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Therapieregeln bei Kortison-Präparaten

Nebennierenrindenhormone

Glukokortikoide (umgangssprachlich als Kortison bezeichnet) leiden sich von den körpereigenen Nebennierenrindenhormonen (Kortisol) ab. Heute werden sie jedoch chemisch hergestellt. Als körpereigenes Hormon hat Kortisol folgende Eigenschaften im täglichen Leben und bei Stress:

  • Sicherung der Herz-Kreiskauf-Funktionen durch Erhöhung des Blutdrucks
  • Erhalt eines ausreichenden Blutzuckerspiegels
  • Steuerung des Salz- und Wasserhaushalts
  • Steuerung des Immunsystems

Die Hormonproduktion der Nebennierenrinde hängt von der Menge des Hormons im Blut ab. Viel Hormon im Blut, bedeutet Drosselung der Hormonproduktion, wenig Hormon im Blut, führt zu gesteigerter Hormonproduktion. Dieser Regelkreis wird durch das Gehirn gesteuert. Die Einnahme von Kortison-Präparaten beeinflusst diesen natürlichen Regelkreis.

In der Rheumatologie werden die verschiedenen Kortison-Präparate als schnell wirksame Entzündungshemmer eingesetzt.

Wunderdroge oder Teufelszeug?

Neben einer sehr guten Entzündungshemmung sind folgende Nebenwirkungen bei Langzeitanwendung zu beobachten:

  • Einschlafen der Eigenproduktion von Kortisol durch die Nebennierenrinde und damit fehlende Ausschüttung des Hormons  in Stresssituationen. Achtung: Tragen eines Notfallpasses!
  • Gestaltwandel: Vollmondgesicht, Büffelnacken, Fettleibigkeit am Körperstamm
  • Muskelschwäche
  • Erhöhte Blutzuckerwerte bis zur Entstehung eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Neigung zu Infektionen. Beachten Sie: Vor einer Langzeittherapie sollten alle wichtigen Impfungen vorhanden sein.
  • Osteoporose (Knochenschwund)
  • Herz-Kreislauf-Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Beachte: zur Vorbeugung gesunde Ernährung, verminderte Kochsalzzufuhr, Raucherentwöhnung, Normalisierung von Blutdruck, körperliche Aktivität
  • Bei gleichzeitiger Gabe von nicht-steroidalen Rheumamitteln wie beispielsweise Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen Entwicklung von Magengeschwüren möglich. Kortison allein verursacht keine Magengeschwüre.
  • Augenschädigungen: grauer oder grüner Star
  • Hautveränderungen: Akne, Dehnungsstreifen (vergleichbar mit Schwangerschaftsstreifen), Hautunterblutungen, Wundheilungsstörungen

Das Risiko für diese Nebenwirkungen bei einer Langzeittherapie ist bei unter fünf Milligramm Prednisolon pro Tag gering. Bei über zehn Milligramm pro Tag ist es absolut erhöht und bei den dazwischen liegenden Dosen hängt das Risiko von Ihren individuellen Besonderheiten ab.


Dosierungsschema

Auch wenn die Dosis der Kortison-Präparate abhängig von Krankheitsaktivität und –schwere vom Arzt individuell festgelegt werden muss, gelten doch gewisse Grundregeln:

  1. Therapiestart mit ausreichend hoher Dosierung, abhängig von der Erkrankung, um möglichst schnell eine Wirkung zu erzielen.
  2. Vorsichtige, langsame Verringerung der Dosis unter Kontrolle der Krankheitsaktivität. Eine zu schnelle Dosisreduktion kann zu einem Wiederaufflammen der Entzündung führen.
  3. Ist eine längerfristige Gabe erforderlich, wird die niedrigste mögliche Dosis angestrebt. 
  4. Wenn eine Langzeittherapie mit Kortison-Präparaten beendet werden soll, hat dies in kleinen Schritten zu geschehen, da die körpereigene Kortisol-Produktion erst wieder in Gang kommen muss. Manchmal ist ein Bluttest erforderlich, um festzustellen, ob der Körper Kortisol überhaupt wieder selbst herstellt. Aus diesem Grund dürfen Sie niemals eigenmächtig ein Kortison-Präparat absetzen, da sonst das lebensgefährliche Kortison-Entzugssyndrom auftreten kann. Das ist auch möglich, wenn es nach längerer Therapie zu körperlichem Stress kommt (z.B. größere Operation, Unfall). Dann braucht der Körper mehr vom Stresshormon Kortisol, das er aber nicht mehr selbst produzieren kann. Dementsprechend muss die Dosis des Kortison-Präparates erhöht werden, um das fehlende körpereigene Kortisol in dieser Zeit zu ersetzen.

Vorsichtsmaßnahmen

Die wichtigste Vorsichtsmaßnahme ist eine korrekte Indikationsstellung, d. h. der Arzt prüft genau, ob eine Kortison-Therapie überhaupt notwendig ist. Danach ist zu überlegen, wie rasch die Dosis des Medikaments wieder reduziert werden kann. Eine Dauertherapie ist heute bei den meisten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen nicht mehr erforderlich, da weitere Medikamente (Basistherapie mit MTX, Biologika und anderes) zur Verfügung stehen und helfen, Kortison-Präparate zu sparen.
Sehr selten gibt es Allergien gegen ein Kortison-Präparat, so dass ein anderes Mittel gewählt werden muss.

Zugleich bestehende Krankheiten, die sich durch Kortison-Präparate verschlechtern, wie Zuckerkrankheit, Osteoporose, Augendruckerhöhung zwingen zu besonderer Vorsicht. Als Schutzmaßnahme gegen die Neu-Entstehung oder Verschlechterung einer Osteoporose werden heute routinemäßig bei jeder mehr als ein paar Tage dauernden Kortison-Therapie Vitamin D und evtl. auch Kalzium gegeben. Bei geplanter längerfristiger Kortison-Therapie sind evtl. auch eine Knochendichtemessung und gegebenenfalls eine medikamentöse Osteoporosetherapie notwendig. Zusätzlich ist zu beachten, dass während einer Behandlung mit Prednisolon-Dosen über fünf Milligramm täglich, keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen durchgeführt werden dürfen.


Kontrollmaßnahmen

Trotz aller Vorsicht verbleibt ein erhebliches Risiko für Nebenwirkungen. Um diese frühzeitig zu erkennen und ihnen gegenzusteuern, muss die Therapie sorgfältig kontrolliert werden. Auch hier gilt: Je höher die Dosis ist und je länger die Therapie dauert, desto genauer müssen Arzt und Patient auf mögliche unerwünschte Wirkungen achten. Der Arzt wird dabei wiederholt körperliche Untersuchungen und Bluttests sowie gegebenenfalls Messungen der Knochendichte oder Augenuntersuchungen vornehmen.