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Die passende Matratze - Schlafen wie auf Wolken?

Das Angebot an Matratzen und Kissen ist riesig – nicht einfach also, die passenden Modelle zu finden, um sich als Rheumatiker wirklich gut zu betten.

Die Matratze und ich – es ist Liebe auf die erste Berührung. Könnte man auf Wolken liegen – so müsste es sich anfühlen, weich und fest zugleich. „Egal, ob Sie nachts schwitzen, Allergikerin sind oder zu Rückenschmerzen neigen, mit dieser 7-Zonen-Visco-Matratze können Sie überhaupt nichts falsch machen“, kommentiert die Verkäuferin. Wirklich? Und was heißt 7-Zonen-Visco- Matratze überhaupt?

Visco-Schaum, auch Gel- oder Astronautenschaum genannt, wurde zunächst für die Raumfahrt entwickelt. Er reagiert auf Körperwärme und Druck ähnlich wie Knete, passt sich der Körperform an und stützt dennoch. „Für immobile Menschen sind diese Matratzen sehr gut geeignet“, informiert Dr. Manfred Kemmerling, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Traumatologie und Rheumatologie der Helios-Klinik Attendorn. Darum kommen Visco-Matratzen auch in Kliniken und Seniorenheimen zum Einsatz. Allerdings: „Wer unruhig schläft und sich viel dreht, könnte häufiger wach werden“, warnt Kemmerling. Denn die Visco-Matratze benötigt einige Momente, um sich nach dem Drehen an die neue Lage anzupassen.

Und überhaupt: „Die“ Rheuma-Matratze für alle gibt es nicht. Ebenso wenig Patentrezepte für den perfekten Schlaf mit OsteoporoseMorbus Bechterew oder künstlichen Gelenken.

Ich erfahre: Wer leicht schwitzt, dem wird’s auf Visco-Matratzen womöglich zu mollig. Noch ein Nachteil ist der Preis: Zwischen 500 und 1.500 Euro bei 90 mal 200 Zentimetern. Gut zu wissen also, dass es auch unter den Kaltschaummatratzen etliche Exemplare gibt, die sich für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen eignen. Hochwertige Matratzen halten übrigens zehn bis 15 Jahre lang – manche haben so lange Garantie, bei anderen merkt man an der Liegekuhle, wann ein Wechsel Not tut.

„Von der typischen Federkernmatratze würde ich abraten, weil sie kaum Punktelastizität besitzt und man zu tief einsinkt“, erklärt Kemmerling. Auf die Punktelastizität kommt es nämlich an, wenn Wirbelsäule und Gelenke sich nachts erholen sollen. Diese Eigenschaft kann jedermann leicht testen: Mit dem Finger in die Oberfläche pieksen und schauen, welcher Bereich mit einsinkt. Je kleiner er ausfällt, desto besser. Kemmerling ergänzt, dass der Federkern an sich nicht schlecht ist – Taschen- oder Tonnentaschenfederkernmatratzen sind punktelastisch und sorgen dank der eingenähten kleinen Federn für gute Durchlüftung. Allerdings sind sie nichts für Hausstaubmilben-Allergiker. Manche Menschen reagieren zudem sensibel auf Metall im Bettbereich – und somit auf die Stahlfedern in der Matratze.

Auch darum traten Kaltschaummatratzen ihren Siegeszug durch die Schlafzimmer an: Sie sind punktelastisch, allergikerfreundlich und wärmespeichernd, daher prima für Menschen, die nicht zu stark schwitzen. Kaltschaummatratzen kosten mit um die 300 Euro für laut „Stiftung Warentest“ gute Modelle nicht mehr als die Taschenfederkern-Konkurrenz.

Bei allen Matratzen gilt die Faustregel: Je schwerer der Schlafende, desto härter sollte die Matratze sein. Allerdings spielen auch Körpergröße, Liegepositionen und persönliche Vorlieben eine Rolle, darum sollte jeder vor dem Kauf mehrere Härtegrade ausprobieren.

Die bereits beschriebenen Visco- oder Gelschaummatratzen kommen meistens nicht allein: Mal sitzt der Visco-Schaum auf einem Federkern, mal auf Kaltschaum, mal ist er von Gel durchzogen. Visco-Matratzen dürfen allerdings nicht mit reinen Gelmatratzen verwechselt werden. Diese enthalten ein zähes Gel, somit viel Wasser und vermitteln ein ähnliches Schlafgefühl wie Wasserbetten. „Und Wasserbetten sind für Rheumatiker grundsätzlich nicht zu empfehlen, weil man weich liegt und sie nicht stützen“, betont Kemmerling. Allerdings zeige sich in der Praxis, dass viele Patienten sich trotzdem damit wohl fühlen – „dass sie beheizt sind, hilft offenbar vielen.“ Ein Vorteil, der bei Gelmatratzen entfällt.

Und die beliebten Boxspringbetten? Statt einer Matratze gibt es hier drei: Die Box oder Untermatratze mit Holzrahmen und Federkern, die Obermatratze, oft ebenfalls mit Federkern, und den dünneren Topper, oft Kaltschaum oder Visco-Auflagen. Der Lattenrost entfällt dadurch. Je hochwertiger die einzelnen Matratzen, desto besser der Liegekomfort. Viele Rheumatiker schätzen die Einstiegshöhe von 58 bis 70 Zentimetern.

Auch in die Kissenwelt haben Gel und Viscoschaum inzwischen Einzug gehalten, neben den bewährten Daunen- und Synthetikfüllungen. „Was die rheumatische Erkrankung angeht, ist der Inhalt zweitrangig“, weiß Kemmerling. Die übliche Größe von 80 mal 80 Zentimetern sei allerdings zu üppig, das 40 mal 40 Zentimeter kleine „Fritzchen“ vielen zu mickrig. Inzwischen gilt das sogenannte Komfortkissen mit 40 mal 80 Zentimetern als ideal, um den Kopf zu stützen und die Schulter freizugeben, was Verspannungen vorbeugen kann.

Seitenschläfer können von Schmetterlingskissen profitieren – die Schulterpartie bleibt hierbei frei. „Grundsätzlich raten wir dazu, beim Kissenkauf zu erwähnen, ob man Seiten- oder Rückenschläfer ist, auszuprobieren, was gut tut und auch mal mit zwei oder mehr Kissen zu arbeiten“, empfiehlt Kemmerling. Auch Dinkel-, Körner- und Kräuterkissen empfinden viele Patienten als schlaffördernd und schmerzlindernd, berichtet er. Nur einen Fehler sollte niemand machen: Schmerzende Knie nachts auf Kissen zu betten. So verschlimmern sich die Beschwerden. Für die optimale Entlastung der Gelenke sollte die Matratze allein sorgen.

Am besten, raten erfahrene Patienten, macht man aus dem Bettenkauf ein langfristiges Recherche-Projekt. Wieso nicht in der Kurklinik herausfinden, welche wunderbare Matratze man da hatte? Wieso nicht  Physiotherapeuten, Ärzte, Freunde aus der Rheuma-Liga löchern? Zudem lohnt es sich, in Matratzenabteilungen oder Bettenstudios anzurufen und nach einem Matratzen-Fachberater zu fragen, der die eigene Krankheit gut kennt.

Wichtig sind auch Details wie der richtige Lattenrost und die bequeme Auflagehöhe. An einen perfekten, weichen Übergang zwischen Matratze und Bettrand zu denken lohnt sich zusätzlich, weiß Kemmerling. Oft bedeutet zum Beispiel ein elektrischer Lattenrost langfristig mehr Schlafqualität, da Kopf- oder Fußhöhe auch mit schmerzenden, steifen Fingern leicht verstellt werden können.

Zum Schnäppchenpreis ist guter Schlaf für Rheumatiker leider nicht zu haben. Ein Trost ist, dass Fehlkäufe heutzutage fast unmöglich sind: Selbst Matratzen-Discounter gewähren mehrere Tage, um den Neuerwerb Probe zu liegen. Teure Modelle dürfen bis zu 100 Tage getestet werden. „Aber eigentlich“, versichert Kemmerling, „weiß man bereits nach 30 Minuten, mit welcher Matratze und welchem Kissen man sich wohlfühlt.“ Umso schöner, wenn sich nach einigen Nächten bestätigt: Diese Liebe, die kann länger halten.

Zur Autorin

mobil-Autorin Petra Plaum hat für den Artikel recherchiert und probegelegen

Der Weg zur perfekten Matratze

Checkliste zum Kauf

Diese Fragen sollten Sie beim Bettenkauf klären. Das hilft dem Verkäufer, das passende Modell für Sie zu finden.

  • Wie groß ist Ihr Bett?
  • Wie groß sind Sie?
  • Welche Rücken- und Gelenkbeschwerden haben Sie?
  • Sind diese morgens oder abends schlimmer?
  • Haben Sie künstliche Gelenke und wenn ja, wo?
  • Haben Sie Allergien, zum Beispiel gegen Hausstaubmilben?
  • Liegen Sie vor allem auf dem Rücken, dem Bauch oder der Seite?
  • Wie warm ist Ihr Schlafzimmer?
  • Neigen Sie zum Schwitzen oder Frieren?
  • Schlafen Sie gern hart, weich oder mittel?
  • Was für einen Lattenrost haben Sie?

Gut zu wissen

Raumgewicht ist entscheidend

Bei Kaltschaummatratzen gilt: Das Raumgewicht gibt an, wie schwer ein Kubikmeter des Materials in Kilogramm ist. Je höher dieses Gewicht, desto länger hält die Matratze. Ein Raumgewicht (RG) über 30 spricht für eine gute Qualität, ab 40 für eine sehr gute Qualität, ab 60 für eine Top-Qualität.