Arbeiten am Bildschirm: Maus & Co. im Ergo-Visier

Ergonomie am Arbeitsplatz ist wichtig, Foto U. Waldheim

Muskelverkürzungen oder Entzündung in den Sehnen und Gelenken können langfristige Folgen falscher Belastung in der sitzenden Büroarbeit sein. Gelenkschutz am Schreibtisch ist deshalb für den Rheumatiker besonders wichtig.

Vor allem häufiges und lang andauerndes Sitzen in Kombination mit übermäßiger und falscher Nutzung von Maus oder Tastatur kann zu Problemen führen“, stellt der Berliner Arbeits- und Sportmediziner Michael Spalleck fest. Für Rheumatiker ein brisantes Thema, weil Einschränkungen oftmals schon vorhanden sind. Die Ursachen von Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen sind deshalb nicht immer leicht zu bestimmen.

Man sollte den Einfluss der Schreibtischarbeit allerdings nicht unterschätzen. Wie kann ich also aktiven Gelenkschutz am Schreibtisch praktizieren, der nicht nur falsche oder übermäßige Belastungen vermeiden hilft, sondern auch der Entwicklung krankheitsbedingter Fehlstellungen entgegenwirkt?

Durch meine tägliche Schreibtischarbeit hatte ich immer mehr mit Verspannungen in Schultern und Nacken zu kämpfen. Beim Benutzen meiner herkömmlichen Computermaus geriet die rechte Hand permanent in eine Ulnardeviation, also ein Abdriften der Finger zur rechten Außenseite, sodass das Handgelenk immer öfter schmerzte. Deshalb entschied ich, dass der Zeitpunkt gekommen war, zu überprüfen, ob mein Arbeitsplatz und Arbeiten an meine persönlichen Voraussetzungen so gut wie möglich angepasst sind.

Fachmanntermin vor Ort

Ich gab in eine Suchmaschine im Internet die Schlagwörter: „Behinderte“ und „Ergonomie am Computer“ ein und grenzte das Ganze noch auf meine Region ein. So fand ich in meiner näheren Umgebung eine Firma, die sich auf Ergonomie und Hilfsmittel insbesondere für Menschen mit Handikap spezialisiert hatte. Nachdem ich per Telefon meine Problematik kurz geschildert hatte, vereinbarten wir einen Vororttermin in meinem Büro.

Bei diesem Treffen fiel sofort ins Auge, dass die Höhe meines Schreibtischs nicht die richtige war und der Schreibtischstuhl keine Unterstützung und Entlastung für Unterarme und Ellenbogen bot. Mit der Handhabung meiner herkömmlichen Maus in puncto Gelenkschutz war ich sowieso unzufrieden.

Gemeinsam wurden Vorschläge für eine Verbesserung dieser Situation erarbeitet. Bei diesem Gespräch konnte ich mein Wissen zum Gelenkschutz für den Rheumatiker mit einfließen lassen.

Vor der Anschaffung erst einmal testen

Ich hatte das Glück, dass ich sowohl einen ergonomischen Stuhl als auch ein Maussystem zwei Wochen gratis testen konnte. Das war und ist nicht nur wichtig, sondern insbesondere für Leute mit Handikap absolut notwendig!

Das Maussystem, das mir vorgeschlagen wurde, war für ich sehr gewöhnungsbedürftig, da es sich von einer herkömmlichen Maus in jeder Hinsicht unterscheidet. Die Rollstabmaus ist eine ergonomische Weiterentwicklung der klassischen Maus. Zentrales Element ist der Rollstab, der mit dem Daumen oder dem Zeigefinger der rechten oder linken Hand bedient wird. Drehen und horizontales Verschieben des Stabes steuert den Mauszeiger, durch Drücken wird der Mausklick ausgelöst. Weitere Tasten für Befehle wie rechte Maustaste, Doppelklick, Kopieren oder einfügen lassen sich individuell einstellen. Die Maus liegt vor der Tastatur. Die Hände verbleiben somit permanent über der Tastatur und der Griff zur herkömmlichen Computermaus wird überflüssig.

Heute möchte ich die Arbeit mit dieser Maus nicht mehr missen, zu Beginn jedoch war ich mehr als einmal frustriert.

Kostenmäßig liegt die Anschaffung solcher Hilfsmittel natürlich immer um einiges höher als die herkömmlicher, klassischer Produkte. Daher ist in jedem Fall eine gute Vorabberatung im spezialisierten Fachhandel empfehlenswert.

Ansprüche auf Hilfsmittel klären

Mit einem nach ausführlicher Beratung und Erprobung des Hilfsmittels erstellten Kostenvoranschlag sollte man einen Antrag beim zuständigen Kostenträger (Rentenversicherung, Arbeitgeber, Arbeitsamt oder Krankenkasse) stellen. Nach dem Sozialgesetzbuch (SGB V) Paragraf 33 Hilfsmittel Absatz (1) haben Versicherte Anspruch auf Versorgung mit Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern oder eine Behinderung auszugleichen, soweit die Hilfsmittel nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen sind. Der Anspruch umfasst auch die notwendige Änderung, Instandsetzung und Ersatzbeschaffung von Hilfsmitteln sowie die Ausbildung in ihrem Gebrauch.

Alle Empfehlungen des Fachmanns ließen sich durch meine räumliche Situation vor Ort nicht umsetzen. Aber durch den Einsatz des neuen Maussystems, einer Verringerung der Schreibtischhöhe und der Anschaffung eines ergonomischen Stuhls haben sich nicht nur meine Verspannungen verringert. Ich kann auch täglich beobachten, dass meine rechte Hand nun in keinerlei Fehlstellung mehr ist.

Um das Ganze komplett zu machen, legte ich mir vor Kurzem auch noch ein Spracherkennungsprogramm zu. Nun kann ich insbesondere längere Texte in ein Mikrofon sprechen und die Worte erscheinen wie von Zauberhand auf dem Monitor. Dadurch können meine durch rheumatoide Arthritis geschädigten Finger- und Handgelenke ebenso entlastet werden. Auch die aufrechte Sitzhaltung kann so zur Abwechslung einmal aufgehoben werden und gesundes Lümmeln am Arbeitsplatz wird möglich.

Zur Autorin

mobil-Redakteurin Christiane Reichelt ist überzeugt: „Die Anschaffung der Hilfsmittel hat sich durch ein Mehr an gesundheitlichem Wohlbefinden am Arbeitsplatz bezahlt gemacht.“

 

Gut zu Wissen!

  • Grundlage allen ergonomischen Sitzens ist die individuelle Einstellung des Bürostuhls. Sitztiefe, Höhe und Form der Rückenlehne haben einen direkten Einfluss auf den Stützeffekt.

  • Ergonomische Arbeitsplatzhilfe leisten zum Beispiel Armauflagen, Tastaturschiebepulte, ergonomische Notebookhalter oder Monitorschwenkarme.

  • Computerarbeitshilfen sind winkelverstellbare Tastaturen (Deltatastatur) oder auch Rollstabmäuse, wie beschrieben. Bei vertikalen Computermäusen kann eine senkrechte Handhaltung eingenommen werden, ohne den Unterarm und damit die Hand einwärts zu verdrehen.

++ Tipp ++ Tipp ++

Stehen gesundheitliche Probleme nachweislich im Zusammenhang mit der beruflichen Belastung, kann der Rentenversicherungsträger auf Antrag Zuschüsse zur optimierten Ausgestaltung des Arbeitsplatzes gewähren. Im Rahmen von stationären oder ambulanten Rehabilitationsmaßnahmen – finanziert vom Rentenversicherer – wird regelhaft sowohl die ergonomische Haltung am Arbeitsplatz überprüft als auch die Notwendigkeit berufsfördernder Leistungen – also Leistungen, die der Verbesserung des Arbeitsplatzes dienen.