Portulak - Vergessener Winterstar

Portulak, © TwilightArtPictures - Fotolia.com

Der vitale Portulak rettete als „Goldschürfersalat“ Abenteurern in Kalifornien das Leben. Heute bereichert er die Küche in vielen Ländern der Welt.

Von Indianern lernten einst hungernde Goldschürfer, dass Portulak ihre Ernährung sichern konnte. Sie säten die einjährige schnell wachsende Pflanze mit den zarten, aber fleischigen grünen Blättchen auf die kargen feuchten Hänge Kaliforniens.

In die Gärten Europas gelangte der Portulak anscheinend über Kuba, weshalb man ihn auch als Kubaspinat bezeichnet.

Heilsame Blätter

Indianer nutzten Portulak auch als Heilpflanze. Bei Gliederreißen (Rheuma) legten die Shoshonen beispielsweise frisch zerstampfte Blätter als Breiumschlag auf die betroffenen Stellen. In Deutschland erwähnte Hildegard von Bingen die gesundheitsfördernde Bedeutung des wilden Portulaks als Erste. Die Volksmedizin schätzt vor allem seine magenstärkende, auch harntreibende und leicht abführende Wirkung. Den erfrischenden Geschmack verdankt er der Omega-3-Hepta-Linolsäure, die sich auf Herz und Kreislauf positiv auswirkt und außerdem das Immunsystem ankurbelt. Portulak wächst rund 30 Zentimeter hoch – bei besseren Erträgen wie der ähnlich aussehende Ackersalat. In der Mitte eines tellerförmigen Laubblatts blühen zwischen April und Juni hübsche kleine weiße, sich selbst bestäubende Blütentrauben. Man nennt ihn auch Winterpöstlein oder Gewöhnliches Tellerkraut (Claytonia perfoliata).

Genuss bis zum Frost

Seine Keimung gelingt nur bei unter 13 Grad Celsius. Ausgesät wird zwischen September und März. Die Ernte kann erstmals nach vier Wochen erfolgen. Etwas Frost kann das Kraut jedoch problemlos vertragen – daher kommt der Name „Winterportulak“. Wer es selbst züchtet, sollte alle drei Wochen Folgesaaten ausbringen. Dabei die Samen nur leicht andrücken, sie keimen besser unter Lichteinfluss. So kann man im Freiland bis zum ersten Frost mehrere Ernten genießen.

In mitteleuropäischen Selbstversorger-Gärten sät sich Winterportulak oft selbst aus. In seiner wilden Form trifft man ihn auch auf Äckern an, aber besonders auf den sandigen Böden der Nordseeküste, die mit ihrem feuchten und im Winter eher milden Klima bestes Wachstum garantieren. In Holland und Niedersachsen klagt man über das bodenbedeckende „Unkraut“ in Baumschulen und Gärtnereien. Immer noch wird oft nicht erkannt, dass die Pflanze als humusschonende Bodenbe - deckung nutzbar und essbar ist.

Allerlei Küchen-Varianten

Ganzjährig bereichert Portulak die Küche als Spinat, Brotbelag, in Essig eingelegt, als essbare Blütendekoration oder als Salat – allein oder in Mischung mit anderen grünen Salaten, Kresse oder Senf. Er schmeckt auch mit Tomaten, Zwiebeln, Basilikum und anderen Gewürzkräutern, angemacht mit Olivenöl und Zitronensaft. Der säuerlich-salzige Geschmack frischer junger Triebe ersetzt Kochsalz, seine Blätter passen zu Kräutersoßen, Kräuterbutter, Eiergerichten und Kräutersuppen (Zugabe erst zum Schluss). Zusammen mit Sauerampfer ist Portulak eine wichtige Zutat der „bonne femme“ – einer beliebten Suppe der französischen Küche.

undefinedRezept Nudeln mit Portulak-Pesto

Über die Autoren:

Gerhard Schiff und Ines Nowack widmen sich künftig in einer kleinen Serie vergessenen Gemüsesorten.