Seit November ist Corinna Elling-Audersch Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga. Im Interview mit Julia Bidder, Chefredakteurin der Mitgliederzeitschrift "mobil", spricht sie über die Ziele des Vorstandes, Ehrenamt und die politische Agenda.
Frau Elling-Audersch, im Februar hat der neue Vorstand der Rheuma-Liga zum ersten Mal getagt. Was haben Sie besprochen?
Die konstituierende Sitzung des neuen Vorstandes hat sehr deutlich gemacht: Die Aufgaben sind groß – und sie dulden keinen Aufschub! Im Mittelpunkt unserer Beratungen stand die weiterhin angespannte Versorgungssituation rheumakranker Menschen. Bundesweit fehlen nach wie vor rund 700 Rheumatologinnen und Rheumatologen.
Diese Lücke hat spürbare Auswirkungen auf Diagnostik, Therapie und kontinuierliche Betreuung. Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt die Arbeit der Rheuma-Liga weiter an Bedeutung. Wir verstehen uns als verlässliches Sicherheitsnetz für Betroffene: Wir informieren, begleiten und unterstützen, wenn der Alltag mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung oder mit Arthrose zur Herausforderung wird. Dabei ist es uns ein zentrales Anliegen, wissenschaftlich fundierte und ärztlich geprüfte Informationen bereitzustellen.
Vor welchen Herausforderungen steht die Deutsche Rheuma-Liga in den kommenden Jahren?
Ein zentrales Anliegen unseres Vorstandes ist die Stabilisierung unserer Mitgliederzahlen. In den vergangenen Jahren haben wir – aus unterschiedlichen Gründen – Mitglieder verloren. Das bedauern wir sehr und möchten diesen Trend umkehren. Denn nur als starke Gemeinschaft finden wir politisches Gehör und können die Interessen rheumakranker Menschen wirkungsvoll vertreten. Gleichzeitig stehen wir vor finanziellen Herausforderungen.
Umso wichtiger ist es, dass unsere Landes- und Mitgliedsverbände noch enger zusammenarbeiten. Wir wollen Strukturen schaffen, in denen gute Ideen, erfolgreiche Projekte und wirkungsvolle Aktionen allen zugutekommen können. Wir müssen Synergien nutzen und unsere Kräfte stärker bündeln – auch im Schulterschluss mit anderen großen Verbänden. Gemeinsam erhöhen wir unsere Sichtbarkeit. Unverändert wichtig bleibt für uns die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den ärztlichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden.
Welche Themen stehen auf der politischen Agenda?
Angesichts der aktuellen politischen Umstrukturierungen hat für uns die Sicherung der Versorgung von Menschen mit rheumatischen Erkrankungen oberste Priorität. Wir beobachten mit Sorge, dass chronisch kranke Menschen zunehmend Gefahr laufen, im komplexer werdenden Gesundheitssystem nicht ausreichend berücksichtigt zu werden. Dem müssen wir entschlossen entgegentreten.
Ein weiteres wichtiges Anliegen ist es uns, sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Ärzteschaft stärker zu verankern, dass Arthrose zum rheumatischen Formenkreis gehört und entsprechend wahrgenommen werden muss. Ein persönliches Anliegen von mir ist darüber hinaus das Thema Schmerzbewältigung.
Schmerz ist für viele Betroffene eine zentrale Herausforderung im Alltag. Hier braucht es mehr Aufmerksamkeit, bessere Versorgungsstrukturen und eine stärkere Verzahnung unterschiedlicher Unterstützungsangebote. Mein Ziel ist es, diese Aktivitäten weiter zu stärken und unsere Vernetzung auszubauen – national wie international. Denn im Austausch liegt die Kraft, nachhaltige Verbesserungen für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen zu erreichen.
Die Zahl der ehrenamtlich Tätigen sinkt. Welche Ideen gibt es, um mehr Menschen für ein Ehrenamt zu gewinnen?
Das Ehrenamt ist das Fundament unserer Organisation. Umso wichtiger ist es, neue Menschen dafür zu gewinnen und bestehendes Engagement nachhaltig zu stärken. Dabei müssen wir Strukturen schaffen, die ehrenamtliche Tätigkeit erleichtern. Wer sich engagiert, soll Unterstützung, Wertschätzung und verlässliche Rahmenbedingungen erfahren und muss auch die Möglichkeit haben, die Arbeit zu reduzieren.
Selbstfürsorge ist eine Voraussetzung für langfristiges Engagement – insbesondere für Menschen, die selbst mit einer chronischen Erkrankung leben. Gleichzeitig dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, was uns auszeichnet: Die Rheuma-Liga bedeutet auch Gemeinschaft, Austausch, gegenseitige Stärkung und Lebensfreude. Wer zu uns kommt, findet Verständnis und Solidarität. Viele nehmen wertvolle Informationen für den Umgang mit ihrer Erkrankung mit – und erleben vor allem, dass sie nicht allein sind. Dieses Gefühl von Zugehörigkeit und Sinn ist oft der erste Schritt hin zu eigenem Engagement.
Wenn es uns gelingt, diese positive Erfahrung sichtbar zu machen und zugleich flexible, unterstützende Strukturen anzubieten, werden wir auch künftig Menschen für das Ehrenamt begeistern können.
Mehr zum Ehrenamt in der Rheuma-Liga
Haben Sie als Präsidentin ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Ja, das habe ich. Mir ist es ein zentrales Anliegen, dass Rheuma – und mit ihm die Deutsche Rheuma-Liga – nicht länger im Schatten anderer großer Volkskrankheiten steht. Wenn in Politik und Medien über chronische Erkrankungen gesprochen wird, stehen meist andere im Fokus. Rheumatische Erkrankungen hingegen werden trotz ihrer hohen Verbreitung und der erheblichen individuellen wie gesellschaftlichen Auswirkungen zu wenig wahrgenommen. Mein Ziel ist es, Rheuma stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – klarer, sichtbarer und selbstbewusster.
Meine Vision ist, dass jede Patientin und jeder Patient, der die Diagnose Rheuma oder Arthrose erhält, selbstverständlich auch einen Hinweis auf die Deutsche Rheuma-Liga bekommt. Vor allem wünsche ich mir, dass die Menschen, die zu uns kommen, sich gut aufgehoben fühlen – kompetent beraten, menschlich begleitet und gestärkt für ein lebenswertes Leben mit ihrer rheumatischen Erkrankung.
Dieser Text erschien zuerst in der Mitgliederzeitschrift "mobil", Ausgabe 2-2026. Sechs Mal im Jahr erhalten Mitglieder der Deutschen Rheuma-Liga die Zeitschrift direkt nach Hause (jetzt Mitglied werden).
Der Vorstand
Präsidentin:
Corinna Elling-Audersch
Vizepräsidentinnen:
- Gerlinde Bendzuck
- Kerstin Keding
Schatzmeister
Claus Heckmann
Schriftführerin
Helwine Ludwig
Beisitzerinnen und Beisitzer:
- Dr. Matthias Schmidt-Ohlemann (ärztlicher Berater)
- Prof. Christof Specker (ärztlicher Berater)
- Mara Kaldeweide
- Mathias Miethner
- Gabriele Nuck
- Dr. Josef Röper
Vertreter der Krankenversicherer
Dr. jur. Rolf-Ulrich Schlenker

