18.05.2015

Fragen - unsere Experten antworten

Fragen zu Arthrose, Foto clipdealer

Hier finden Sie Fragen und Antworten über Arthrose; Die Themen werdenständig ergänzt:

Radiosynoviorthese bei Arthrose?

Eine Bekannte hat mit großem Erfolg eine Radiosynoviorthesebehandlung an ihrem Ellenbogen durchführen lassen. Sie hat Rheumatoide Arthritis. Ich habe Arthrose in beiden Kniegelenken. Wäre diese Behandlung auch etwas für mich?

Bei einer Radiosynoviorthese (RSO) werden feine radioaktive Teilchen in den  Gelenkspalt gespritzt. Diese sogenannten Radionukleide, deren Strahlung nur wenige Millimeter weit reicht, verteilen sich in der Gelenkkapsel und zerstören die aggressiv  wuchernde Gelenkinnenhaut des von der entzündlich-rheumatischen Erkrankung betroffenen Gelenks. Denn die entzündete Gelenkinnenhaut verursacht bei Rheumatoider Arthritis Schmerzen, Schwellung und Überwärmung. Entzündungsherde, die sich durch medikamentöse Basistherapien nicht bessern, können durch die RSO gestoppt werden. Die Arthrose ist bislang in all ihren Stoffwechselprozessen noch nicht umfassend verstanden. Aus der klinischen Erfahrung weiß man jedoch, dass die RSO bei Arthrose fast nie zum Ziel führt. Eine seltene Ausnahme ist die „chronisch aktivierte Arthrose“, bei der sich trotz häufiger Punktion (Entnahme von Gewebsflüssigkeit) und Kortisonspritzen die Gelenkinnenhaut nicht beruhigt. In diesen seltenen Fällen kann eine RSO infolge ihrer höheren Aggressivität nachhaltigere Erfolge erzielen als es Injektionen mit Kortison vermögen. Eine RSO sollte immer am Ende und nie am Anfang der Behandlung stehen.

Dr. med. Martin Quarz, Chefarzt der Orthopädischen Klinik im Reha-Zentrum Bernkastel-Kues

Wann ist eine Knorpelersatztherapie bei Arthrose sinnvoll?

Im Gegensatz zu anderen Körpergeweben kann sich Gelenkknorpel nicht regenerieren. Wenn er massiv geschädigt ist, bleibt oft nur die Möglichkeit, das kaputte Gelenk irgendwann durch ein künstliches zu ersetzen. Eine relativ neue Möglichkeit, den defekten Knorpel durch im Labor  gezüchteten zu ersetzen, kommt bisher nur für wenige Patienten infrage, nämlich dann, wenn es sich um einen kleinen umschriebenen Defekt (drei bis maximal acht Quadratzentimeter groß) an einem einzigen Gelenk handelt, zum Beispiel als Folge eines Sportunfalls  am Knie. Die Methode ist leider für Patienten, die Arthrose in mehreren Gelenken haben, noch Zukunftsmusik.

Dr. med. Martin Quarz, Chefarzt der Orthopädischen Klinik im Reha-Zentrum Bernkastel-Kues

Hyaluronsäure bei Arthrose - was ist dran?

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Baustein des Knorpels und der Gelenkflüssigkeit und wird aus Hahnenkämmen gewonnen. Zur Therapie der Knie-Arthrose kann sie direkt ins Kniegelenk gespritzt werden. Die Meinungen der Ärzte dazu gehen jedoch auseinander, wie auch die Gegenüberstellung zeigt:

Pro:

 

Kritiker behaupten, die Wirksamkeit von Hyaluronsäure sei nicht belegt. Ebenso
wahr wie unwahr. Denn: Welche Anforderungen stellen wir an einen wissenschaftlichen Beweis? Wissenschaftlicher Standard sind Untersuchungen mit vielen Probanden, die zur einen Hälfte das Medikament und zur anderen ein Scheinmedikament (Placebo) erhalten. So wurde auch die Hyaluronsäure untersucht. Schmerzen und Beeinträchti-gungen bei bestimmten Alltagsverrichtungen wurden gemessen: Hat der Proband nach der Therapie weniger Schmerzen, gilt sie als wirksam. Hyaluronsäuretherapie ist aber keine Schmerz-, sondern eine knorpel-erhaltende Therapie.

Natürlich ist davon auszugehen,dass gesünderer Knorpel weniger schmerzt. Optimisten sprechen von Knorpelaufbau. Selbst wenn eine Therapie nur dazu beiträgt, dass eine fortschreitende Erkrankung in ihrer Entwicklung gebremst wird, wäre das doch ein Erfolg. Nach den bisherigen Untersuchungen wurde der Zustand des Knorpels nicht direkt beschrieben – nur indirekte Zeichen wie Schmerz oder Funktionseinschränkungen. Arthrosen verlaufen über Jahre und Jahrzehnte. Um die Wirksamkeit von Hyaluronsäurepräparaten wirklich beweisen zu können, sind Langzeitstudien über mindestens fünf bis zehn Jahre mit Tausenden von Injektionen mit Hyaluron-säure und Placebospritzen zu fordern. Solange wir diese nicht haben, sollten wir uns auf unseren Verstand und den derzeitigen Kenntnisstand verlassen. Demnach ist Hyaluronsäure eine körper-eigene Substanz, die im Knorpelstoff-wechsel und bei der ,Schmierung’ des Gelenks offensichtlich eine wichtige Rolle spielt.

Wer eine Hyalurontherapie ablehnt, muss die Frage nach den Alternativen beantworten und trägt Verantwortung dafür, dass Menschen durch das Vorenthalten einer Therapie möglicherweise Schaden entsteht.

Dr. med. Martin Quarz, Chefarzt der Orthopädischen Klinik im Reha-Zentrum Bernkastel-Kues

Kontra:

Es gibt kaum eine Substanz,  deren Wirksamkeit ähnlich umstritten ist, wie die der Hyaluronsäure. Das wissen auch die Hersteller dieser Präparate und nutzen eine Gesetzeslücke, um die Zulassung als Arzneimittel zu umgehen.

Von den auf dem Markt befindlichen Präparaten hat nur eines eine solche Zulassung. Alle anderen sind lediglich „Medizinprodukte“ und umgehen damit die strengen Zulassungsregeln. Sie sind vergleichbar mit Bandagen oder Mullbinden – man braucht noch nicht einmal eine Apotheke, um sie zu vertreiben. Ein Blick in die Fachinformation für Ärzte des einzigen als Arzneimittel zugelassenen Präparats verrät, dass es nur bei Schmerzen und gestörter Gelenkfunktion bei leichter oder mittelschwerer Arthrose am Kniegelenk – nicht an anderen Gelenken – zugelassen ist. Leichte Arthrosen bedürfen in der Regel keiner Therapie. Ein Wiederaufbau des verschlissenen Knorpels ist damit nicht möglich. Für eine schwere Arthrose mit starken Schmerzen besteht keine Zulassung. Gerade da wird die Hyaluron-säure aber häufig eingesetzt. Schaut man in die wissenschaftliche Literatur, findet man erheblich unterschiedliche Untersuchungs-ergebnisse – auch wenn man mehrere Untersuchungen in sogenannten Metaanalysen zusammenfasst.
Was soll der Patient daraus schließen? Da die Expertenmeinungen derart aufeinander-prallen, kann man sagen: Wenn überhaupt ein Effekt besteht, kann er nicht sehr groß sein. Sonst wären sich die Experten nämlich einig. Die Stiftung Warentest konstatiert: „Diese Mittel sind aufgrund fehlender Daten wenig geeignet, um Abnutzungserscheinungen am Kniegelenk dauerhaft zu behandeln.“ Aufgrund des fehlenden, überzeugenden Wirkungsnach-weises hat der Gemeinsame Bundes-ausschuss ab dem 1.4.09 auch das einzige als Medikament zugelassene Präparat aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen. Die Kassen verweigern zu Recht die Bezahlung. Bei der fraglichen Wirkung sollte sich jeder genau überlegen, ob er den stolzen Preis aus eigener Tasche bezahlen will.

Dr. med. Jochen Lautenschläger, Leitender Oberarzt, Capio Klinik an der Weißenburg, Uhlstädt-Kirchhasel

Hagebutte bei Arthrose - was ist dran?

Im Reagenzglas besitzt Hagebuttenpulver entzündungshemmende Eigenschaften.Zwei kleinere Studien an Arthrose-Patienten verglichen 5 Gramm Hagebuttenpulver pro Tag mit einem Scheinmedikament. Hagebuttenpulver führte dabei innerhalb eines Monats zur Schmerzensenkung bei sehr guter Verträglichkeit. Obwohl diese klinischen Studien auf eine Wirksamkeit von Hagebuttenpulver hinweisen, ist der Weg zur Zulassung als Medikament noch weit. Die Hagebuttenpräparate werden daher als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet.

Das Problem: Es wird der Anschein erweckt, es handele sich um ein Medikament mit nachgewiesener Wirksamkeit. Dadurch wird die Hoffnung vieler Arthrosepatienten auf ein wirksames und gut verträgliches Medikament ausgenutzt, um Profit zu machen.

Fazit: Es bestehen keine Bedenken gegen einen Versuch mit Hagebuttenpulver, wenn man sich etwas davon  verspricht und etwa 25 Euro im Monat übrig hat. Wunder sind jedoch nicht zu erwarten.

Prof. Dr. med. Dirk O. Stichtenoth, Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover