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Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Autoimmunerkrankungen sind chronische Immunerkrankungen, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Viele rheumatische Erkrankungen sind Autoimmunerkrankungen.

Übersicht

Autoimmun bedeutet, dass das Immunsystem nicht mehr nur gegen Bakterien, Viren und Pilze kämpft, sondern auch den eigenen (auto = selbst) Körper angreift. Dies kann auch so gut wie alle Körperstrukturen betreffen: Gelenke, Haut, Schilddrüse, Nieren, Lunge, Nervensystem usw.

Die Schwere der Autoimmunerkrankungen ist sehr unterschiedlich, von harmlosen Formen autoimmuner Schilddrüsenerkrankungen bis zu lebensbedrohlichen Systemerkrankungen mit Multi-Organbeteiligung. Entsprechend vielfältig sind auch Beschwerden und Symptome der Betroffenen.

Fasst man alle Krankheitsbilder zusammen, leben bundesweit laut einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung mehr als sechs Millionen Menschen mit einer Autoimmunerkrankung. Frauen erkranken wesentlich häufiger als Männer an Autoimmunerkrankungen.

 

Welche Autoimmunerkrankungen gibt es?

Es gibt Dutzende Autoimmunerkrankungen. Zu den rheumatischen Erkrankungen gehören folgende:

(Auf den entsprechenden Themenseiten lesen Sie weitere Infos zu Symptomen, Ursachen und Therapie der einzelnen Erkrankungen.)

Was passiert bei einer Autoimmunerkrankung im Körper?

Das Immunsystem ist das entscheidende „Organ“ für die Unterscheidung, was zum Organismus gehört („selbst“) und was „fremd“ ist. Entsprechend spielt es eine große Rolle bei der Vermeidung und Beherrschung von Infektionen, z.B. durch Vernichtung von Krankheitserregern.. Es ist auch verantwortlich für die Entwicklung von Allergien oder für die Beseitigung abgestorbener oder geschädigter Zellen. Zu Nutze machen wir uns das Immunsystem bei Impfungen.

Man unterschiedet das angeborene („innate“) IS, welches mit bestimmten weißen Blutkörperchen und Wiweißen z.B. Fremdkörper umzingeln und beseitigen oder Errger abtöten und auffressen. Dies ist eine relativ unspezifische erste Abwehr des Immunsystems. Sehr viel spezieller ist das erworbene IS („adoptive“) mit speziell trainierten „Abwehrzellen“ des Blutes.

Vor allem B- und T-Lymphozyten, die ebenfalls zu den weißen Blutkörperchen gehören, erfüllen diese Aufgabe. Jeder B-Lymphozyt ist in der Lage, einen bestimmten Fremdkörper, „sein“ Antigen, aufzuspüren. Kommt der B-Lymphozyt mit dem Antigen in Kontakt, verwandelt er sich in eine Plasmazelle, die dann eine riesige Menge an spezifischen Antikörpern (Immunglobulinen) produziert, die gegen das Antigen (und nur dagegen) gerichtet sind.

Antikörper locken wiederum Abwehrzellen an, aber aktivieren auch die zusammengehörigen Eiweißkörper des Komplementsystems, das in die Wände von Bakterien Löcher „bohrt“ und sie auf diese Weise zerstört. Die T-Lymphozyten können dagegen infizierte Zellen direkt abwehren. Sie steuern die spezifische Abwehr des Immunsystems. T-Suppressorzellen zum Beispiel passen auf, dass die Immunabwehr nicht übermäßig heftig reagiert. Gedächtnis-T-Lymphozyten speichern die Merkmale eines Angreifers. Sie alarmieren sofort die Immunabwehr, sobald ein schon bekanntes Antigen erneut auftaucht. Regulatorische T-Lymphozyten hingegen passen auf, dass die Immunabwehr nicht übermäßig heftig wird.

In manchen Fällen können die T-Zellen Freund oder Feind nicht mehr unterscheiden. Sie halten gesunde körpereigene Zellen irrtümlich für kranke oder fremde Zellen und alarmieren beispielsweise B-Zellen, deren Antikörper sich dann gegen die eigenen Zellen wenden. Die Folge sind Autoimmunerkrankungen.

Welche Ursachen haben Autoimmunerkrankungen?

Warum das Immunsystem derart aus der Kontrolle gerät und die eigenen Zellen angreift, ist noch immer nicht eindeutig geklärt.

Bei einigen Autoimmunerkrankungen könnten genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Neben vererblichen Faktoren können bei Autoimmunerkrankungen aber auch Hormone und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen.

Wie werden Autoimmunerkrankungen behandelt?

Die Behandlung von Autoimmunerkrankungen ist vielfältig, da es so viele verschiedene Erkrankungen sind. davon abhängig, welche Organe betroffen sind.

Bei vielen Autoimmunerkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis werden Immunsuppressiva eingesetzt. Dazu gehört zum Beispiel Methotrexat, das unter anderem bei der rheumatoiden Arthritis eingesetzt wird.

Auch bei den meisten Kollagenosen ist eine Kombination aus Kortison mit anderen Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, die Grundlage.

Was können Betroffene tun?

Neben der medikamentösen Therapie können insbesondere bei den rheumatischen Autoimmunerkrankungen die Betroffenen selbst eine Ergänzung zur Therapie leisten. Wichtig ist es, aktiv zu bleiben, und sich körperlich zu betätigen.

Soweit es die Krankheit zulässt, sollte man sich regelmäßig ausreichend bewegen, täglich spazieren gehen oder eine halbe Stunde Sport treiben. Damit verbessert man nicht nur die Fitness, sondern man vermindert dadurch auch die Infektanfälligkeit.

Bei der Ernährung sollte man ausgewogen und vielseitig essen und frischen Nahrungsmitteln wie Obst und Gemüse den Vorzug geben. Empfohlen werden auch Fisch, Vollkorn-Getreide und Hülsenfrüchte. Solche Nahrungsmittel verhindern Mangelzustände und versorgen den Körper gleichzeitig mit Vitaminen und Spurenelementen. Eine Ernährung mit wenig Fleisch soll sich bei entzündlichem Rheuma günstig auswirken.

Stress, der über einen längeren Zeitraum andauert, schadet dem Herz-Kreislauf-System.

Sinnvoll ist es auch, auf einen ausreichenden Impfschutz zu achten. Gerade weil viele Rheumamedikamente die Funktionsfähigkeit des Immunsystems unterdrücken, ist es wichtig, mögliche Infektionserkrankungen durch die entsprechenden Impfungen zu verhindern

Fachliche Beratung

Stand: Juni 2026

Fachliche Beratung: Prof. Christof Specker, internistischer Rheumatologe, Vorstandsmitglied der Deutschen Rheuma-Liga und zweiter Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie

Unsere Angebote: Wir sind gerne für Sie da

Mit rheumatischen Erkrankungen kennen wir uns gut aus. Wir beraten Sie gerne und unterstützen Sie. Unser Funktionstraining hilft Ihnen, beweglich zu bleiben. In Kursen, Arbeitsgemeinschaften und Selbsthilfegruppen treffen Sie andere rheumakranke Menschen, mit denen Sie sich austauschen können. Sie finden uns überall in Deutschland. Auch in Ihrer Nähe gibt es Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, die persönlich für Sie da sind.

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