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Reisen mit Rollstuhl

Ein Rollstuhl kann den Aktionsradius von Rheumatikern, die nicht so gut zu Fuß sind, gerade auf Reisen enorm vergrößern. An dieser Stelle haben wir die wichtigsten Informationen für einen barrierefreien Urlaub zusammengestellt.

Reiseführer unter der Lupe

Manche Reiseführer, etwa die vom Baedecker-Verlag, geben in jeder Ausgabe dieselben allgemeingültigen Tipps für Behinderte. Die neueren Ausgaben von Michelin oder Dorling Kindersley markieren hingegen barrierefrei zugängliche Kirchen, Museen und sonstige Sehenswürdigkeiten mit einem Rollstuhlsymbol.

Buchung überprüfen

Wenn man ein rollstuhlgerechtes Hotelzimmer bucht, sollte man sicherheitshalber auf eine Rückbestätigung des Hotels zu drängen. Sonst kann es passieren, dass das einzige rollstuhlgerechte Zimmer bei Ankunft doch vergeben ist.

Behindertenausweis international

In Italien und Spanien werden deutsche Behindertenausweise oft anerkannt und man erhält eine Ermäßigung bei Museen und Kirchen. Vom Versorgungsamt bekommt man auf Anforderung eine mehrsprachige „Bestätigung“ über das Vorliegen einer Behinderung nach dem deutschen Schwerbehindertenrecht.

Hilfe am Flughafen

Die Fluggesellschaften benutzen international gültige Codes für den Grad der Mobilitätseinschränkung von Fluggästen: Kennt man diese, tut man sich beim Buchen und Einchecken leichter, die benötigte Hilfe anzufordern. 
WCHC: gehunfähiger Fluggast, wird bis zum Kabinenplatz gebracht.
WCHS: stark gehbehinderter Fluggast, kann Gangway und Vorfeldbus nicht benutzen, sich aber im Flugzeug selbstständig fortbewegen.
WCHR: gehbehinderter Fluggast, braucht Unterstützung bei weiten Wegen im Flughafen, kann aber Gangway und Vorfeldbus benutzen.

Ein Erfahrungsbericht

Bernd Hammel, 49 Jahre, ist mit seiner Frau, die eine rheumatoide Arthritis hat, oft unterwegs. Der Rollstuhl ist dabei unverzichtbar. Er gibt Tipps für Reisen in verschiedene europäische Städte.

Wer das plant, sollte vorab eine englischsprachige Internetseite studieren (www.esmadrid.com/en/access-madrid). Sie gibt sehr detaillierte Informationen über behindertengerechte Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten und Besichtigungstouren. In der Innenstadt von Madrid sind die meisten U-Bahnhöfe nicht barrierefrei zugänglich. Alle städtischen Busse sind jedoch mit Rampen an der Ausstiegstür ausgestattet, die der Busfahrer mit großer Geduld und Zuverlässigkeit ausklappt oder ausfährt.

Will man mit dem Schnellzug in die nahe mittelalterliche Stadt Toledo fahren (etwa eine halbe Stunde Fahrtzeit, etwa zehn Euro je Strecke), so empfiehlt es sich bereits am Vortag eine Fahrkarte inklusive Sitzplatzreservierung zu kaufen. Bei dieser Gelegenheit kann man auch den kostenlosen Behindertenservice anfordern, der zuverlässig zur Stelle ist.

Auch in Rom gibt es nur wenige U-Bahnstationen in der Altstadt, die stufenlos erreichbar sind. Dort sind viele Busse mit Rampen ausgestattet, die allerdings oft nicht funktionieren. Dafür sind die Fahrgäste sehr hilfsbereit – man sollte jedoch die italienischen Worte für heben (levare), ziehen (tirare), schieben (spingere) und helfen (aiutare) kennen.

Venedig ist ein ganz schwieriges Pflaster für Rollstuhlfahrer. In die Motorboote (Vaporetti und Motoscafi) kommt man gut rein. Nur die wenigsten Brücken sind mit einem Lift ausgestattet oder stufenlos zu überqueren. Nicht zu bewältigende Brücken muss man als Rollstuhlfahrer oft mit dem Vaporetto umfahren, während Fußgänger die Kanäle problemlos überwinden können.

Das Touristenbüro von Venedig hat sehr schöne Broschüren über rollstuhlgerechte Spaziergänge in Venedig herausgegeben (www.comune.venezia.it/flex/cm/pages/ServeBLOB.php/L/EN/IDPagina/1318); die gedruckte Version war leider nur im Touristenbüro in Venedig erhältlich. Die Zeiten von aqua alta, also dem winterlichen Hochwasser, sollte man meiden.

In die meisten für den Autoverkehr gesperrten historischen Altstädte wie Siena, Florenz, Rom, Orvieto oder San Gimignano dürfen Rollstuhlfahrer, die einen blauen Behindertenparkausweis haben, mit ihrem Auto fahren. Allerdings wird dies zunehmend komplizierter. Denn die Kennzeichen der einfahrenden Autos werden über Video erfasst. In der Regel muss man die Einfahrt in die Altstadt vorher oder bis zu 24 Stunden hinterher telefonisch oder per Fax anmelden und dabei eine Kopie des Parkausweises übermitteln. Die Telefonnummern stehen auf Schildern am Beginn der Altstadt.

Leider handelt es sich dabei um kostenlose 0800-Telefonnummern, die man nicht mit einem deutschen Handy erreichen kann. Wir hatten Glück: Einmal kannte unser Hotel die entsprechende Faxnummer und einmal erledigten Verkehrspolizisten in der Altstadt von Siena dieses Telefonat für uns. Sollte man doch mal einen Strafzettel wegen Falschparkens kassieren, lohnt es sich, diesen innerhalb von fünf Tagen bei der Post zu bezahlen, denn dann erhält man 30 Prozent Skonto.

Amsterdam ist dagegen sehr gut zugänglich: Die Innenstadt ist flach, die zahllosen Brücken sind stufenlos, die großen Museen barrierefrei, allerdings das Anne-Frank-Haus nur bis zum ersten Stock. In den Straßenbahnen fahren Schaffner mit, die bei Bedarf die Rampen für Rollstuhlfahrer ausklappen. In Grachtenboote kann man leider nur über steile Treppen gelangen.

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Bernd Hammel, 49 Jahre, ist mit seiner Frau, die eine rheumatoide Arthritis hat, oft unterwegs. Der Rollstuhl ist dabei unverzichtbar.