Polymyalgia rheumatica/ Riesenzellenarteriitis: Ursachen, Symptome, Therapie

Übersicht
- Was ist eine Polymyalgia rheumatica? Was ist eine Riesenzellarteriitis?
- Wer erkrankt?
- Was passiert bei einer Entzündung der Arterien?
- Was sind Ursachen für die Polymyalgia rheumatica?
- Welche Symptome gibt es bei Polymyalgia rheumatica und Riesenzellenarteriitis?
- Welche medikamentösen Therapiemöglichkeiten gibt es?
- Gibt es noch weitere Therapieoptionen?
- Welche Rolle spielt Bewegung für Betroffene mit Polymyalgia rheumatica?
Was ist eine Polymyalgia rheumatica? Was ist eine Riesenzellarteriitis?
Die Polymyalgia rheumatica ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Typisch sind Schmerzen und eine ausgeprägte Steifigkeit vor allem im Bereich von Schultern, Nacken und Hüften. Der Name setzt sich aus den griechischen Worten poly = viel, Myalgia = Muskelschmerz und rheumatica = fließend zusammen.
Die Riesenzellarteriitis ist eine Entzündung von Schlagadern (Arterien), meist im Kopfbereich, aber auch in größeren Gefäßen des Körpers. Die Entzündung einer Schlagader nennt man Arteriitis.
Die Polymyalgia rheumatica und die Riesenzellarteriitis gehören zu einem gemeinsamen Krankheitsspektrum und können zusammen auftreten.
Bei der Riesenzellarteriitis kann eine Gewebeprobe (Biopsie), meist aus der Schläfenarterie, typische Entzündungszeichen mit sogenannten Riesenzellen zeigen. Diese Untersuchung kann die Diagnose sichern. Bei der Polymyalgia rheumatica steht dagegen das typische Beschwerdebild im Vordergrund; eine Gefäßentzündung lässt sich hier bei der isolierten PMR nicht nachweisen.
Wer erkrankt?
Die Polymyalgia rheumatica tritt fast ausschließlich bei Menschen ab dem 50. Lebensjahr auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. In Deutschland sind laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie rund 70.000 Menschen betroffen. Die Erkrankung ist damit eine der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen im höheren Lebensalter.
Was passiert bei der Entzündung der Arterien?
Bei der Riesenzellarteriitis wandern Entzündungszellen (weiße Blutkörperchen) in die Gefäßwand ein. Es kommt zu einer Verdickung der Gefäßwand, wodurch sich das Gefäß verengen kann. Die Entzündung tritt oft abschnittsweise auf, das heißt: Manche Gefäßbereiche sind stark betroffen, andere bleiben unverändert.
Durch die Verengung kann die Blutversorgung von Organen eingeschränkt werden. In seltenen Fällen kann ein Gefäß vollständig verschlossen werden.
Besonders wichtig ist dies im Bereich der Augen: Wird die Blutversorgung des Sehnervs oder der Augen-versorgenden Arterien gestört, kann es zu plötzlichen Sehstörungen bis hin zur Erblindung kommen. Auch andere Komplikationen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt sind möglich, aber seltener.
Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind deshalb sehr wichtig.
Was sind Ursachen für die Polymyalgia rheumatica?
Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Vermutlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle, darunter genetische Veranlagung, Veränderungen des Immunsystems im Alter und möglicherweise auch Infektionen.
Welche Symptome gibt es bei Polymyalgia rheumatica und Riesenzellenarteriitis?
- Plötzlich auftretende Schmerzen im Bereich von Schultern, Nacken, Oberarmen und Hüften/Oberschenkel
- Ausgeprägte Morgensteifigkeit
- Schmerzen vor allem in den frühen Morgenstunden oder in der zweiten Nachthälfte
- Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Antriebsschwäche
- Appetitmangel mit Gewichtsverlust
- Manchmal Fieber oder vermehrtes Schwitzen
Mögliche Symptome bei Riesenzellarteriitis
- Neu auftretende Kopfschmerzen
- Schmerzen beim Kauen
- Druck- oder Berührungsempfindlichkeit der Kopfhaut
- Schwindel
- Vorübergehende oder anhaltende Sehstörungen
- Selten Bewusstseinsverluste
Welche medikamentösen Therapiemöglichkeiten gibt es?
Glukokortikoide sind nach wie vor das Mittel der ersten Wahl und werden weltweit für die Behandlung der Polymyalgia rheumatica empfohlen. Zu Beginn der Erkrankung werden zwischen schen 12,5 und 25 Milligramm Prednisolon-Äquivalent pro Tag gegeben.
Diese Medikamente funktionieren sehr gut. Man kann und muss sie jedoch wegen ihres Nebenwirkungsrisikos nach einiger Zeit ausschleichen. Allerdings erleidet etwa jeder zweite Betroffene wieder einen Schub. In diesen Fällen wird Prednisolon erneut höher dosiert und ein weiterer Ausschleichversuch unternommen. Aber aufgrund der bekannten Nebenwirkungen – zum Beispiel im Hinblick auf Osteoporose, Diabetes, Augenerkrankungen wie der grüne Star oder eine Trübung der Augenlinse sowie ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko – versuchen wir, so wenig Glukokortikoide einzusetzen wie möglich, auch deshalb, weil hohe Kortisondosen das Infektionsrisiko erhöhen.
Das Ziel der neuen Leitlinie ist es, den optimalen Weg für die Therapie zu finden. Dazu gehört auch, etwaige Begleiterkrankungen als Nebenwirkung der Glukokortikoid-Therapie – präventiv oder therapeutisch – im Blick zu halten, etwa die Osteoporose.
Wie lange soll die Therapie mit Glukortikoiden andauern?
Sie soll möglichst rasch reduziert werden – und zum Beispiel sollte die Dosierung nach acht bis zehn Wochen Behandlung nur noch zehn Milligramm Prednisolon-Äquivalent täglich betragen. Die Dosis soll dann möglichst bis zum vollständigen Absetzen weiter sinken. Sollten die Beschwerden allerdings zurückkehren, muss man wieder erhöhen. Idealerweise dauert die Glukokortikoid-Therapie ein Jahr, in der Praxis ist es jedoch oft länger.
Gibt es noch weitere Therapieoptionen?
Ja, bis vor Kurzem hatten wir nur Methotrexat zur Verfügung, um Glukokortikoide einzusparen und dazu beizutragen, dass weniger Schübe auftreten. Neu zugelassen ist nun die Interleukin-6-Rezeptor-blockierende Substanz Sarilumab, die bei der Polymyalgia rheumatica wirksam und zugelassen ist und dazu beitragen kann, Glukokortikoide einzusparen und einen besseren Therapieverlauf zu erreichen, also weniger Schübe und eine bessere Behandlungseffektivität.
Wir empfehlen in unserer Leitlinie, die Behandlung mit einer Interleukin-6-Rezeptor-blockierenden Substanz zusätzlich zum Glukokortikoid vor allem bei Patienten einzusetzen, bei denen die Erkrankung wiederkehrt. Sie kann auch bei neu Erkrankten sinnvoll sein, wenn ein besonders hohes Risiko für Nebenwirkungen durch die Therapie mit Glukokortikoiden besteht. Alternativ können auch andere Medikamente wie Methotrexat oder Rituximab (ein gegen B-Zellen gerichtetes Medikament) in Betracht gezogen werden.
Worauf ist sonst noch bei der Therapie zu achten?
Die Leitlinie empfiehlt eine schnellstmögliche Vorstellung beim Rheumatologen, um die Diagnose zu sichern und die Therapieentscheidung zu treffen. Bei schweren Symptomen sollten Betroffene möglichst innerhalb von einer Woche zum Rheumatologen. Die Weiterbehandlung von Patienten unter einer Glukokortikoid-Monotherapie kann dagegen durch den Hausarzt erfolgen. Bis zum Erreichen der Remission sollten Betroffene regelmäßig zur Kontrolle gehen, etwa alle ein bis vier Wochen. Bei einer stabilen Remission reicht eine Kontrolle alle drei bis sechs Monate. Sind die Symptome abgeklungen und die Therapie beendet, kann man individuell entscheiden, wie oft eine Kontrolle erfolgen soll.
Worauf ist sonst noch bei der Therapie zu achten?
Die Leitlinie empfiehlt eine schnellstmögliche Vorstellung beim Rheumatologen, um die Diagnose zu sichern und die Therapieentscheidung zu treffen. Bei schweren Symptomen sollten Betroffene möglichst innerhalb von einer Woche zum Rheumatologen. Die Weiterbehandlung von Patienten unter einer Glukokortikoid-Monotherapie kann dagegen durch den Hausarzt erfolgen. Bis zum Erreichen der Remission sollten Betroffene regelmäßig zur Kontrolle gehen, etwa alle ein bis vier Wochen. Bei einer stabilen Remission reicht eine Kontrolle alle drei bis sechs Monate. Sind die Symptome abgeklungen und die Therapie beendet, kann man individuell entscheiden, wie oft eine Kontrolle erfolgen soll.
Welche Rolle spielt Bewegung für Betroffene mit Polymyalgia rheumatica?
Bewegung und ein aktiver Lebensstil sind für alle Menschen wichtig, das gilt auch und in besonderer Weise für Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Schon in der Vorgängerversion der Leitlinie stand, dass der Arzt oder die Ärztin insbesondere älteren und/oder gebrechlichen Patientinnen und Patienten zusätzlich zu den Medikamenten ein individualisiertes Übungsprogramm anbieten soll. Das ist wichtig für den Erhalt von Muskelmasse und Muskelfunktion sowie für eine Reduktion des Sturzrisikos.
Stand: Juni 2026
Fachliche Beratung/Autor: Prof. Frank Buttgereit ist Rheumatologe und Stellvertretender Klinikdirektor der Medizinischen Universitätsklinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie am Campus Charité Mitte.
Der Text stammt zu großen Teilen aus einem Interview in der Mitgliederzeitschrift "mobil" von Julia Bidder, Chefredakteurin, mit Prof. Frank Buttgereit.
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