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Mit viel Mut und Rheuma im Traumberuf

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Berufsalltag: Paul und Magdalena
Paul Hornbostel (links) und Magdalena Beeh sind in ihren Berufen viel in Bewegung.

Junge Rheumabetroffene lassen sich von ihrer Erkrankung nicht aufhalten. Das beweisen Magdalena Beeh und Paul Hornbostel.

Toben im Bällebad, einen Parcours absolvieren, Hausbesuche in Seniorenheimen: In ihrem Arbeitsalltag ist Magdalena Beeh immer in Bewegung – trotz ihrer rheumatischen Erkrankung. Die 35-Jährige ist Ergotherapeutin und bekam 1994 die Diagnose chronische juvenile Arthritis mit undifferenzierter Kollagenose. Drei Monate musste sie damals in einer Kinderklinik verbringen. 2000 kam die Diagnose systemischer Lupus erythematodes hinzu.

Immer noch haben die meisten Menschen gleich ein Bild von ihren Großeltern mit der Rheumadecke vor Augen, wenn jemand von der Krankheit "Rheuma" spricht. Gegen das Vorurteil "Rheuma ist eine Alte-Leute-Krankheit" kämpft die Deutsche Rheuma-Liga deshalb seit vielen Jahrzehnten: 1988 griff der Selbsthilfeverband das Vorurteil in einer Broschüre auf, 2019 startete die Kampagne "Rheuma ist jünger als du denkst". Auch in ihrem Jubiläumsjahr rückt die Deutsche Rheuma-Liga das Thema "Jungs Rheuma" in die Öffentlichkeit.

Bundesweit leiden rund 20.000 Kinder und Jugendliche an einer rheumatischen Erkrankung. 30 Prozent der Betroffenen mit rheumatoider Arthritis sind zwischen 16 und 50 Jahren, bei Morbus Bechterew sind es sogar 65 Prozent.

Magdalena Beeh ist also eine von vielen jungen Menschen, die an Rheuma leiden. Ausbremsen lässt sie sich davon nicht, wie ihre Berufswahl zeigt. "Ich habe eigentlich eine Ausbildung in der Verwaltung gemacht, ich habe – auch wegen meines Rheumas – die Variante 'warm und weich' gewählt", erzählt sie im Rahmen des Projekts "Chronische Talente" der Deutschen Rheuma-Liga, "aber ich habe schnell gemerkt, dass das nicht meins ist." Die Gelegenheit, ein paar Wochen in den Arbeitsalltag ihrer Ergotherapeutin und eines Rehabilitationszentrum hereinzuschnuppern, kam da gerade richtig. Dass habe ihr so gut gefallen, dass sie auch unbedingt Ergotherapeutin werden wollte.

Seit acht Jahren ist Magdalena Beeh jetzt schon für große und kleine Patienten im Einsatz. In die Probleme ihrer Patienten kann sie sich besonders gut einfühlen. Beeh sieht sie nicht als krank an und will die Erkrankung ihrer Patienten nicht in den Vordergrund stellen. "Wir versuchen vielmehr gemeinsam, aus ihren Defiziten das Beste zu machen", sagt sie. Das Beste aus Defiziten machen, dafür setzt sich Magdalena Beeh nicht nur als Ergotherapeutin ein. Bei der Rheuma-Liga Niedersachsen engagiert sie sich in einer Gruppe für junge Rheumatiker. Dort steht sie anderen jungen Rheumabetroffenen als Ansprechpartnerin zur Seite.

"Rheuma ist keine Alte-Leute-Krankheit"

"Rheuma ist keine Frage des Alters, es ist keine Alte-Leute-Krankheit. Darauf immer wieder hinzuweisen ist mir ein besonderes Anliegen", sagt Rotraut Schmale-Grede, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga. Deshalb habe der Verband bei seinen Projekten und Maßnahmen differenziert die verschiedenen Altersgruppen im Blick.

Für junge Betroffene gibt es unter anderem das Transitionsprojekt "Mein Rheuma wird erwachsen". Junge Rheumatiker unterstützen andere junge Rheumatiker ehrenamtlich als Transition Peers in der schwierigen Phase des Wechsels vom Kinder- zum Erwachsenenrheumatologen.

Paul Hornbostel aus Hannover ist ein solcher Transition Peer. Er hat reaktive Arthritis und Morbus Bechterew. Erste Symptome sind bei ihm mit 17 Jahren aufgetreten. „Erst nach einer sehr anstrengenden Suche mit zahlreichen Arztbesuchen wurde bei mir Rheuma festgestellt. Aber für mich stand von Anfang an fest, davon lasse ich mich nicht unterkriegen“, sagt der 23-Jährige.

Vom Notfallsanitäter zum Kinderarzt

Und das hat er auch nicht: Heute arbeitet er als Notfallsanitäter. Zu fünf bis sechs Einsätzen fährt er pro Schicht auf der DRK-Rettungswache raus – ein körperlich anstrengender Beruf: „Ich glaube, dass ich körperlich trotz Rheumas auch in vielen Jahren noch dazu in der Lage wäre, ihn auszuüben. Jedoch hoffe ich, dass das mit dem Medizinstudium klappt und ich dann meinen Beruf als Kinderarzt bis zur Rente ausüben kann. Aber während des Studiums möchte ich weiter als Notfallsanitäter arbeiten – hier auf der Wache, hier fühle ich mich richtig wohl.“

Ansprechpartner

Ansprechpartner, Informationen und Veranstaltungen für junge Menschen mit Rheuma hat die Deutsche Rheuma-Liga auf ihrer Internetseite zusammengestellt. Wissenswertes zum Thema "Arbeiten mit Rheuma" finden Sie in der Broschüre "Im Job mit Rheuma" und auf der Internetseite. Bei Fragen stehen Ihnen unsere Berater in den Landes- und Mitgliedsverbänden zur Seite. Wir sind gerne für Sie da!

"Motiviert, flexibel und leistungsbereit"

Magdalena Beeh und Paul Hornbostel zeigen, dass eine rheumatische Erkrankung längst kein Grund mehr ist, seinen Wunsch vom Traumberuf aufzugeben. Dafür wirbt auch die Deutsche Rheuma-Liga: „Eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung, die Aufnahme der Berufstätigkeit und die Ausübung eines Berufes stärken das Selbstwertgefühl. Geben Sie Rheumatikern daher eine Chance zur beruflichen Teilhabe“, richtet Rotraut Schmale-Grede auch einen Appell an Arbeitgeber, "sie sind motiviert, flexibel und leistungsbereit."

Der Rheuma-Podcast

Mara, Sabine und Mario kennen viele Sprüche und Vorurteile gegenüber jungen Menschen mit Rheuma und geben Tipps für den Umgang damit. Die Mitglieder der Ausschüsse junger Rheumatiker und Eltern rheumakranker Kinder leisten oft Aufklärungsarbeit und zeigen zum Beispiel den Rheuma-Simulationshandschuh in Schulen. Hören Sie rein.

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