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Sturzangst – und was dagegen hilft

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Eine Frau, die von hinten mit einem Rollator zu sehen ist, geht über eine Straße.

Stürze im höheren Lebensalter sind häufig und ziehen oft gravierende Folgen nach sich. Wie kann man sie verhindern?

Ein Sturz ist definiert als ein unerwartetes Ereignis, bei dem eine Person auf dem Boden beziehungsweise auf einer tieferen Ebene zum Liegen kommt. Etwa jeder dritte Mensch über 65 und jeder zweite über 80 Jahren, der zu Hause lebt, stürzt mindestens einmal pro Jahr.

Die Häufigkeit von Sturzereignissen steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an, und zwar alle zehn Jahre um etwa zehn Prozent.

Folgen von Stürzen

Die Folgen eines Sturzes können schwerwiegend sein. Chirurgische Folgen treten bei etwa zehn Prozent der Stürze auf, etwa Knochenbrüche, aber auch Zerrungen, Verstauchungen, Weichteilverletzungen und Blutungen.

Letzteres gilt unter anderem für Blutungen innerhalb des Schädels, vor allem, wenn jemand Butverdünner einnimmt. Aber auch psychische Folgen dürfen nicht unterschätzt werden. Bis zu 80 Prozent der Betroffenen, die schon einmal oder mehrmals gestürzt sind, leiden an Sturzangst oder Fallangst. Damit handelt es sich um die häufigste Sturzfolge.

Eine besonders traumatisierende und oft mit weiteren schwerwiegenden Komplikationen einhergehende Sturzfolge ist das Syndrom des langen Liegens bei Personen, die nach einem Sturz nicht wieder allein aufstehen können. Dazu gehört etwa der Zerfall der Muskelfasern (Rhabdomyolyse), der mit akutem Nierenversagen einhergehen kann. Weitere typische Folgen sind Wundliegen sowie Lungenentzündungen.

Jede vierte Person reduziert nach einem Sturzereignis ihre körperliche Aktivität, was mit Einschränkungen im täglichen Leben, einer Zunahme der Pflegebedürftigkeit und mit verminderter Lebensqualität einhergeht.

Einschätzung des Sturzrisikos

Um gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin das individuelle Sturzrisiko zu ermitteln und Risikofaktoren anschließend behandeln zu können, helfen die Antworten auf diese drei Fragen:

  • Ist die betroffene Person in den vergangenen zwölf Monaten gestürzt?
  • Fühlt sich die betroffene Person beim Gehen oder Stehen unsicher?
  • Hat die betroffene Person Bedenken, zu stürzen?

Lautet die Antwort auf eine oder mehrere Fragen ja, sollte zeitnah eine ärztliche Abklärung einschließlich körperlicher Untersuchung, Medikamentenanamnese und gegebenenfalls Labortests und apparativer Diagnostik erfolgen. Das sogenannte Geriatrische Assessment beinhaltet eine strukturierte Einschätzung des Sturzrisikos. Dabei erfolgt die Beurteilung von
Gang, Balance und Muskelkraft durch standardisierte Tests.

Ein häufig genutzter Test ist der „Timed Up & Go“-Test (TUG), bei dem Gangbild, Stabilität und Gelenkfunktion beurteilt werden. Neuerdings ist dieser Test auch als kostenlose App für Ihr Smartphone verfügbar.

Um die Muskelkraft der unteren Extremitäten (insbesondere der Hüftmuskulatur) zu testen, bietet sich der sogenannte Five-Chair-Rise-Test an. Dabei wird die Zeit gemessen, die eine Person benötigt, um fünfmal hintereinander von einem Stuhl aufzustehen und sich wieder hinzusetzen, ohne sich dabei mit den Armen abzustützen. 

Risikofaktoren aufspüren

Die gute Nachricht zuerst: Auf viele Sturzrisikofaktoren im höheren Lebensalter können Sie einen positiven Einfluss nehmen! Sarkopenie etwa betrifft zum Beispiel ein Viertel aller Menschen über 80 Jahren. Der Verlust an Muskelmasse, Muskelkraft und Muskelfunktion erhöht das Risiko für Stürze etwa vierfach. Sarkopenie hat zwei Hauptursachen: mangelnde körperliche Bewegung und mangelnde Eiweißzufuhr über die Nahrung.

Körperliches Training und eine eiweißreiche Ernährung können dem entgegenwirken. Einer bestehenden Sturzangst muss entgegengewirkt werden. Sie führt häufig zu einem Teufelskreis aus weniger Bewegung und daraus resultierendem Muskelabbau, der wiederum weitere Stürze begünstigt. Auch Sehprobleme sind eine häufige Sturzursache. Darüber hinaus ist ebenso eine Urininkontinenz mit einem erhöhten Risiko für Stürze assoziiert.

Durch den „Druck“, es rechtzeitig auf die Toilette zu schaffen, geraten ältere Menschen in Stress und stürzen vermehrt. Eine sorgfältige Abklärung und Behandlung sowie eine angemessene Versorgung mit Hilfsmitteln, etwa mit Inkontinenzmaterialien, kann das Sturzrisiko senken. Für Rheumabetroffene ist die Diagnostik und Therapie von etwaigen Fußproblemen besonders wichtig. Schuhe mit niedrigen Absätzen und viel Sohlen-Boden-Kontakt können die Sturzgefahr senken.

Sturzsicheres Zuhause

Die meisten Stürze passieren zu Hause im vertrauten Umfeld. Stolperfallen sollten möglichst ausgeräumt werden – dabei kann die Ergotherapeutin oder der Ergotherapeut bei einem Hausbesuch helfen. Alternativ stellen auch manche Sanitätshäuser hierfür qualifizierte Mitarbeitende zur Verfügung.

Ihr Arzt/Ihre Ärztin sollte im Rahmen der Abklärung von Sturzursachen und der Sturzrisikobeurteilung ein besonderes Augenmerk auf Erkrankungen legen, die mit einem erhöhten Sturzrisiko assoziiert sind. Dazu zählen neben Knochen- und Gelenkerkrankungen insbesondere neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson-Syndrome und Demenzen, Polyneuropathien, Herzrhythmusstörungen und Blutdruckregulationsstörungen.

Medikamente im Blick halten

Wichtig ist eine gründliche Medikamentenanamnese im Hinblick auf Arzneimittel, die die Sturzneigung fördern können. Medikamente wie Antidepressiva, Antipsychotika und auch frei verkäufliche Schlafmittel können Benommenheit, Koordinationsstörungen und Veränderungen der Muskelspannung bewirken und Stürze begünstigen.

Eine zu strenge medikamentöse Einstellung von Blutdruck und Blutzucker können allerdings auch Stürze begünstigen, weil unter Umständen Blutdruck oder Blutzucker zu niedrige Werte erreichen.

Aktiv werden gegen Stürze

Regelmäßiges körperliches Training, das gleichermaßen Muskelkraft, Gleichgewicht, Koordination und Ausdauer verbessert, ist die Basis der Sturzprävention. Die Aufrechterhaltung eines aktiven Lebensstils ist dabei essenziell. Als Orientierung gilt, dass auch ältere Menschen mindestens 6.000 bis 7.000 Schritte pro Tag laufen sollten – alternativ möglichst vier Kilometer Gehstrecke am Tag oder mehr als 80 Minuten Gehzeit am Tag. Apps oder ein Schrittzähler helfen dabei, das Pensum zu kontrollieren.

Wer sich einer Sport- oder Bewegungsgruppe anschließt, bleibt meist einfacher in Bewegung, weil es in Gesellschaft leichter fällt, den inneren Schweinehund zu zähmen. Sturzpräventionsprogramme gibt es auch an manchen geriatrischen Kliniken. Häufig gibt es Informationen dazu bei der eigenen Krankenkasse.

Autoren:   

PD Dr. Sandra Schütze ist Chefärztin der Medizinisch-Geriatrischen Klinik, Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken, Rani D'Cruz und Dr. Oliver Habich sind dort Oberärzte.

Dieser Text erschien zuerst in der Mitgliederzeitschrift "mobil", Ausgabe 3-2025. Sechs Mal im Jahr erhalten Mitglieder der Deutschen Rheuma-Liga die Zeitschrift direkt nach Hause (jetzt Mitglied werden).

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