Fibromyalgiesyndrom

Zusammensetzung aus dem lateinischem „fibra“ (Faser) und den griechischen Wörtern „mys“ (Muskel) und „algos“ (Schmerz).“Syndrom“ bedeutet das gleichzeitige Auftreten verschiedener Krankheitszeichen aus gleicher Ursache 

Die Krankheit – was ist ein Fibromyalgiesyndrom?

Das Fibromyalgiesyndrom ist eine häufig auftretende chronische Schmerzerkrankung. Die Krankheit verursacht Schmerzen in unterschiedlichen Körperregionen, meist in der Nähe von Muskeln und Gelenken. Fast immer ist auch die Wirbelsäule betroffen. Von hundert Menschen erkranken zwei an einem Fibromyalgiesyndrom, Frauen sechs bis sieben Mal häufiger als Männer.

Die Ursachen – wie kommt es zum Fibromyalgiesyndrom?

Die genauen Ursachen sind bis heute nicht bekannt. Aber man weiß, dass bestimmte Faktoren das Risiko einer Erkrankung erhöhen. Dazu gehören Stress im Arbeitsleben und im Alltag, andere psychische Belastungen wie Misshandlungen im Kindes- oder Erwachsenenalter, zu geringe körperliche Aktivität, Rauchen oder Übergewicht. Ein Fibromyalgiesyndrom kann auch infolge einer anderen Erkrankung auftreten (Sekundärerkrankung), etwa der rheumatoiden Arthritis. Zurzeit beschäftigt sich die Forschung mit der Frage, ob biochemische oder neurologische Störungen bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen. 

Die Symptome – welche Warnsignale gibt es?

Das Fibromyalgiesyndrom entwickelt sich über einen langen Zeitraum. Betroffene berichten meist über chronische Schmerzen, die oft monatelang anhalten. Sehr oft treten die Schmerzen am Rücken auf und breiten sich dann auf Beine und Arme aus. Die Krankheit befällt nie die Gelenke selbst, aber sie verursacht Schmerzen in der Umgebung – also rund um  Schultern, Ellenbogen, Hände, Hüften, die Knie oder Sprunggelenke. Hinzu kommen oft Schlafstörungen. Die Patienten fühlen sich körperlich oder geistig erschöpft. Viele reagieren überempfindlich auf Reize oder haben seelische Beschwerden (innere Unruhe, Angstgefühle oder Niedergeschlagenheit bis hin zu einer Depression).

Weitere Beschwerden im Zusammenhang mit dem Fibromyalgiesyndrom sind:

  • Kopfschmerzen
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Gefühlsstörungen an Händen und Füßen
  • Menstruationsbeschwerden
  • Herzrasen
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Eine allgemein erhöhte Schmerzempfindlichkeit

Die Diagnose – wie stellt der Arzt die Krankheit fest?

Bis zur Diagnose Fibromyalgiesyndrom vergeht oft viel Zeit. Die Betroffenen haben viele Stunden in Wartezimmern hinter sich. Oft werden sie nicht ernstgenommen, weil die Ursache ihrer Beschwerden nicht auszumachen ist. Um eine Diagnose zu stellen, muss der Arzt die Krankheitsgeschichte genau erfragen. Und er muss den Körper gründlich untersuchen. Ein wichtiger Hinweis sind schmerzhafte Druckstellen an den Ansätzen von Sehnen. Mithilfe von Laborwerten lässt sich das Fibromyalgiesyndrom nicht nachweisen. Allerdings kann der Arzt andere Erkrankungen durch Blutanalysen ausschließen.

Die Therapie – welche Möglichkeiten gibt es?

Weil die Beschwerden der Fibromyalgie-Patienten sehr unterschiedlich sind, muss der Arzt die Therapie individuell auf den Patienten abstimmen. Das erfordert viel Geduld und gegenseitiges Vertrauen. Die Leitlinie zu „Definition, Ursachen, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgie-Syndroms“ ist dabei für Arzt und Patient gleichermaßen Hilfestellung. Sie gibt Tipps zur Diagnose und Therapie. Neben der wissenschaftlichen Leitlinie gibt es eine laienverständliche Patientenleitlinie, die auf den Informationsbedarf von Patienten zugeschnitten ist.

Bei einem Fibromyalgiesyndrom führt oft nicht eine Behandlungsform allein zu entscheidenden Verbesserung, sondern die Kombination mehrere verschiedener Therapiearten. Oft ist es hilfreich, wenn Ärzte dabei mit Psychologen, Physiotherapeuten und Selbsthilfegruppen zusammenarbeiten.

1. Medikamentöse Therapie

Sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (Schmerzmittel, die bei der Rheumatherapie eingesetzt werden) haben sehr oft Nebenwirkungen. Daher sollten sie nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Generell sind Schmerzmittel bei Fibromyalgie nur selten eine Hilfe. Ihr Effekt ist meistens recht gering.
Antidepressiva zeigen bei etwa der Hälfte der Patienten Wirkung, zumindest für eine gewisse Zeit. Sie können den Schlaf verbessern, Schmerzen mindern und Verspannungen lösen. Die Dosis in der Fibromyalgie-Therapie ist geringer als bei der Behandlung von Depressionen. Ein Gewöhnungseffekt ist nicht bekannt. Nicht hilfreich sind Betäubungsmittel oder Kortison-Präparate. An reine Schlaf- und Beruhigungsmittel gewöhnt sich der Körper. Daher sind diese nicht ratsam.

Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Seite "Was hilft bei Fibromyalgie?".

2. Nicht-medikamentöse Therapie

Bei einer so unterschiedlich verlaufenden Krankheit wie einem Fibromyalgiesyndrom ist es besonders wichtig, dass die Patienten gut informiert sind - über die Krankheit selbst, die Behandlungsmöglichkeiten wie auch über ihre Perspektive, die sich ihnen bietet. Dies alles erfahren Betroffene im Patienten-Schulungsprogramm „Fibromyalgie“, das die Rheuma-Liga, Rehakliniken und rheumatologische Arztpraxen anbieten.

Helfen können den Betroffenen zum Beispiel gymnastische Übungen. Sie lockern die Muskeln auf. Doch sie können auch leicht zu Schmerzen führen. Daher ist es wichtig, langsam zu beginnen und sich vorsichtig zu steigern. Bewegung in warmem Wasser vertragen Patienten mit einem Fibromyalgiesyndrom meistens gut. Sinnvoll können auch bestimmte Sportarten sein, zum Beispiel die folgenden:

  • Gehen
  • Nordic-Walking
  • Schwimmen
  • Fahrradfahren
  • Tanzen
  • Muskelaufbautraining.

In allen Fällen sollten die Betroffenen vorsichtig anfangen. Das bedeutet zum Beispiel: Vor Beginn des Trainings sollten sie sich dehnen. Wenn die Betroffenen kaltes und warmes Wasser gut vertragen, können ihnen warme Vollbäder, Wärmepackungen oder manchen sogar Kältebehandlungen gut tun.
Weil die Krankheit nicht nur körperliche Beschwerden mit sich bringt, sondern auch psychische, ist eine psychologische Behandlung für die meisten Patienten sinnvoll.

Auch Entspannungstechniken können ihnen helfen, etwa:

  • Muskelentspannung nach Jakobsen
  • Autogenes Training
  • Meditation
  • Biofeedback
  • Entspannung durch Fantasiebilder
  • Schmerzbewältigungstechniken

 

 

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