufgrund verschiedener Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass Coxibe, bei Patienten mit Herzkreislauferkrankungen ein erhöhtes Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen aufweisen.

Dieses Risiko war zwar nicht stark erhöht, aber statistisch eindeutig belegbar. Rofecoxib und Valdecoxib wurden daraufhin vom Markt genommen. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass auch bei den seit langen Jahrzehnten zugelassenen Substanzen, wie Ibuprofen und Diclofenac, ein ähnlich erhöhtes Herzkreislaufrisiko besteht. Dies gilt wahrscheinlich für fast alle Substanzen dieser Gruppe mit Ausnahme der Acetylsalicylsäure (ASS®, Aspirin®). Acetylsalicylsäure ist zur dauernden Schmerz- und Rheumatherapie jedoch nicht geeignet, da die dafür notwendige Dosierung  (2-3x 500 - 1000 mg/Tag) innerhalb weniger Wochen zu Magengeschwüren führt.   Zurzeit findet deshalb in der medizinischen Fachpresse eine lebhafte Diskussion und Neubewertung dieser Medikamente statt. Dieser Prozeß ist noch lange nicht abgeschlossen und dürfte in den nächsten Monaten und Jahren weitere Erkenntnisse bringen. Ein abschließendes Urteil ist daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.  

Empfehlung

Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung dauernd auf die Einnahme dieser Medikamente angewiesen sind, sollten deshalb die geringst mögliche Dosis einnehmen, regelmäßig den Blutdruck sowie Nieren- und Leberwerte kontrollieren lassen, sowie bei einem entsprechenden Risiko Magenschutzpräparate zusätzlich einnehmen. Eine Dauereinnahme birgt ein grundsätzlich höheres Risiko als eine kurzfristige Anwendung. Es empfiehlt sich grundsätzlich, Präparate und Dosis zusammen mit einem Rheumatologen oder dem Hausarzt festzulegen und diese bei Fragen bzw. bei Verdacht auf Nebenwirkungen zu konsultieren. Dies gilt auch für die Einnahme von Schmerzmitteln, die in Apotheken frei erhältlich sind!

Salicylate und Essigsäurederivate

Stoffklasse
Wirksubstanz
Handelsname Wirkdauer Höchstdosis pro Tag Nebenwirkungen spezielle Hinweise
Salicylate
Acetylsalicylsäure Aspirin®
Colfarit®
Acesal®
ASS-STADA®
ca. 4 Std 3x500 bis 1000 mg/Tag bei hoher Dosis ausgeprägte Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Schäden nur kurzzeitige Therapie von Schmerz und/oder Entzündungen
Essigsäurederivate
Diclofenac Voltaren®
Diclac®
Diclophlogont®
ca. 4 Std 3x25 mg/tag
Retardpräparat: 1x75 mg max. 150 mg/Tag
gelegentlich Leberschädigung Standard-NSAR Retardformen haben eine Wirkdauer von ca. 12 Std
Indometacin Indomet® 3x25 mg/Tag
Retardpräparat: 1x75 mg/Tag max. 150 mg/Tag
häufig Kopfschmerzen und Schwindel, Reizbarkeit Reservemittel
Acemetacin Rantudil® 180 mg häufig Kopfschmerzen und Schwindel in Normal- und Retardform

Diclofenac in Kombination mit anderen Medikamenten

Der Zusatz von Misoprostol (Arthotec®) vermindert das Risiko für ein Magengeschwür. Harmlose Bauchschmerzen und Durchfall treten dagegen häufiger auf.

Propionsäurederivate und Oxicame

Stoffklasse
Wirksubstanz
Handelsname Wirkdauer Höchstdosis pro Tag Nebenwirkungen spezielle Hinweise
Ibuprofen Aktren®
Brufen®
Ibuhexal®
Ibufug®
ca. 4 Std 3x200 mg bis 3x400 mg/Tag
Retardtablette: 1x800 mg bis max. 2400 mg/Tag
Standard-NSAR
Ketoprofen Alrheumun®
Orudis®
Spondylon®
Gabrilen®
ca. 4 Std 2x50 mg bis 2x100 mg/Tag
Retardpräparat: 1x200 mg bis max. 300 mg/Tag
häufig Kopfschmerzen und Schwindel
Naproxen Proxen®
Malexin®
Apranax®
Aleve®
ca. 12 Std 2x250 mg/Tag
max. 1000 mg
s.o.
Piroxicam Felden®
Piroxic. AbZ®
1x10 mg/Tag
max. 20 mg
s.o. Reservemittel

COX 2-Hemmer

Stoffklasse
Wirksubstanz
Handelsname Wirkdauer Höchstdosis pro Tag Nebenwirkungen spezielle Hinweise
Meloxicam Mobec®
Meloxicam AL
ca. 24 Std 1x7,5 mg/Tag
max. 15 mg/Tag
geringeres Risiko für Magen-Darm-Schäden, keine Blutverdünnung Coxib-ähnlich
Celecoxib Celebrex® 12-20 Std 2x100 mg/Tag oder 1x200 mg/Tag
max. 400 mg/Tag
geringeres Risiko für Magen-Nebenwirkungen, keine Blutverdünnung
Etoricoxib Arcoxia® ca. 24 Std 1x60 mg/Tag
max. 90 mg/Tag
geringeres Risiko für Magen-Nebenwirkungen, keine Blutverdünnung bei Gicht 1x120 mg/Tag