Tipps und Infos zur Ernährung bei Rheuma

Übersicht
- Kann eine Ernährungsumstellung eine rheumatische Erkrankung günstig beeinflussen?
- Gibt es Lebensmittel, die die Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöht?
- Gibt es Nahrungsmittel mit antirheumatischer Wirkung?
- Ernährung bei Gicht
- Ernährung bei Osteoporose
- Vegetarische, vegane und ketogene Ernährung
- Darf ich bei Rheuma noch Alkohol trinken?
- Darf ich bei Rheuma noch rauchen?
- Ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminpräparaten bei Rheuma ratsam?
- Fasten bei Rheuma
- Medizinische Beratung/Autor: Prof. Gernot Keyßer
Kann eine Ernährungsumstellung eine rheumatische Erkrankung günstig beeinflussen?
Um es gleich vorwegzunehmen: Die Möglichkeit, mit Ernährung eine entzündlich-rheumatische Erkrankung grundlegend zu beeinflussen oder gar zu verhindern, sind sehr begrenzt.
Keine noch so durchdachte Ernährungsweise kann die medikamentöse oder orthopädische Behandlung rheumatischer Erkrankungen ersetzen. Es ist grundsätzlich falsch, schul- und alternativmedizinische Verfahren im Sinne eines „Entweder – Oder“ gegeneinander auszuspielen.
Diätverfahren sind ein Element in der Rheumatherapie, und ihre Bedeutung sollte weder über- noch unterschätzt werden. Eine Umstellung der Ernährung kann bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen die Wirkung von Medikamenten und Operationen prinzipiell unterstützen. Richtig angewendet, können das Lebensgefühl verbessert, Gelenkschmerzen gelindert und der Verbrauch von Schmerzmedikamenten reduziert werden.
Außerdem sind viele Ernährungsformen, die bei rheumatischen Erkrankungen empfohlen werden, auch für die Vermeidung anderer Gesundheitsgefahren wichtig. Dazu gehören vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Gibt es Lebensmittel, die die Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöht?
Nach neueren Forschungsergebnissen ist es wahrscheinlich nicht ein Lebensmittel, welches die Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöht, sondern das Gesamtbild der Ernährungsgewohnheiten. Das fängt schon in der frühesten Kindheit an: Mangelernährung im Säuglingsalter steigert das Arthritis-Risiko ebenso wie eine sehr kurze oder fehlende Stillperiode.
Bausteine einer gesunden Ernährung:
- Hoher Anteil von Obst und rohem Gemüse
- Nüsse und viele Ballaststoffe wie in Vollkornmüsli
- Verzicht auf stark gesüßte Getränke
- Wenig Lebensmittel aus reinem Weizenmehl
- Wenig Schwein- und Rindfleisch
- Wenig stark gesalzene Lebensmittel
Menschen, die sich nach diesen Gesichtspunkten ernähren, haben ein vermindertes Risiko, eine rheumatoide Arthritis zu erleiden.
Gibt es Nahrungsmittel mit antirheumatischer Wirkung?
Die Einhaltung einer „mediterranen Diät“, die der Küche des Mittelmeerraumes entlehnt ist, linderte in einer wissenschaftlichen Studie die Schmerzen von Rheumabetroffenen. Diese Diät enthält einen hohen Anteil von Früchten und Gemüsen. Milchprodukte mit hohem Fettanteil werden durch Joghurt und mageren Käse ersetzt.
Mediterrane Kost kann viel Fisch enthalten, muss es aber nicht. Die entzündungshemmenden Wirkungen von Ölen aus fetten Seefischen wie Makrelen oder Hering können auch durch pflanzliche Öle erreicht werden. Mediterrane Kost verwendet wenig Fleisch. Einmal pro Woche Rind oder Schweinefleisch ist das Maximum.
Der Vorteil dieser Diät liegt in der Tatsache, dass auch Herz- und Gefäßerkrankungen günstig beeinflusst werden können – vor allem durch die reichliche Verwendung von Olivenöl. Auch eine Reihe von anderen Pflanzenölen (Borretsch, Nachtkerze, Walnussöl, Schwarzkümmelöl) besitzen entzündungshemmende Eigenschaften, auch wenn positive Effekte bezüglich ihrer Wirkung bei rheumatischen Erkrankungen noch nicht sicher nachgewiesen wurden.
Die Ernährungsweisen anderer Weltregionen können ebenso eine entzündungshemmende Wirkung entfalten, wenn sie im Wesentlichen auf pflanzlicher Nahrung basieren. Die indische Küche ist sehr fleischarm und wird durch die Verwendung von Curcuma geprägt, dem Pulver der Gelbwurz, Hauptbestandteil des Currys.
Curcuma werden zahlreiche entzündungshemmende Wirkungen nachgesagt. Im asiatischen Raum werden häufig fermentierte pflanzliche Nahrungsmittel gegessen, wie das Koreanische Kimchi – ebenfalls sehr gesundheitsfördernd.
Ernährung bei Gicht
Von Gicht betroffene Menschen sollten auf den Puringehalt der Nahrung achten. Purine sind die Ausgangssubstanzen für die Bildung von Harnsäure.
Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der es zu einer erhöhten Konzentration von Harnsäure in Blut und Körperflüssigkeiten kommt. Dieses Abfallprodukt des Zellstoffwechsels kann von einigen Menschen nicht optimal über die Nieren ausgeschieden werden. Daher kommt es bei einem Überangebot von Harnsäure zu Ablagerungen dieser Substanz in kristalliner Form in Gelenken, Nieren, aber auch Weichteilen. Ansammlungen von Harnsäurekristallen in der Gelenkflüssigkeit können zu Gichtanfällen führen.
Im Vordergrund der Gichtbehandlung stehen wirksame Medikamente. Dass eine Diät dabei hilft, Gichtanfälle zu vermeiden, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend bewiesen, erscheint aber aufgrund klinischer Erfahrungen wahrscheinlich.
Gicht-Betroffene sollten Lebensmittel mit einem Puringehalt von mehr als 150 mg pro 100 g zu vermeiden, bzw. deutlich eingeschränkt aufzunehmen sind. Liegt der Harnsäuregehalt zwischen 50 und 150 mg pro 100 g, sollte eine Aufnahme von einer Mahlzeit pro Tag nicht überschritten werden.
Was sind purinreiche und purinarme Lebensmittel?
- Purinreich sind unter anderem viele Fleischsorten und Fisch.
- Purinarm sind unter anderem Milch, Joghurt, Quark, Eier, Käse, Kartoffeln, Reis und viele Gemüsesorten.
- Einen mittleren Puringehalt haben unter anderem Wurst, Fleischbrühe, Bier und Putenschnitzel.
Eine Tabelle mit einigen Lebensmitteln finden Sie auf der Internetseite des Berufsverbandes Deutscher Internistinnen und Internisten.
Das sollten Betroffene mit Gicht beachten:
- Ausreichend Trinken, vor allem kalorienfreie Getränke wie Wasser und Tee
- Wenig Fleisch
- Keinen Alkohol
- Vermeidung von größeren Mengen Fruchtzucker wie in Softdrinks
- Betonung pflanzlicher Lebensmittel
Ernährung bei Osteoporose
Osteoporose bedeutet den allmählichen Verlust von Knochenmasse. Bewegung und Vitamin D (Sonnenlicht) tragen zum Erhalt der Knochenfestigkeit bei. Aber auch Ernährungsfragen sind für den Stoffwechsel des Knochens enorm wichtig. Kalzium ist einer der entscheidenden Bausteine der Knochensubstanz.
Das sollten Betroffene mit Osteoporose beachten:
- Raucherinnen und Raucher haben deutlich häufiger Osteoporose als Nichtraucherinnen und Nichtraucher
- Stark phosphat- und oxalathaltige Lebensmittel schaden den Knochen: Dazu gehören Colagetränke und viele Wurstsorten
- Übermäßiger Alkoholkonsum schwächt das Skelett
- Auf ausreichende Eiweißzufuhr achten: Quark, Magerkäse, Fisch, Geflügel, Eier, Hülsenfrüchte und Sojaprodukte wie Tofu
- Ausreichend Kalzium, unter anderem durch Milch, kalziumreiche Mineralwässer, kalziumreiches Gemüse (Broccoli, Lauch, Grünkohl)
Vegetarische, vegane und ketogene Ernährung
Vegane Kost verzichtet auf jede Form tierischer Lebensmittel: auf Milchprodukte, Eier, im Extremfall sogar auf Honig. Dadurch besteht die Gefahr eines Mangels an Vitamin B12 und Eisen. Es gibt keine überzeugenden Beweise dafür, dass entzündlich-rheumatische Erkrankungen durch diese Kostform langfristig günstig beeinflusst werden.
Bei Betroffenen mit hochaktiver rheumatoider Arthritis, die durch die Erkrankung unter einem Eiweißabbau leiden, ist der völlige Verzicht auf tierisches Protein nicht zu empfehlen. Aus den oben besprochenen Gründen sollte jedoch der Anteil von Rind- und Schweinefleisch reduziert werden. Vegetarische Ernährung (auch Ovo-lacto-vegetabile Kost genannt) erlaubt die Verwendung von Milch, Milchprodukten und Eiern. Wer nicht ganz „fleischfrei“ leben möchte, sollte Fleischmahlzeiten nur einmal wöchentlich essen, Geflügel und Fisch bevorzugen und auf die Herkunft aus artgerechter Haltung achten.
Die ketogene Diät ist sehr fett- und eiweißreich und verzichtet weitgehend auf Kohlehydrate (also auf Zucker, Getreide, Reis, Kartoffeln). Aus den tierischen und pflanzlichen Fetten entstehen im Körper Abbaustoffe, die sog. Ketone, denen u.a. entzündungshemmende Wirkungen nachgesagt werden. Ob diese Kostform für Rheumabetroffene vorteilhaft ist, steht noch nicht fest. Einige ketogene Ernährungsformen enthalten zu wenig Ballaststoffe und könnten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Deshalb soll hier keine Empfehlung dafür ausgesprochen werden.
Darf ich bei Rheuma noch Alkohol trinken?
Interessanterweise senkt der Verzicht auf Alkohol nicht das Risiko einer rheumatoiden Arthritis. Personen, die in geringen Mengen (!) Alkohol zu sich nehmen, erkranken sogar etwas seltener an entzündlichem Gelenkrheuma als völlig abstinente Personen. Die Betonung liegt dabei auf der geringen Dosis: Übersteigt die Zufuhr von Alkohol die Menge von 10 g pro Tag, verliert sich diese Schutzwirkung rasch wieder. Diese Menge ist schon mit einem halben Liter Bier oder einem Schoppen (0,2 Liter) Wein pro Tag überschritten!
Darf ich bei Rheuma noch rauchen?
Stärker als der Einfluss der Ernährung ist der des Rauchens: Die rheumatoide Arthritis tritt bei Raucherinnen und Rauchern messbar häufiger auf und verläuft schwerer als bei Nichtrauchern. Das Erkrankungsrisiko steigt zusätzlich an, wenn sich Raucherinnen und Raucher sehr salzreich ernähren und übergewichtig sind.
Ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminpräparaten bei Rheuma ratsam?
Bei einer ausgeglichenen Ernährung, die genügend frisches Obst und Gemüse, magere Milchprodukte und Eiweißquellen enthält, nicht in ernährungsbedingte Mangelsituationen geraten.
Bei Patienten mit schweren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kann es jedoch gelegentlich zu einem Mehrbedarf an bestimmten Vitaminen und Spurenelementen kommen. Hier werden Präparate mit klar festgelegten Inhaltsstoffen medizinisch verordnet.
Nicht jedes der frei verkäuflich angebotenen Mittel ist harmlos und nebenwirkungsfrei. Allergische Reaktionen sind bei allen Präparaten prinzipiell möglich. Vitamine und Spurenelemente können in zu hoher Dosis auch Schäden verursachen.
Für Vitaminpräparate gilt in besonderem Maße: Die Quelle von Vitaminen sollte immer die Nahrung selbst sein. Eine Zufuhr von Vitaminen aus medizinischen Gründen ist nur selten erforderlich und sollte mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin abgesprochen werden.
Fasten bei Rheuma
Fastenkuren werden häufig für die naturheilkundliche Behandlung von Patienten mit rheumatoider Arthritis empfohlen. Für länger als 10 Tage dauernde Fastenkuren existieren keine aussagekräftigen Forschungsergebnisse.
Kurze Fastenperioden von 7 bis 9 Tagen führten bei Patienten mit milder und stabil eingestellter Erkrankung zu einer Linderung von Gelenkschmerzen. Auch wenn die Vorstellung von einer „Reinigung“ oder „Entschlackung“ durch Fasten zunächst einleuchtend scheint, konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass die rheumatoide Arthritis durch Umweltgifte entsteht, oder dass Fasten Giftstoffe aus dem Körper entfernt. Denkbar ist, dass körpereigene, entzündungshemmende Stoffe – Glucocorticoide – für die positiven Effekte des Fastens verantwortlich sind. Lässt man gesunde Personen fasten, kommt es zu einer vermehrten Freisetzung dieser Hormone, die neben der Hemmung von Schmerz und Entzündung auch für die Bereitstellung von Energie aus körpereigenen Reserven verantwortlich sind.
Außerdem hat das Fasten Auswirkungen auf unsere Darmflora, also die Zusammensetzung der Darmbakterien, deren Gesamtheit als Mikrobiom bezeichnet wird. Was das im Einzelnen für unsere Gesundheit bedeutet, wird zurzeit erforscht.
Fasten nur bei Übergewicht
Der Gewichtsverlust beim Fasten kommt in den ersten Tagen vor allem durch die Darmentleerung zustande. Parallel dazu werden kurzfristig verfügbare Energiespeicher, zum Beispiel in der Leber abgebaut. Fettreserven werden leider erst spät mobilisiert. Außerdem kann es bei längeren Fastenperioden zum Abbau von Eiweiß aus Muskulatur, Knochen und anderen Geweben kommen.
Gerade für Betroffene mit aktiver rheumatoider Arthritis wirkt sich ein derartiger Eiweißverlust negativ aus, denn die Gelenkentzündung an sich führt bereits zu verstärktem Abbau von Eiweiß. Daher sind Fastenkuren in erster Linie bei übergewichtigen Patientinnen und Patienten mit gut eingestellter rheumatoider Arthritis zu empfehlen.
Fastenkuren sollen von Ärzten mit Erfahrung in der Diättherapie durchgeführt werden. Die medikamentöse Therapie sollte dabei unbedingt fortgesetzt werden. In den letzten Jahren ist eine besondere Fastenform ins Blickfeld geraten: Das Intervallfasten.
Hier wird die Zeit der Nahrungsaufnahme auf 8 Stunden begrenzt (z.B. von 12 bis 20 Uhr), in den übrigen 16 Stunden werden keine Kalorien zugeführt. Alternativ kann auch an einem oder zwei Tagen der Woche komplett gefastet werden. Günstige Auswirkungen auf die Aktivität einer rheumatischen Erkrankung sind zwar bisher nicht erwiesen, aber positive Effekte auf den Stoffwechsel und das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen sind belegt. Das ist für Rheumapatienten, die oft ein höheres Risiko für diese Erkrankungen haben, besonders wichtig.
Medizinische Prüfung
Stand: Oktober 2025
Autor und fachliche Beratung: Prof. Dr. med. Gernot Keyßer, Internist, Rheumatologe und Leiter des Arbeitsbereichs Rheumatologie am Universitätsklinikum Halle (Saale), Sprecher des Rheumazentrums Halle/Saale
Quelle: Der Text stammt aus der Broschüre "Ernährung bei Rheuma" der Deutschen Rheuma-Liga. das Projekt wird von der Deutschen Rentenversicherung Bund gefördert. Die Broschüre kann über den Publikationsshop heruntergeladen und direkt bei den Landesverbänden bestellt werden.
Hilfsmittel zum Kochen
Kartoffeln schälen, Dosen öffnen, Brot schneiden: Küchenarbeit kann für Rheuma-Betroffene mühsam sein. Zum Glück gibt es Hilfsmittel, die das Leben einfacher machen.
Infos und Tipps
Fastenkuren, vegetarische Kost, Intervallfasten: Ein Ernährungsexperte und Rheumatologe erklärt, was diese Themen für Menschen mit Rheuma bedeuten.
Gesunde Ernährung und Bewegung ist der Schlüssel zu mehr Energie. Wir haben zehn Ernährungstipps zusammengestellt.


